Auf einen guten Büro­stuhl wird von vie­len Selb­stän­di­gen am Anfang ihrer Exis­tenz­grün­dung nicht all­zu gro­ßen Wert gelegt. Wenn ich mich an die ers­te Zeit in mei­nem Home-Office erin­ne­re, da saß ich auf einem nor­ma­len Stuhl, zwar mit dick gepols­ter­ter Sitz­flä­che, doch ide­al war das nicht.


Irgend­wann räch­te sich die Nach­läs­sig­keit mit Kreuz­schmer­zen. Neun bis zehn Stun­den am Tag auf einem rücken­un­freund­li­chen Stuhl soll­te sich wirk­lich nie­mand zumu­ten.

Erst dann habe ich mir einen Büro­stuhl gekauft. Bevor ich mich für ein Modell ent­schie­den habe, infor­mier­te ich mich, wor­auf ich alles ach­ten soll­te, damit ich kei­nen Flop bei mei­nem Kauf lan­de.

Auf welche Kriterien solltest du bei der Auswahl deines Bürostuhls achten?

Ob es den abso­lut per­fek­ten Büro­stuhl gibt, weiß ich nicht, es ist eher zu bezwei­feln. Wich­tig ist vor allem, dass Nacken, Schul­tern und Rücken ent­las­tet wer­den und man sich in dem Stuhl bewe­gen kann, d. h. ein dyna­mi­sches Sit­zen (beweg­tes Sit­zen mit ver­schie­de­nen Sitz­po­si­tio­nen) mög­lich ist, der Stuhl soll­te dabei ein zu schnel­les Ermü­den des Kör­pers ver­hin­dern und die Wir­bel­säu­le ent­las­ten.

Je län­ger du am Schreib­tisch sitzt, des­to bes­ser soll­te die Qua­li­tät dei­nes Büro­stuhls sein. Es ist ein­leuch­tend, dass zehn Stun­den Sit­zen mehr an die kör­per­li­che Sub­stanz gehen als nur zwei Stun­den.

Rücken­leh­ne:

  • Ein hoch­wer­ti­ger Büro­stuhl passt sich jeder Bewe­gung an und stützt die gera­de ein­ge­nom­me­ne Hal­tung. Lehnst du dei­nen Ober­kör­per zurück, soll­ten sich die Rücken­leh­ne und die Sitz­flä­che auch nach hin­ten nei­gen. Bewegst du dich nach vor­ne, geht die Leh­ne auch die­se Bewe­gung mit (Wipp­me­cha­nik).
  • Die Rücken­leh­ne soll­te nicht starr an den Stuhl mon­tiert sein, son­dern Mög­lich­kei­ten zur indi­vi­du­el­len Ein­stel­lung (vor allem in der Höhe) haben. Außer­dem soll­te sie min­des­tens bis zu den Schul­tern rei­chen.
  • Wer Pro­ble­me mit dem Len­den­wir­bel­be­reich hat, soll­te sich für einen Büro­stuhl mit einer Rücken­leh­ne ent­schei­den, die die natür­li­che S‑Krümmung der mensch­li­chen Wir­bel­säu­le auf­greift (soge­nann­te Lordosen- oder Lum­bal­stüt­ze).
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Sitz­flä­che:

  • Die Höhe der Sitz­flä­che soll­test du ein­stel­len kön­nen. Die beque­me Sitz­po­si­ti­on sieht so aus, dass die Ober- und Unter­schen­kel einen Win­kel von 90° bil­den.
  • Eine ein­ge­bau­te Fede­rung ver­mei­det unnö­ti­ge Stoß­be­las­tun­gen der Wir­bel­säu­le, wenn du dich auf den Stuhl setzt. Auch dar­auf soll­test du Wert legen.
  • Sehr prak­tisch ist die Sitz­tie­fen­ver­stel­lung: Mit die­ser Funk­ti­on kannst du die Auf­la­ge­flä­che für Gesäß und Ober­schen­kel opti­mal ein­stel­len.
  • Die Vor­der­kan­te der Sitz­flä­che soll­te sich nicht oder nur mini­mal anhe­ben, wenn du dich im Stuhl zurück­neigst. Dadurch blei­ben die Füße auf dem Boden.
  • Die Sitz­flä­che soll­te nach vor­ne neig­bar sein, um eine rücken­ent­las­ten­de Posi­ti­on ein­neh­men zu kön­nen. Es gibt im Han­del sol­che Keil­kis­sen, die den glei­chen Effekt haben und oft auf nor­ma­len Stüh­len und auf Auto­sit­zen ihre Anwen­dung fin­den. Falls der Büro­stuhl über eine Nei­gungs­funk­ti­on der Sitz­flä­che ver­fügt, brauchst du die­ses Kis­sen nicht.

Arm­leh­nen:

  • Arm­leh­nen sind nicht jeder­manns Sache, ich mag sie und möch­te kei­nen Büro­stuhl ohne Leh­nen. Von Zeit zu Zeit kann ich mei­ne Unter­ar­me dort zur Ent­span­nung able­gen. Das tut auch den Schul­tern und dem Nacken gut. Damit du dei­ne Arme opti­mal able­gen kannst, soll­ten die Leh­nen höhen- und brei­ten­ver­stell­bar Die Brei­ten­ver­stell­bar­keit ver­mei­det, dass du dich im Stuhl ein­ge­quetscht fühlst.

Mate­ri­al und Stoff­be­zug:

  • Dem Stoff­be­zug soll­test du auch genü­gend Auf­merk­sam­keit wid­men, denn durch das täg­li­che Sit­zen kann er sich schnell abnut­zen. Der Stoff soll­te luft­durch­läs­sig sein. Ob wei­che PU-Ober­flä­che oder leich­ter Poly­es­ter­be­zug, die­se Ober­flä­chen las­sen sich gut pfle­gen und sind meist atmungs­ak­tiv.
  • Die Sitz­pols­te­rung soll­te eine gute Druck­ver­tei­lung bie­ten, gera­de im Bereich des Gesä­ßes und der Ober­schen­kel.
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Stuhl­fuß:

  • Ein Dreh-Büro­stuhl mit Rol­len fin­de ich ein­deu­tig kom­for­ta­bler. Damit lässt sich leicht und ohne gro­ße Kraft­an­stren­gung vom Schreib­tisch zurück­fah­ren und auf­ste­hen. Ohne Rol­len wäre dies deut­lich unbe­que­mer.

Regelmäßige Bewegung muss auch sein

Doch auch ein hoch­wer­ti­ger Büro­stuhl ersetzt nicht die nöti­ge Bewe­gung und bewahrt dich nicht hun­dert­pro­zen­tig vor Rücken­be­schwer­den. Ich blei­be mitt­ler­wei­le nie län­ger als eine Stun­de am Stück sit­zen. Dann ste­he ich auf und bewe­ge mich etwas, mache viel­leicht sogar ein paar Gym­nas­tik­übun­gen und lau­fe ein paar Minu­ten. Um die Mit­tags­zeit ist ein klei­ner Spa­zier­gang an der Luft ide­al. Auch das und regel­mä­ßi­ger Sport wie Wal­ken, Rad­fah­ren und Schwim­men tut dem Rücken und der Gesund­heit gut.

Wenn du dei­nen Büro­stuhl in einem Online-Shop kaufst, schau dir die Bewer­tun­gen ande­rer Käufer/​innen an und das Daten­blatt. Dort ste­hen meist noch mehr Details drauf als in der Pro­dukt­be­schrei­bung. Bei unge­klär­ten Fra­gen soll­test du dich an den Shop­be­trei­ber wen­den.

Pezziball als Bürostuhl-Ersatz?

Lan­ge Zeit galt der Pez­zi­ball als ein belieb­ter Ersatz für den klas­si­schen Büro­stuhl. Ich hat­te selbst einen, den ich für ein bis zwei Stun­den am Tag als Sitz­flä­che ver­wen­det habe.

Doch wohl­ge­fühlt habe ich mich damit nicht, mir tat nach einer Woche der Rücken weh, sodass ich den Ball schließ­lich nur noch für Sport- und Gym­nas­tik­übun­gen ver­wen­det habe.

Auch Exper­ten raten mitt­ler­wei­le davon ab, einen Sitz- oder Pez­zi­ball als Büro­mö­bel zu nut­zen.

Da der Ball über kei­ne stüt­zen­de Rücken­leh­ne ver­fügt und leicht in alle Rich­tun­gen weg­rollt, nimmt man dar­auf recht schnell eine star­re Sitz­hal­tung ein, die zur Über­las­tung der Wir­bel­säu­len­mus­ku­la­tur führt. Außer­dem steigt mit dem Pez­zi­ball die Unfall­ge­fahr am Arbeits­platz. ? Mal passt man eine Sekun­de nicht auf, schon rollt der Ball unter einem weg und man fällt hin­ten­über. Das kann böse Fol­gen haben.

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Eine hal­be Stun­de wird sicher­lich nichts Nega­ti­ves anrich­ten, doch län­ger als eine Stun­de an einem Stück soll­te man dar­auf nicht sit­zen, schon gar nicht den gan­zen Tag.

Fazit

Ohne einen hoch­wer­ti­gen Büro­stuhl geht für Selb­stän­di­ge (ob im Home-Office oder im exter­nen Büro) nichts. Er gehört genau­so zu einer pro­fes­sio­nel­len Büro­aus­stat­tung wie Schreib­tisch und PC.

Für einen beque­men Büro­stuhl kannst du schon ein paar Hun­dert Euro Aus­ga­ben rech­nen, am fal­schen Ende spa­ren bringt letzt­end­lich dir und dei­ner Gesund­heit nichts.

(Bild­quel­le: © Monoar Rah­man /Pexels.com)