Eine der ers­ten Hand­lun­gen in der Selb­stän­dig­keit ist die Neu­re­ge­lung sei­ner Kran­ken­ver­si­che­rung, d. h. man muss sei­ner Kran­ken­kas­se mit­tei­len, dass man sich selb­stän­dig macht.


Als ich mich selb­stän­dig gemacht hat­te, mach­te ich einen Ter­min bei mei­ner Kran­ken­kas­se aus, bekam dort – neben einem Info­ge­spräch – auch eini­ge For­mu­la­re von der Kran­ken­kas­se mit nach Hau­se, füll­te sie aus und brach­te sie dann wie­der hin. Auf Grund­la­ge die­ser Anga­ben wird man schließ­lich ein­ge­stuft.

Obwohl man — sobald man in die Selb­stän­dig­keit wech­selt – die Wahl hat, auch in die pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung ein­zu­tre­ten, kam dies für mich nicht in Fra­ge. Die Ein­nah­men sind in der ers­ten Zeit nicht kal­ku­lier­bar und man weiß zu die­sem Zeit­punkt nicht, ob man dau­er­haft oder wenigs­tens für vie­le Jah­re selb­stän­dig bleibt.

Pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­run­gen prei­sen natür­lich gern ihre Leis­tun­gen und Vor­zü­ge an, doch auch die gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­run­gen haben ihre Vor­tei­le.

Vorteile der gesetzlichen Krankenversicherung

Zu den wesent­li­chen Vor­tei­len gehört vor allem die kos­ten­freie Mit­ver­si­che­rung von Fami­li­en­mit­glie­dern.

Außer­dem blei­ben die Bei­trä­ge für Selb­stän­di­ge kal­ku­lier­bar, weil sie sich an der Höhe des Ein­kom­mens ori­en­tie­ren. Steigt das Ein­kom­men, gehen auch die Bei­trä­ge nach oben und umge­kehrt.

Wer als jun­ger Ver­si­cher­ter auch bei den gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen Geld spa­ren will, hat die Mög­lich­keit, sich für einen Wahl­ta­rif Selbst­be­halt zu ent­schei­den. Bei die­sem Tarif zah­len die Ver­si­cher­ten einen Teil ihrer Behand­lungs­kos­ten selbst. Dafür wer­den sie mit einer Geld­prä­mie von maxi­mal 600 € im Jahr belohnt.

Wel­che wei­te­ren Wahl­ta­ri­fe bei den gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­run­gen ange­bo­ten wer­den, ob sie sich loh­nen und was zu beach­ten ist, fin­dest du in die­sem Bei­trag auf finanz​tip​.de.

Nachteile der gesetzlichen Krankenversicherung

Zu den Nach­tei­len gehör­te in der Ver­gan­gen­heit, dass Gering­ver­die­ner mit der Zah­lung des Ver­si­che­rungs­bei­trags finan­zi­ell an ihre Gren­zen kamen. In einem Arti­kel auf ber​tels​mann​-stif​tung​.de sprach sich die Ber­tels­mann Stif­tung dafür aus, dass sich die Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge an den rea­len Ein­kom­men der Selb­stän­di­gen aus­rich­ten soll­ten und nicht an von den Kran­ken­kas­sen defi­nier­ten fik­ti­ven Ein­kom­mens­wer­ten.

So lag 2018 für die Bei­trags­be­mes­sung ein fik­ti­ves Ein­kom­men von 2.283,74 € zugrun­de, ein Ver­dienst, den vie­le gering­ver­die­nen­de Selb­stän­di­ge nicht erreich­ten.

Seit 2019 deutlich niedrigere Mindestbeiträge

Die­se hoch ange­setz­ten Ein­kom­mens­wer­te gehö­ren seit die­sem Jahr der Ver­gan­gen­heit an. Denn der Bun­des­tag hat mit dem GKV-Ver­si­cher­ten­ent­las­tungs­ge­setz beschlos­sen, dass der Min­dest­bei­trag sich hal­biert, die Min­dest­be­mes­sungs­grund­la­ge für frei­wil­lig gesetz­lich Ver­si­cher­te liegt seit Anfang 2019 bei 1.038,33 €.

Selb­stän­di­ge mit gerin­gem Ein­kom­men bezah­len nun min­des­tens 156 € für ihre Kran­ken­ver­si­che­rung pro Monat, zuvor lag die Bei­trags­hö­he bei ca. 360 € monat­lich.

Dar­über hin­aus muss man nicht mehr nach­wei­sen, ob man haupt- oder neben­be­ruf­lich selb­stän­dig ist.

Wechsel zur privaten Krankenversicherung oder nicht?

Im All­ge­mei­nen bie­tet sich für Selb­stän­di­ge eigent­lich immer ein Wech­sel in eine pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung an. Der Vor­teil gegen­über der Vari­an­te als Selb­stän­di­ger in der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se zu ver­blei­ben liegt vor allem in der Höhe der monat­li­chen Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge.

Vie­le pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men locken jun­ge Ver­si­che­rungs­neh­mer mit nied­ri­gen Ein­stiegs­ta­ri­fen, die unter dem Bei­trags­satz der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung lie­gen kön­nen.

Nach kran​ken​kas​se​-ver​gleich​.de lohnt sich für jun­ge Sin­gles der Ein­tritt in die pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung. In die­sen Jah­ren ver­fügt man oft noch über eine sta­bi­le Gesund­heit und kann sich mit dem güns­ti­gen Basis­ta­rif eine mehr als zufrie­den­stel­len­de Absi­che­rung für den Krank­heits­fall zule­gen.

Vorteile einer privaten Krankenversicherung für Selbständige

Der Vor­teil bei der Wahl eines Anbie­ters im Bereich pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung für Selb­stän­di­ge liegt bei der voll­kom­men ande­ren Fest­set­zung der monat­li­chen Bei­trä­ge durch den Ver­si­che­rungs­neh­mer. Als Ange­stell­ter gibt es ja die Rege­lung, dass man nur als Beam­ter oder ab einem Brut­to-Jah­res­ein­kom­men von 60.750 € (Stand: 2019) in die pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung wech­seln kann.

Für Selb­stän­di­ge ist der Wech­sel in eine pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung jeder­zeit mög­lich. Dabei wird der monat­lich zu leis­ten­de Bei­trag an die pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung unab­hän­gig vom durch­schnitt­li­chen Ein­kom­men ver­an­schlagt. Viel­mehr setzt sich der Monats­bei­trag aus einer Viel­zahl von Para­me­tern und Fak­to­ren zusam­men, auf einen Punkt gebracht heißt das: je kom­for­ta­bler der Ver­si­che­rungs­schutz, des­to höher der Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trag.

Zu die­sen „kom­for­ta­blen Fak­to­ren“ gehört z. B. die Höhe der Selbst­be­tei­li­gung: Wenn du eine sta­bi­le Gesund­heit hast und sel­ten zum Arzt gehst, kannst du hier eini­ges spa­ren, wenn du die­sen Wert rela­tiv hoch ansetzt. Das wirkt sich posi­tiv auf die Höhe des Monats­be­trags der Kran­ken­ver­si­che­rung aus. Wird man aller­dings mal schwer krank, schlägt die­se Rege­lung ins Nega­ti­ve um.

Wei­te­re Fak­to­ren sind, ob du bei einem Kran­ken­haus­auf­ent­halt Chef­arzt­be­hand­lung wünschst, in einem Ein­zel­zim­mer schla­fen willst, Tages­geld im Krank­heits­fall wünschst, usw.

Die Preis­span­ne für eine pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung ist je nach Anbie­ter varia­bel ein­zu­schät­zen. Oft­mals bekommt man als Jün­ge­rer schon für weni­ger als 100 € pro Monat eine Grund­ab­si­che­rung im Krank­heits­fall, zu der die Über­nah­me von Ope­ra­tio­nen, Vor- und Nach­sor­ge-Unter­su­chun­gen mit­ge­zählt wer­den.

Nachteile einer privaten Krankenversicherung für Selbständige

Die Vor­ge­schich­te dei­ner Erkran­kun­gen für die Fest­set­zung dei­nes Ver­si­che­rungs­be­trags berück­sich­tigt. Lei­dest du z. B. an chro­ni­schen Krank­hei­ten, wegen denen du in regel­mä­ßi­ger The­ra­pie bist, steigt eben­falls der Kran­ken­ver­si­che­rungs­be­trag bei den Pri­va­ten.

Auch für Men­schen jen­seits der 40 ist es nicht mehr sinn­voll, in die PKV zu wech­seln, denn da das Prin­zip der PKV das Anspa­ren von Rück­stel­lun­gen für das Alter des jewei­li­gen Ver­si­cher­ten ist, steht ab 40 nicht mehr genü­gend Zeit zur Ver­fü­gung, um einen bestimm­ten Rück­stel­lungs­be­trag zu errei­chen.

Das heißt, der Ver­si­cher­te muss mehr zah­len, um auf die ange­streb­te Rück­stel­lung zu kom­men. Daher ist ein Ein­tritt in die PKV für jeman­den Ende 20 oder Anfang 30 deut­lich güns­ti­ger und wohl auch eher zu emp­feh­len.

Ein wei­te­rer Nach­teil der PKV ist, dass man als Selb­stän­di­ger kaum wie­der in die GKV zurück­wech­seln kann. Soll­test du dich aller­dings als Selb­stän­di­ger und PKV-Ver­si­cher­ter wie­der arbeits­su­chend mel­den, wird die Arbeits­agen­tur dich bei einer gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung anmel­den.

Fazit

All die­se Punk­te soll­te man berück­sich­ti­gen und sich – wie schon oben erwähnt – meh­re­re kos­ten­lo­se PKV-Ange­bo­te ein­ho­len. Soll­te auch bei den güns­tigs­ten Tari­fen der Ver­si­che­rungs­be­trag deut­lich über 200250 € lie­gen, kann sich ein Wech­sel nicht loh­nen und es ist wohl bes­ser, bei der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung zu blei­ben.

Ob man nun als Selb­stän­di­ger in eine PKV wech­seln soll oder lie­ber doch nicht, kann mit Sicher­heit nicht pau­schal mit ja oder nein beant­wor­tet wer­den. Jeder muss wis­sen, wel­che Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen ihm wich­tig sind, wie viel er monat­lich bezah­len kann und ob er eine sta­bi­le Gesund­heit hat.

Einen ers­ten Schritt zur rich­ti­gen Ent­schei­dung sind aus mei­ner Sicht, Ver­glei­che zwi­schen den ein­zel­nen pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­run­gen anzu­stel­len und auch die Tari­fe von ver­schie­de­nen gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rern ein­zu­ho­len.

Zu mei­ner per­sön­li­chen Ver­si­che­rungs­ent­schei­dung: Da ich selbst schon über 40 bin und bei mei­nen PKV-Ver­glei­chen kein gro­ßes Ein­spar­po­ten­zi­al gegen­über der GKV zu sehen war, bin ich bis­her in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung geblie­ben.

(Bild­quel­le Arti­kel­an­fang: © blick­pi­xel /Pixabay.com)