Wer sich mit einem Geschäfts­kon­zept selb­stän­dig machen will, sei es nun off- oder online, der muss sich auch Gedan­ken machen, wie er die Grün­dungs­pha­se und ers­te Zeit sei­ner Selb­stän­dig­keit finan­zie­ren will.


Nicht jeder braucht für sein Start-up finan­zi­el­le Unter­stüt­zung von außen, bei mir hat ein PC, Inter­net­zu­gang und ein paar Soft­ware-Pro­gram­me für den Start aus­ge­reicht.

Doch je nach Start-up-Umfang wer­den oft ent­spre­chen­de Gel­der für die Grün­dungs­um­set­zung benö­tigt.

Definition und Entstehung von Crowdfunding

Ein noch recht jun­ges Finan­zie­rungs­mo­dell ist das soge­nann­te Crowd­fun­ding, das ins Deut­sche über­setzt so viel wie “Schwarm­fi­nan­zie­rung” bedeu­tet. Jeden­falls lau­tet so die gän­gigs­te Über­set­zung. Man kann Crowd­fun­ding aber auch mit “Geld­be­schaf­fung durch die Mas­se (von Men­schen)” über­set­zen.

Vie­le ein­zel­ne Per­so­nen tra­gen ihren klei­nen oder grö­ße­ren finan­zi­el­len Anteil für die Unter­neh­mens­fi­nan­zie­rung bei. Gera­de für Start-ups, die schlech­te Chan­cen auf einen Kre­dit haben, bie­tet sich damit die Mög­lich­keit, doch noch ihre Exis­tenz­grün­dung in die Rea­li­tät umzu­set­zen. Sol­che Start-ups kom­men meist aus den Berei­chen Kunst, Kul­tur und Sozia­les, oder haben einen sehr visio­nä­ren Ansatz.

Crowd­fun­ding ist als Finan­zie­rungs­mo­dell noch sehr jung und kommt aus den USA. Sei­nen Ursprung hat es im künst­le­ri­schen Bereich, denn im Jahr 2003 grün­de­te der Musi­ker und Pro­du­zent Bri­an Came­lio die Online-Platt­form Artist­Sha­re als Reak­ti­on auf das zuneh­men­de Raub­ko­pie­ren von Musik­stü­cken. Der Inter­net­auf­tritt gab Musi­kern die Mög­lich­keit, Geld für die Pro­duk­ti­on eines Albums zusam­men­zu­tra­gen, bevor es ver­öf­fent­licht wur­de.

In den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren star­te­ten wei­te­re sol­che Inter­net­pro­jek­te für Musi­ker, bis 2009 die Crowd­fun­ding-Platt­form Kick​star​ter​.com in den USA gegrün­det wur­de, die bis heu­te als Vor­rei­ter die­ser Geld­be­schaf­fungs­me­tho­de gilt. Mehr als 10.000 Pro­jek­te wur­den über die­se Platt­form finan­ziert, haupt­säch­lich aus den Berei­chen Kunst und Kul­tur.

In Deutsch­land kann man das Jahr 2011 als Start für Crowd­fun­ding fest­ma­chen. Zu den ers­ten Platt­for­men gehör­ten bei­spiels­wei­se Start­next und inku­ba­to. Auch hier lag der Schwer­punkt auf krea­ti­ven und künst­le­ri­schen Pro­jek­ten wie Film, Foto, Design, Mode und Thea­ter.

Mitt­ler­wei­le hat die Zahl der Crowd­fun­ding-Platt­for­men deut­lich zuge­nom­men. Die wich­tigs­ten will ich in einem wei­te­ren Arti­kel etwas genau­er vor­stel­len.

Crowdinvesting — Geldgeber wollen finanzielle Beteiligung am Start-up

Neben dem Crowd­fun­ding hat sich schließ­lich ein wei­te­rer Begriff eta­bliert, näm­lich das Crowd­in­ves­ting.

Wäh­rend beim Crowd­fun­ding die finan­zi­el­len Inter­es­sen der Geld­ge­ber bzw. Pro­jekt­in­ves­to­ren kei­ne Rol­le spie­len, erwar­ten die Inves­to­ren beim Crowd­in­ves­ting auch an dem spä­te­ren geschäft­li­chen Erfolg des Start-ups betei­ligt zu wer­den. In der letz­ten Zeit sind auch ver­mehrt Crowd­in­ves­ting-Platt­for­men in Deutsch­land ent­stan­den, die ich eben­falls in einem spä­te­ren Bei­trag näher beleuch­tet wer­de.

Videos zu Crowdfunding

Auf You­Tube habe ich meh­re­re Vide­os zu Crowd­fun­ding ent­deckt, so z. B. das Video von der Grün­der-Gara­ge, in dem Crowd­fun­ding erläu­tert wird (auf Eng­lisch).

Die Grün­der-Gara­ge ist ein inno­va­ti­ver Grün­der­wett­be­werb, der Trai­ning, Finan­zie­rung und Gewin­ne aus einer Hand anbie­tet und u. a. von der Stif­tung Entre­pre­neurs­hip ins Leben geru­fen wur­de. Am 19. und 20. Okto­ber 2013 fin­det in Ber­lin ein Entre­pre­neurs­hip Sum­mit statt mit inter­es­san­ten Vor­trä­gen, Work­shops und Impuls­grup­pen, Ver­an­stal­ter ist die Stif­tung Entre­pre­neurs­hip.

In einem ande­ren Video von High5, dem Kanal für digi­ta­les Enter­tain­ment, wird die Crowd­fun­ding-Platt­form Kick­star­ter vor­ge­stellt und auf ein paar Pro­jek­te, die auf Kick­star­ter lie­fen, ein­ge­gan­gen.

Wie funktioniert eine Crowdfunding-Plattform für Start-ups?

Zuerst ein­mal muss ich dazu sagen, dass jede Platt­form ihre eige­nen Richt­li­ni­en für Start-ups hat. Auf den Web­sites fin­den sich ent­spre­chen­de Hin­wei­se und Leit­fä­den für die Ein­tra­gung auf der Platt­form.

Meist läuft eine Anmel­dung in fol­gen­den Schrit­ten ab:

Vor­be­rei­tungs­pha­se: Zuerst soll­te man sein Geschäfts­kon­zept genau durch­den­ken und sich über­le­gen, wie man sein Pro­jekt der Crowd mög­lichst erfolg­reich vor­stel­len will.

Man soll­te klä­ren, wie hoch das Bud­get sein soll­te, das man von der Crowd erhal­ten will und sich auch Gedan­ken machen, wel­che Gegen­leis­tun­gen (wie Erwäh­nung auf der Web­site usw.) man den Geld­ge­bern anbie­ten kann. Will man das Pro­jekt inter­na­tio­nal vor­stel­len? Dann soll­te man es auch in Eng­lisch aus­ar­bei­ten.

Loh­nens­wert ist auch, sich erfolg­rei­che Pro­jek­te auf den Platt­for­men anzu­schau­en, um zu wis­sen, wor­auf es bei der Pro­jekt­prä­sen­ta­ti­on wirk­lich ankommt. Außer­dem kann man auf den Platt­for­men häu­fig Pro­jekt-Betreu­er kon­tak­tie­ren und sich mit die­sen aus­tau­schen und ihnen ent­spre­chen­de Fra­gen stel­len. Für indi­vi­du­el­le Betreu­ung bie­ten die Platt­for­men auch kos­ten­pflich­ti­ge Pre­mi­um­diens­te an.

Bear­bei­tungs­pha­se: In die­ser Pha­se soll­te man sein Pro­jekt auf der Platt­form anmel­den und sehr gut aus­ar­bei­ten. Dabei ist es wich­tig, dass alle gewünsch­ten Richt­li­ni­en ein­ge­hal­ten wer­den, wie bei­spiels­wei­se Erfül­lung des Min­dest­al­ters, Prä­sen­ta­ti­on mit rea­lem Namen oder die Ein­hal­tung von Per­sön­lich­keits- und Urhe­ber­rech­ten.

Start­pha­se: Ist das Pro­jekt auf der Platt­form frei­ge­schal­tet, ist es öffent­lich ein­seh­bar und ers­te Feed­backs wer­den kom­men. Auf Start­next benö­tigt man eine bestimm­te Anzahl von Fans, um das Pro­jekt erfolg­reich durch­zie­hen zu kön­nen und um in die Finan­zie­rungs­pha­se zu gelan­gen.

Wenn man inner­halb von einem Monat nicht die gewünsch­te Anzahl von Fans erreicht, wird das Pro­jekt been­det. Daher soll­te man in die­ser Zeit ent­spre­chen­de Mar­ke­ting- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ak­tio­nen star­ten, um die nöti­ge Auf­merk­sam­keit für sein Pro­jekt zu errei­chen.

Finan­zie­rungs­pha­se: Gewinnt man genü­gend Anhän­ger, kann es mit der Finan­zie­rung los­ge­hen. Dabei läuft es auf den Crowd­fun­ding und ‑inves­ting-Platt­for­men nach dem Alles-oder-Nichts-Prin­zip ab. D. h. man muss in einem fest­ge­leg­ten Zeit­raum (bei­spiels­wei­se drei Mona­te) das gewünsch­te Bud­get min­des­tens zu 100 Pro­zent errei­chen. Gelingt einem das nicht, gehen die Gel­der wie­der zurück an die Inves­to­ren und die Pro­jekt­fi­nan­zie­rung ist geschei­tert.

In die­ser Zeit kann man auch kei­ne Ände­run­gen an sei­nem Pro­jekt mehr auf der Platt­form vor­neh­men, son­dern soll­te vor allem ver­su­chen, mit der Com­mu­ni­ty in Kon­takt zu blei­ben und wei­te­re Mar­ke­ting-Aktio­nen durch­zu­zie­hen.

Post-Finan­zie­rungs­pha­se: Die­se Pha­se kann zwei unter­schied­li­che Ver­läu­fe neh­men: Ist das Pro­jekt nicht nach den eige­nen Vor­stel­lun­gen finan­ziert wor­den, über­nimmt die Platt­form die Rück­zah­lun­gen an die Inves­to­ren. Meist fal­len dafür kei­ne Kos­ten an.

Wer das Pro­jekt noch­mals prä­sen­tie­ren möch­te und in einer zwei­ten Prä­sen­ta­ti­ons­run­de mehr Erfolgs­chan­cen sieht, kann es dann ja noch­mals ver­su­chen, wenn die Platt­form es zulässt.

Ist die Pro­jekt­prä­sen­ta­ti­on erfolg­reich gewe­sen, kann man das Crowd­fun­ding anneh­men und sich den Betrag aus­zah­len las­sen. Dar­über hin­aus gehört auch dazu, dass man sich bei den Sup­por­tern noch bedankt und die gewünsch­ten (meist imma­te­ri­el­len) Gegen­leis­tun­gen der Geld­ge­ber erfüllt. Von der Finan­zie­rungs­sum­me muss man nun einen bestimm­ten Pro­zent­be­trag an die Crowd­fun­ding-Platt­form zah­len.

Hat man sei­nen Geld­be­trag auf dem Kon­to, kann es schließ­lich mit der Umset­zung des Pro­jekts so rich­tig los­ge­hen.

Vorteile von Crowdfunding

Wer sich für die­ses Finan­zie­rungs­kon­zept ent­schei­det, hat meist schon erfolg­los eini­ge ande­re Model­le aus­ge­schöpft.

  • Daher bie­tet Crowd­fun­ding auch sol­chen Pro­jek­ten, die bei den Ban­ken und ande­ren Groß­in­ves­to­ren schlech­te Aus­sich­ten haben, eine rea­lis­ti­sche Finan­zie­rungs­mög­lich­keit. Das sind meist Pro­jek­te, die kei­nen hohen Finan­zie­rungs­be­darf haben und oft nicht in das Bewer­tungs­sche­ma von pro­fes­sio­nel­len Finan­ciers pas­sen.
  • Oft bekommt man in der Com­mu­ni­ty wert­vol­le Rat­schlä­ge für die Umset­zung und baut auch eine per­sön­li­che Bezie­hung zu den Betei­lig­ten auf. Viel­leicht ent­ste­hen so zusätz­lich wich­ti­ge Geschäfts­kon­tak­te für die Zukunft.
  • Das Start-up bleibt unab­hän­gig, ganz im Gegen­satz, wenn es von der Bank einen Kre­dit bekom­men wür­de. Denn dort müs­sen zukünf­ti­ge Ent­schei­dun­gen oft mit dem Groß­geld­ge­ber abge­spro­chen wer­den. Bei Crowd­fun­ding oder ‑inves­ting ver­teilt sich die Betei­li­gung auf vie­le Per­so­nen, sodass man kei­ne über­mä­ßi­ge Beein­flus­sung befürch­ten muss.
  • Wer sich um einen Kre­dit bei sei­ner Bank bemüht, muss vie­le For­ma­li­tä­ten und Gepflo­gen­hei­ten ein­hal­ten. Bei Crowd­fun­ding ist dies nicht der Fall, man muss haupt­säch­lich ver­su­chen, die Com­mu­ni­ty von sei­nem Pro­jekt zu über­zeu­gen, was einem deut­lich mehr krea­ti­ven Spiel­raum lässt.

Nachteile von Crowdfunding

Doch Crowd­fun­ding hat nicht nur Vor­tei­le, son­dern auch Nach­tei­le.

  • Gera­de die Prä­sen­ta­ti­on auf der Platt­form, die Geld­ge­ber über­zeu­gen soll, kos­tet sehr viel Zeit und Ener­gie. Dazu gehö­ren vor allem Begeis­te­rung und Enthu­si­as­mus, die auf die poten­zi­el­len Inves­to­ren über­sprin­gen soll­ten. Eine sach­li­che Pro­jekt­vor­stel­lung reicht dafür nicht aus. Um eine Begeis­te­rungs­wel­le für sein eige­nes Pro­jekt zu erzeu­gen, muss man sehr viel har­te Arbeit in die Prä­sen­ta­ti­on und die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit der Com­mu­ni­ty ste­cken. Das soll­te man nicht unter­schät­zen.
  • Alles oder nichts, so lau­tet der Slo­gan für Crowd­fun­ding. Denn wenn man das gewünsch­te Bud­get in einem fest­ge­leg­ten Zeit­raum nicht zusam­men bekommt, ist die Pro­jekt­fi­nan­zie­rung geschei­tert. Man ist also lan­ge im Unge­wis­sen, ob die Finan­zie­rung über die Mas­se wirk­lich klappt. Daher soll­te man die Bud­get­hö­he sehr sorg­sam pla­nen, denn die­se hat einen gro­ßen Ein­fluss auf den Finan­zie­rungs­er­folg.
  • Noch gibt es Crowd­fun­ding in Deutsch­land nicht all­zu lan­ge, sodass der Erfah­rungs­schatz nicht sehr groß ist, aus dem man schöp­fen kann. Daher fal­len auch Vor­her­sa­gen oder Pro­gno­sen über die wei­te­re Ent­wick­lung die­ser Finan­zie­rungs­mög­lich­keit wahr­schein­lich nicht sehr ver­läss­lich aus. Die­sen Aspekt soll­te man als Exis­tenz­grün­der nicht außer Acht las­sen.

Fazit

Auch wenn Crowd­fun­ding noch jung ist — gera­de im deutsch­spra­chi­gen Raum -, hal­ten sich Vor- und Nach­tei­le im Gleich­ge­wicht. Gene­rell ist die­se Finan­zie­rungs­form zu begrü­ßen, denn es gibt sehr vie­le Pro­jek­te, die nicht in die Norm der klas­si­schen Geld­ge­ber pas­sen und somit schon vor der Umset­zung aus finan­zi­el­len Grün­den schei­tern wür­den.

Hier setzt Crowd­fun­ding sehr erfolg­reich ein Zei­chen. Doch wer glaubt, über die Schwarm­fi­nan­zie­rung recht ein­fach an sein fest­ge­leg­tes Bud­get zu kom­men, irrt. Die Pro­jekt­prä­sen­ta­ti­on ver­langt sehr viel Ener­gie und Ver­net­zungs­ar­beit, bis man zum Erfolg kommt. Den­noch hat es sich schon für vie­le Tau­send Pro­jek­te in Deutsch­land gelohnt, sich auf die­sen Platt­for­men zu prä­sen­tie­ren und die­sen unkon­ven­tio­nel­len Finan­zie­rungs­weg zu gehen.

In wei­te­ren Arti­keln zu Crowd­fun­ding und ‑inves­ting wer­de ich die ver­schie­de­nen Platt­for­men vor­stel­len und auf wei­te­res Wis­sens­wer­tes zu Crowd­fun­ding ein­ge­hen.