Eine Exis­tenz­grün­dung, ob klein oder groß, geht immer mit einer Finan­zie­rung ein­her und will daher sorg­fäl­tig geplant wer­den, vor allem wenn viel Start­ka­pi­tal benö­tigt wird.


Wer nicht auf Erspar­tes oder einen zins­lo­sen Pri­vat­kre­dit durch Fami­li­en­mit­glie­der und Freun­de zurück­greift, kann ver­su­chen über die Haus­bank einen zins­güns­ti­gen Kre­dit zu erhal­ten. Ohne Bürg­schaft oder Sicher­hei­ten ist ein Bank­kre­dit für Grün­der mit wenig Kapi­tal eher schwie­rig zu bekom­men.

Je nach Grö­ße und Art des Unter­neh­mens sind alter­na­tiv staat­lich geför­der­te Mikro­kre­di­te für Klein­un­ter­neh­mer oder bei kapi­tal­in­ten­si­ve­ren Pro­jek­ten För­der­töp­fe über die KfW Bank anzu­zap­fen.

Und wenn gar nichts mehr geht, bie­ten sich neu­ar­ti­ge krea­ti­ve Finan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten über das Inter­net wie Crowd­fun­ding an.

Eigenfinanzierung oder Privatkredit durch Familie und Freunde

Der unkom­pli­zier­tes­te und schnells­te Weg zum Kapi­tal für eine Exis­tenz­grün­dung ist immer noch eine unbü­ro­kra­ti­sche Finan­zie­rung über:

Wer Rück­la­gen für den Auf­bau einer Selbst­stän­dig­keit kurz­fris­tig flüs­sig machen kann, spart Zeit und Zin­sen und muss zudem kei­ner Bank einen Busi­ness­plan oder Sicher­hei­ten vor­le­gen.

Aller­dings soll­test du als Exis­tenz­grün­der im Vor­feld genau aus­rech­nen, wie viel Geld du benö­tigst. So sind Pos­ten für eine Büro­mie­te, even­tu­ell anzu­schaf­fen­de Waren oder die pro­fes­sio­nel­le Gestal­tung einer Fir­men­web­site in die Kal­ku­la­tio­nen mit ein­zu­be­zie­hen.

Hast du koope­ra­ti­ve Fami­li­en­mit­glie­der oder Freun­de, lohnt es sich im Ein­zel­fall, einen zins­lo­sen Pri­vat­kre­dit aus dem per­sön­li­chen Umfeld in Anspruch zu neh­men. Vor­ge­sprä­che mit der Bank ent­fal­len und das vor­ge­streck­te Geld für die Finan­zie­rung wird unbü­ro­kra­tisch und zügig aus­ge­zahlt.

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Aller­dings soll­test du auch bei einem fami­liä­ren Pri­vat­kre­dit auf eine pünkt­li­che Rück­zah­lung ach­ten, denn beim Geld hört bekannt­lich die Freund­schaft bei Unzu­ver­läs­sig­keit schnell auf.

Wenn du dich im Home-Office selb­stän­dig machen willst, kannst du dei­ne Grün­dung mög­li­cher­wei­se mit dei­nen Erspar­nis­sen finan­zie­ren: Ein PC, Inter­net­zu­gang, Dru­cker und eine Hand­voll von Pro­gram­men fal­len nur mit weni­gen Tau­send Euro ins in Gewicht. Dazu kom­men noch die Aus­ga­ben für einen Inter­net­auf­tritt und ent­spre­chen­de Mar­ke­ting­maß­nah­men.

Auch klei­ne Star­tups kön­nen sich mit einem Grün­der­ka­pi­tal in den ers­ten Mona­ten über Was­ser hal­ten, die­se Finan­zie­rungs­art mit Ver­zicht auf exter­ne Finan­zie­rung wird auch Boot­strap­ping genannt.

Wegen der beschränk­ten eige­nen Mit­tel muss man als Boot­strap­per schnellst­mög­lich ver­su­chen, Umsät­ze zu gene­rie­ren. Die ers­ten Gewin­ne kann man dann wie­der zum Aus­bau des Unter­neh­mens ein­set­zen.

Klassischer Ratenkredit durch die Hausbank

Der klas­si­sche Raten­kre­dit ist nach wie vor ein häu­fig ein­ge­schla­ge­ner Weg für eine Grün­dungs­fi­nan­zie­rung. Lei­der musst du dir dar­über im Kla­ren sein, dass sich dei­ne Haus­bank umso schwe­rer mit der Kre­dit­ver­ga­be tut, je weni­ger Geld du ver­langst.

Klei­ne­re Kre­di­te von meh­re­ren Tau­send oder Zehn­tau­send Euro sind fast gar nicht mehr von Ban­ken zu bekom­men und schon gar nicht, wenn du dei­ne Exis­tenz­grün­dung aus der Arbeits­lo­sig­keit her­aus planst. Finanz­sprit­zen gibt es fast nur noch für Fir­men­grün­dun­gen mit hohem Kapi­tal­be­darf und ent­spre­chend umfang­rei­chen Sicher­hei­ten und/​oder Bürg­schaf­ten.

Seit Basel III haben Kre­dit­in­sti­tu­te durch die inter­na­tio­na­le Ban­ken­auf­sicht stren­ge Auf­la­gen für mehr Eigen­ka­pi­tal erhal­ten und schau­en bei der Ver­ga­be von Kre­di­ten ganz genau hin.

Die der­zei­ti­ge Euro-Kri­se trägt auch nicht gera­de zur Spen­dier­freu­dig­keit der Ban­ken bei. Mit Schufa-Ein­trä­gen wegen Schul­den ist so gut wie gar kein Kre­dit von einer Bank zu bekom­men, auch nicht bei Sicher­hei­ten.

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Crowd-Finanzierungen für kleinere und mittlere Projekte

Wenn gar nichts mehr zu gehen scheint, dei­ne Haus­bank Nein gesagt hat und du den lan­gen Weg zu den staat­li­chen För­der­töp­fen scheust, öff­nen sich dir neue Per­spek­ti­ven für eine Grün­dungs­fi­nan­zie­rung über das Inter­net. Vie­le ein­zel­ne pri­va­te Kre­dit­ge­ber sor­gen im Schwarm für die Finan­zie­rung meist klei­ne­rer Grün­dungs­ideen. Die Palet­te reicht dabei von:

  • Crowd­fun­ding ohne Zin­sen und Gewinn­be­tei­li­gung
  • Crowd­in­ves­ting mit Gewinn­be­tei­li­gung der Kre­dit­ge­ber
  • Crowd­len­ding als klas­si­sche Kre­dit­ver­ga­be mit Zins­satz.

Crowd-Finan­zie­run­gen, für die in der Regel kaum Sicher­hei­ten zu stel­len sind, wer­den über ein­schlä­gi­ge Platt­for­men im Netz abge­wi­ckelt, die der­zeit wie Pil­ze aus dem Boden schie­ßen. Auch die Platt­form aux­mo­ney — eher bekannt als P2P-Platt­form — kann für Crowd­fun­ding bzw. ‑len­ding genutzt wer­den.

Für die Bewil­li­gung der Schwarm-Kre­di­te kommt es vor allem dar­auf an, wie kna­ckig das Grün­dungs­pro­jekt vom Kre­dit­neh­mer for­mu­liert wird.

Gera­de Klein­un­ter­neh­mer und Frei­be­ruf­ler mit krea­ti­ven aus­ge­fal­le­nen Ideen, die sich über Ban­ken und öffent­li­che För­der­pro­gram­me nur schwer ver­mit­teln las­sen, haben bei einer Crowd-Finan­zie­rung dank des Schwarm­ef­fekts oft Erfolg.

Staatlich geförderte Mikrokredite und Finanzierung durch die KfW Bank

Wer auf Num­mer Sicher gehen will und sei­ne Hoff­nung bei einer Grün­dungs­fi­nan­zie­rung auf öffent­li­che För­der­töp­fe setzt, kann auf ver­schie­de­ne Model­le staat­li­cher För­de­rung für Exis­tenz­grün­der zurück­grei­fen wie z.B.:

  • staat­lich geför­der­te Mikro­kre­di­te für Klein­un­ter­neh­mer
  • Grün­der­kre­di­te aus den Töp­fen der staat­li­chen KfW Bank.

Wich­tig ist, dass du den För­der­an­trag VOR der Grün­dung stellst, für bereits gegrün­de­te Unter­neh­men fließt kein Geld. Dabei hängt es von der Art, der Grö­ße und dem Kapi­tal­be­darf des zu grün­den­den Unter­neh­mens ab, wel­che Form von För­der­topf im Ein­zel­fall der geeig­ne­te ist. Für

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Klein­un­ter­neh­mer und Frei­be­ruf­ler mit einem Kapi­tal­be­darf von bis zu 20.000 Euro erweist sich der staat­lich geför­der­te Mikro­kre­dit als zuneh­mend inter­es­sant.

Vor allem Exis­tenz­grün­dun­gen aus der Arbeits­lo­sig­keit her­aus kom­men hier zum Zuge. Abge­wi­ckelt wer­den die Kleinst­kre­di­te durch den Mikro­kre­dit­fonds Deutsch­land in Zusam­men­ar­beit mit der GLS Bank (Bank für Lei­hen und Schen­ken).

Geför­dert wer­den vor­ran­gig Grün­der­pro­jek­te aus den Berei­chen Kul­tur und Sozia­les, Sicher­hei­ten und im Ein­zel­fall eine Bürg­schaft ver­langt in der Regel aller­dings auch die sozi­al und gemein­nüt­zig ein­ge­stell­te GLS Bank.

Anschub­fi­nan­zie­run­gen mit einem grö­ße­ren Kapi­tal­vo­lu­men bis zu einer Sum­me von 100.000 Euro wer­den auf Antrag durch die staat­li­che KfW Bank für Grün­der ver­ge­ben. Aus­ge­zahlt wer­den die För­der­kre­di­te über die Haus­bank.

(Bild­quel­le oben: © stevepb/Pixabay.com)