Auch wenn man selbst nur ungern daran einen Gedanken verschwendet, so ereignet sich Berufsunfähigkeit vor dem Renteneintrittsalter doch viel häufiger als man vielleicht vermutet. Und das nicht nur bei körperlich anstrengenden und risikoreichen Berufen wie Bauarbeitern oder Handwerkern.


Jeder vierte Arbeitnehmer in Deutschland wird in seinem Berufsleben wegen Krankheit oder Unfall berufsunfähig, auch solche, die risikoarme Berufe ausüben, wie beispielsweise eine Sekretärin. In diesem Beruf liegt das Risiko, berufsunfähig zu werden, bei 33 Prozent. Die häufigsten Ursachen dafür sind entweder psychische Erkrankungen oder Erkrankungen des Bewegungsapparates.

Da wir Webworker ebenfalls fast den ganzen Tag vor dem PC-Bildschirm sitzen, sind hier vor allem die Augen und die Wirbelsäule gefährdet. Um dauerhaften Schädigungen an Rücken und Sehkraft vorzubeugen, habe ich in verschiedenen Beiträgen einfache Rückenübungen und Augenentspannungstechniken vorgestellt.

Selbständige haben häufig keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente

Man sollte auch wissen, dass man als Selbständiger im Falle der Berufsunfähigkeit keine Ansprüche in Form einer Erwerbsminderungsrente usw. stellen kann, da die meisten selbständig Tätigen nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert sind. Doch was ist die Erwerbsminderungsrente genau?

Seit 2001 unterscheidet der Gesetzgeber dabei zwei Stufen: die teilweise und die volle Erwerbsminderung. Teilweise erwerbsgemindert ist derjenige, der aus gesundheitlichen Gründen nur noch mindestens drei, aber nicht mehr als sechs Stunden pro Tag arbeiten kann.

Voll erwerbsgemindert ist, wer weniger als drei Stunden am Tag erwerbstätig sein kann. In diesem Fall wird die höhere Rente wegen voller Erwerbsminderung gezahlt.

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Selbständige erhalten nur eine Erwerbsminderungsrente, wenn sie die erforderlichen Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt haben. Und sie müssen eine Wartezeit von fünf Jahren mit Beitragszeiten gefüllt haben. Außerdem müssen in den letzten fünf Jahren vor Beginn der Erwerbsminderung mindestens drei Jahre Pflichtbeiträge gezahlt worden sein.

Die volle Erwerbsminderungsrente ist schon nicht hoch, sichert aber wenigstens etwas ab. Was man als Rentenzahlung hier zu erwarten hat, findest du unter diesem Link: Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente.

Berufsunfähigkeitsversicherung soll zumindest private Lebenshaltungskosten absichern

Daher ist die Gefahr eines finanziellen Einbruchs bei Selbständigen, die nicht weiter freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert sind, bei einer Arbeitsunfähigkeit sehr hoch. Die Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbständige sollte daher zwei wichtige Aufgaben erfüllen, nämlich einmal die privaten Lebenshaltungskosten absichern und auch eventuell die weitere Existenz des Unternehmens möglich machen.

Allerdings ist der erste Punkt – die Absicherung der privaten Lebensführung – der wichtigere.

Um die Kosten deiner privaten Lebensführung zu ermitteln, solltest du mindestens einen Monat lang deine Ausgaben (inkl. Miete, Kosten für das Auto usw.) erfassen. Die Summe am Monatsende sollte deine Berufsunfähigkeitsversicherung bei Inanspruchnahme dir mindestens zahlen, am besten noch ca. 200 bis 300 Euro mehr, denn im Alter steigen die Ausgaben für Medizin und Behandlungen deutlich an.

Optimal ist es natürlich auch, ziemlich früh in seinem Berufsleben eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, weil dann natürlich die Beiträge noch nicht so hoch sind wie vielleicht zwanzig Jahre später, wenn unwillkürlich die ersten Folgeerkrankungen und Verschleißerscheinungen auftreten.

Weitere Informationen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung solltest du auf die abstrakte Verweisung verzichten: Auch wenn der Begriff recht unproblematisch klingt, kann die Zustimmung zu einer abstrakten Verweisung große Nachteile für dich bringen.

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Denn damit kann das Versicherungsunternehmen dem Kunden die Rentenzahlung bei einer Berufsunfähigkeit verweigern, indem es die Begründung angibt, dass der Versicherungsnehmer ja noch in einem anderen Beruf arbeiten könnte. Das gleiche gilt für Tarife mit Verweisung auf Vorberufe: Die solltest du nicht wählen.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollte es dem Versicherungsnehmer ermöglichen, eine Nachversicherung in Anspruch nehmen zu können, beispielsweise wenn er mehr verdient, heiratet oder Kinder bekommt. Allerdings sollte dann keine erneute Gesundheitsprüfung anstehen.

Der Versicherte sollte auch keinen Ausschluss für ein bestimmtes Krankheitsbild hinnehmen. Falls du nirgendwo sonst einen Komplettschutz findest, bist du fast gezwungen, einen solchen Vertrag anzunehmen. Als Ausgleich kannst du versuchen, den Versicherungstarif herunterzuhandeln, denn schließlich werden dann weniger Leistungen angeboten.

Ist es allerdings möglich, den Leistungsausschluss für eine bestimmte Erkrankung mit einem Zuschlag zu umgehen, ist dies die bessere Option als den Ausschluss anzunehmen und einen günstigeren Tarif zu zahlen.

Angebote einholen und vergleichen

Im Internet selbst gibt es zahlreiche Versicherungsanbieter für Berufsunfähigkeitsversicherungen wie u. a. die amv.de, deren Berufsunfähigkeitsversicherung Tarif SBU BU F/M in den vergangenen Jahren mehrmals Testsieger bei Stiftung Warentest war.

Wie hoch die monatlichen Versicherungsbeiträge ausfallen, hängt vor allem vom Alter bei Versicherungseintritt, den möglicherweise schon vorliegenden gesundheitlichen Vorschädigungen und der beruflichen Tätigkeit ab.

Um den richtigen Tarif bzw. das passende Versicherungsangebot zu finden, solltest du nicht voreilig den erstbesten Versicherungsanbieter aussuchen.

Achte bei der Bewertung der Angebote, dass diese mit „sehr gut“ eingestuft sind. Der Vertrag sollte dich bis zum 65. Lebensjahr versichern.

Am besten überprüfst du auch, was an wahrscheinlichen Kosten auf dich zukommt, und dann solltest du mit einen unabhängigen Versicherungsexperten wie einem Versicherungsmakler ein persönliches Gespräch ausmachen.

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Einen Versicherungsmakler in deiner  Region oder Umgebung findest du auf der  Website www.mein-versicherungsmakler-in.de. Nach der Eingabe deiner Postleitzahl wird dir der Versicherungsmakler angezeigt, der sich am nächsten von deinen Wohnort befindet.