Du kannst gegen ableh­nen­de Ent­schei­dun­gen dei­ner Kran­ken­kas­se Wider­spruch ein­le­gen. Falls du zum Bei­spiel die Kos­ten­über­nah­me für eine bestimm­te Leis­tung bei dei­ner Kas­se bean­tragst und die­se den Antrag ablehnt.

Beispiele für die Weigerung der Kostenübernahme können sein:

  • Bean­tra­gung einer Haus­halts­hil­fe
  • Bean­tra­gung von Pfle­ge­geld
  • For­mu­lie­rung eines Kur­an­tra­ges
  • Mög­lich­kei­ten des Wider­spruchs­ver­fah­rens

In dem Wider­spruchs­ver­fah­ren wird dann geprüft, ob die Kran­ken­kas­se nicht doch die Kos­ten für die bean­trag­te Leis­tung zah­len muss. Es gibt zwei Mög­lich­kei­ten, wie du einen Wider­spruch ohne Anwalt ein­le­gen kannst.

Möglichkeit Nr. 1: Widerspruch vor Ort einlegen

Du gehst zu dei­ner Kran­ken­kas­sen-Filia­le vor Ort und teilst dort, dass du „zur Nie­der­schrift“ wider­spre­chen willst. Die Kran­ken­kas­se ist ver­pflich­tet, den münd­li­chen Wider­spruch zu Pro­to­koll zu neh­men, ein Tele­fon­an­ruf ist für einen Wider­spruch nicht aus­rei­chend.

Möglichkeit Nr. 2: Schriftlichen Widerspruch einlegen

Der zwei­te Weg ist der des schrift­li­chen Wider­spruchs in Form eines Briefs oder eines Faxes. Eine E‑Mail als Wider­spruchs­er­klä­rung ist eben­falls nicht aus­rei­chend, weil hier die hand­schrift­li­che Unter­schrift fehlt.

Formelle Gestaltung eines Widerspruchs

Einen Wider­spruch schrift­lich auf­zu­set­zen, ist nicht kom­pli­ziert. Du musst dar­in auf alle Fäl­le zum Aus­druck brin­gen, dass du mit dem Nein der Kran­ken­kas­se nicht zufrie­den bist und dich dage­gen zur Wehr set­zen willst. For­mu­lie­re in dem Schrei­ben auch, dass du eine erneu­te Über­prü­fung des Fal­les wünschst. Begrün­de aus­führ­lich, war­um du die abge­lehn­te Leis­tung benö­tigst, denn so stei­gen die Chan­cen auf dei­nen Wider­spruchs­er­folg.

Das Schrei­ben ist form­los, ein beson­de­res For­mu­lar ist dafür nicht not­wen­dig. Die Wider­spruchs­frist beträgt einen Monat und beginnt von dem Moment an, wo der Kran­ken­kas­sen-Bescheid in dei­nem Brief­kas­ten liegt. Falls du die­se Frist ver­säumst, weil du bei­spiels­wei­se län­ge­re Zeit in Urlaub warst, soll­test du dies der Kran­ken­kas­se unver­züg­lich mitt­tei­len und sofort Wider­spruch ein­le­gen.

Widerspruchsausschuss prüft dein Anliegen

Bleibt die Kran­ken­kas­se nach Prü­fung dei­nes Wider­spruchs bei ihrem Nein, dann wan­dert der Wider­spruch an die Wider­spruchs­stel­le. Dies ist ein Aus­schuss von Reprä­sen­tan­ten der Ver­si­cher­ten und der Arbeit­ge­ber. Dort wird schließ­lich eine Ent­schei­dung über dei­nen Wider­spruch getrof­fen und das Ergeb­nis dir schrift­lich mit­ge­teilt. Erhältst du dort Recht, muss die Kran­ken­kas­se die Kos­ten für die Leis­tung über­neh­men.

Klage bei Sozialgericht einreichen

Was pas­siert, wenn auch der Wider­spruchs­aus­schuss gegen dich ent­schei­det? Dann bleibt nur noch der Weg zum Sozi­al­ge­richt, wo du dei­ne Kla­ge ein­rei­chen kannst. Meis­tens muss die­se inner­halb eines Monats beim Gericht ein­ge­hen.

Das Ver­fah­ren vor dem Sozi­al­ge­richt ist gene­rell ohne Kos­ten für die Bürger/​innen ver­bun­den. Die auf­kom­men­den Gerichts­ge­büh­ren und die Kos­ten der geg­ne­ri­schen Par­tei – in die­sem Fall die Kran­ken­kas­se – musst du nicht erstat­ten, auch wenn du den Pro­zess ver­lie­ren soll­test. Aber du musst die eige­nen Kos­ten über­neh­men, wenn du kei­ne Rechts­schutz­ver­si­che­rung besitzt.

Den­ke auch dar­an, alle Bele­ge und Rech­nun­gen, die in Ver­bin­dung mit der umstrit­te­nen Leis­tung ste­hen (Anwalts­rech­nun­gen gehö­ren eben­falls dazu), auf­zu­he­ben. Wenn du alle Aus­la­gen vor­le­gen kannst, muss im Fal­le dei­nes Erfol­ges vor Gericht die Kran­ken­kas­se die Aus­ga­ben bezah­len.

Ob du dir für einen Pro­zess vor dem Sozi­al­ge­richt einen Anwalt nimmst oder nicht, steht dir frei. Beden­ke, dass ein Anwalt Gebüh­ren in einer Höhe von meh­re­ren Hun­dert Euro berech­net.

Die Ver­fah­ren vor den Gerich­ten dau­ern in der Regel sehr lan­ge, sodass Klä­ger medi­zi­ni­sche Hilfs­mit­tel zunächst selbst bezah­len müs­sen. Ver­liert die Kran­ken­kas­se den Pro­zess, muss sie dem Ver­si­cher­ten das Geld zurück­er­stat­ten.

Tipps für das Formulieren einer Widerspruchserklärung

Brief­kopf

Rechts: Datum und dei­ne Anschrift

Links: Anschrift der Kran­ken­kas­se

Betreff: Wider­spruch

Sehr geehr­te Damen und Her­ren,

Sie haben mir am …. (Datum des Ableh­nungs­schrei­bens der Kran­ken­kas­se) schrift­lich mit­ge­teilt, dass Sie die Kos­ten für …. nicht über­neh­men.


Gegen die­se Ent­schei­dung lege ich Wider­spruch ein.

Dann schreibst du aus­führ­lich in meh­re­ren (5 bis 6) Sät­zen, war­um du die benö­tig­te Leis­tung brauchst.

Ich bean­tra­ge des­we­gen, den Ableh­nungs­be­scheid vom … auf­zu­he­ben und mir die Kos­ten für … zu erstat­ten.

Mit freund­li­chen Grü­ßen

Vor­na­me Nach­na­me

Beschwerde gegen Krankenkassen einreichen: Wichtige Beratungsstellen für Konfliktlösungen mit deiner Krankenkasse

In bestimm­ten Situa­tio­nen benö­tigst du wei­te­re Infor­ma­tio­nen oder brauchst Bera­tung von Exper­ten, je nach­dem wie sich dei­ne Aus­gangs­la­ge gestal­tet. Dafür gibt es in Deutsch­land ver­schie­de­ne Bera­tungs­stel­len und Ansprech­part­ner, die dir wei­ter­hel­fen kön­nen.

Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD)

Anfang 2009 wur­de eine kos­ten­lo­se und unab­hän­gi­ge Bera­tungs-Hot­line zu medi­zi­ni­schen Fra­gen in Deutsch­land ins Leben geru­fen. Die­se unab­hän­gi­ge Pati­en­ten­be­ra­tung bie­tet bun­des­weit rat­su­chen­den Men­schen Infor­ma­tio­nen zur Vor­beu­gung, Behand­lung und Reha­bi­li­ta­ti­on von Erkran­kun­gen.

Geschul­te Exper­ten infor­mie­ren per Tele­fon, online sowie vor Ort (21 Stand­or­te deutsch­land­weit) über die Ver­ord­nung von Medi­ka­men­ten und Hilfs­mit­teln, klä­ren über Vor- und Nach­tei­le indi­vi­du­el­ler Gesund­heits­leis­tun­gen (soge­nann­te IGeL-Leis­tun­gen) und über neue Rege­lun­gen der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen auf. Außer­dem berät dich die UPD über Pati­en­ten­rech­te, bei Kon­flik­ten mit Ärz­ten oder Kas­sen und über das wei­te­re Vor­ge­hen bei ver­mut­li­chen Behand­lungs­feh­lern.

Die kos­ten­lo­se Hot­line lau­tet: Tele­fon: 0800 0 11 77 22 (gebüh­ren­frei im Fest­netz*)

*Die Kos­ten für Anru­fe aus dem Mobil­funk­netz wer­den von der UPD nicht über­nom­men.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zur UPD fin­dest du auf deren Online-Por­tal www​.pati​en​ten​be​ra​tung​.de.

Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit

Das Bür­ger­te­le­fon des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Gesund­heit ist eine unab­hän­gi­ge Anlauf­stel­le für alle, die Fra­gen zum deut­schen Gesund­heits­sys­tem haben.

Du kannst dich über gesetz­li­che Grund­la­gen und Ansprü­che infor­mie­ren und auch dei­ne kon­kre­ten Pro­ble­me mit dei­ner Kran­ken­kas­se bzw. mit dei­nem Arzt anspre­chen. Dein Ansprech­part­ner wird ver­su­chen, dir Adres­sen und wei­te­re Kon­tak­te für dei­nen per­sön­li­chen Fall zu ver­mit­teln.

Das Bür­ger­te­le­fon des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Gesund­heit ist von Mon­tag bis Don­ners­tag von 8 bis 18 Uhr und am Frei­tag von 8 bis 12 Uhr zu errei­chen.

  • Bür­ger­te­le­fon zur Kran­ken­ver­si­che­rung: 030340 60 66 01
  • Bür­ger­te­le­fon zur Pfle­ge­ver­si­che­rung: 030340 60 66 02
  • Bür­ger­te­le­fon zur gesund­heit­li­chen Prä­ven­ti­on: 030340 60 66 03

Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung

Der Pati­en­ten­be­auf­trag­te ver­tritt auf Bun­des­ebe­ne die Inter­es­sen aller Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten in Deutsch­land, sein Ziel ist es, dass Pati­en­ten und Pati­en­tin­nen zum akti­ven und gleich­be­rech­tig­ten Part­ner im Gesund­heits­we­sen wer­den und stär­ker mit­re­den kön­nen.

Auf der Web­site des Pati­en­ten­be­auf­trag­ten ste­hen dem Besu­cher zahl­rei­che Infor­ma­tio­nen über Pati­en­ten­rech­te und Bro­schü­ren zu den ver­schie­de­nen gesund­heit­li­chen The­men wie Prä­ven­ti­on, Pfle­ge und Gesund­heits­för­de­rung zur Ver­fü­gung. Über das Online-Kon­takt­for­mu­lar kann man sein Anlie­gen online ver­sen­den, es gibt auch eine Tele­fon­num­mer für Anlie­gen bezüg­lich Pati­en­ten­rech­te: 03018 441‑3424.

Aufsichtsbehörden der gesetzlichen Krankenkassen

Über die bun­des­un­mit­tel­ba­ren gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­run­gen und deren jewei­li­gen Pfle­ge­kas­sen führt das Bun­des­ver­si­che­rungs­amt die Auf­sicht. Als bun­des­un­mit­tel­bar gel­ten die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen, deren Tätig­keits­be­reich in mehr als drei Bun­des­län­der aus­ge­übt wird. Kran­ken­kas­sen, bei denen das nicht der Fall ist (also weni­ger als drei Bun­des­län­der), wer­den von den jewei­li­gen Län­dern beauf­sich­tigt. Dazu gehö­ren vor allem die All­ge­mei­nen Orts­kran­ken­kas­sen (AOK).

Auch bei die­sen hier auf­ge­führ­ten Stel­len kannst du dich über Beschwer­de­mög­lich­kei­ten, was dei­ne Kran­ken­kas­se angeht, infor­mie­ren.

Kon­takt­da­ten:

Bun­des­ver­si­che­rungs­amt
www​.bva​.de

Baden-Würt­tem­berg
Minis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les Baden-Würt­tem­berg
www​.sozi​al​mi​nis​te​ri​um​-bw​.de

Bay­ern
Baye­ri­sches Staats­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozi­al­ord­nung, Fami­lie und Frau­en
www​.stmas​.bay​ern​.de

Ber­lin
Senats­ver­wal­tung für Gesund­heit, Umwelt und Ver­brau­cher­schutz
www​.ber​lin​.de/​s​e​n​/​g​uv/

Bran­den­burg
Minis­te­ri­um für Arbeit, Sozia­les, Gesund­heit und Fami­lie
www​.masgf​.bran​den​burg​.de

Bre­men
Der Sena­tor für Arbeit, Frau­en, Gesund­heit, Jugend und Sozia­les
www​.sozia​les​.bre​men​.de

Hes­sen
Hes­si­sches Sozi­al­mi­nis­te­ri­um
www​.sozi​al​mi​nis​te​ri​um​.hes​sen​.de

Meck­len­burg-Vor­pom­mern
Sozi­al­mi­nis­te­ri­um des Lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­mern
www​.sozi​al​-mv​.de/

Nie­der­sach­sen
Nie­der­säch­si­sches Minis­te­ri­um für Sozia­les, Frau­en, Fami­lie und Gesund­heit
www​.ms​.nie​der​sach​sen​.de

Nord­rhein-West­fa­len
Minis­te­ri­um für Arbeit, Gesund­heit und Sozia­les Nord­rhein-West­fa­len
www​.mags​.nrw​.de

Rhein­land-Pfalz
Minis­te­ri­um für Arbeit, Sozia­les, Fami­lie und Gesund­heit des Lan­des Rhein­land-Pfalz
msagd​.rlp​.de

Saar­land
Minis­te­ri­um für Jus­tiz, Gesund­heit und Sozia­les
www​.saar​land​.de

Sach­sen
Säch­si­sches Staats­mi­nis­te­ri­um für Sozia­les
www​.sms​.sach​sen​.de

Sach­sen-Anhalt
Minis­te­ri­um für Gesund­heit und Sozia­les des Lan­des Sach­sen-Anhalt
www​.ms​.sach​sen​-anhalt​.de

Schles­wig-Hol­stein
Minis­te­ri­um für Sozia­les, Gesund­heit, Fami­lie, Jugend und Senio­ren
www​.msgf​.schles​wig​-hol​stein​.de

Thü­rin­gen
Thü­rin­ger Minis­te­ri­um für Sozia­les, Fami­lie und Gesund­heit
www​.thue​rin​gen​.de

Patienten- und Selbsthilfeorganisationen

Pati­en­ten- und Selbst­hil­fe­or­ga­ni­sa­tio­nen neh­men eine bedeu­ten­de Rol­le bei der Durch­set­zung von Rech­ten behin­der­ter und kran­ker Men­schen ein. Bei die­sen Orga­ni­sa­tio­nen han­delt es sich um poli­tisch-fach­li­che Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen sowie um kom­pe­ten­te Ansprech­part­ner für Pati­en­ten und Pati­en­tin­nen.

Da es zahl­rei­che Pati­en­ten- und Selbst­hil­fe­or­ga­ni­sa­tio­nen zu ver­schie­de­nen Krank­hei­ten gibt, hilft bei der kon­kre­ten Suche beson­ders das Inter­net.