Vor län­ge­rer Zeit habe ich auf mei­nem Blog die wich­tigs­ten Crowd­fun­ding-Platt­for­men in Deutsch­land vor­ge­stellt und auch einen Bei­trag ver­öf­fent­licht, in dem das Finan­zie­rungs­sys­tem Crowd­fun­ding näher erläu­tert wird.


Alle Crowd­fun­ding-Platt­for­men habe ich in dem einen Post nicht auf­ge­lis­tet, denn es kom­men immer wie­der neue auf, so wie die bei­den, die ich in die­sem Arti­kel prä­sen­tie­re, die sich auf nach­hal­ti­ge bzw. öko­so­zia­le Pro­jek­te spe­zia­li­siert haben.

One​pla​net​crowd​.com

Die ers­te Online-Crowd­fun­ding-Platt­form für öko­so­zia­le Pro­jek­te ist One­pla­net­crowd aus den Nie­der­lan­den. Sie star­te­te 2012 und hat mit der Unter­stüt­zung von über 10.000 Spen­dern mitt­ler­wei­le schon Dut­zen­de von nach­hal­ti­gen Pro­jek­ten mit mehr als 3 Mil­lio­nen Euro gefun­det. Das sind schon beacht­li­che Zah­len.

Im Augen­blick lau­fen zwei Pro­jek­te auf One­pla­net­crowd, die ihre Fun­ding­schwel­le schon erreicht haben, das ist eine ist Cor­rect­book (nie­der­län­di­sches Pro­jekt) und das zwei­te Pro­jekt nennt sich Beli­ya und kommt aus Deutsch­land.

Finan­zie­rungs­ar­ten

Die Platt­form bie­tet zwei ver­schie­de­ne Finan­zie­rungs­ar­ten bzw. Fun­ding­for­men an: Reward und Spen­den.

Beim Reward-Fun­ding­mo­dell bezahlt der Fun­der einen Betrag an das Unter­neh­men, damit dies sein Pro­dukt oder sei­ne Dienst­leis­tung mit den zur Ver­fü­gung gestell­ten finan­zi­el­len Mit­teln ent­wi­ckeln kann. Als Gegen­leis­tung erhält der Fun­der das ange­bo­te­ne Pro­dukt oder die Dienst­leis­tung zu einem ermä­ßig­ten Preis oder mit wei­te­ren inter­es­san­ten Extras.

Non-Pro­fit-Orga­ni­sa­tio­nen haben die Mög­lich­keit, die Crowd um Spen­den zu bit­ten. Die Gegen­leis­tung des Unter­neh­mens gestal­tet sich meis­tens fol­gen­der­ma­ßen: Der Fun­der erlebt die Pro­jekt­ent­wick­lung live mit, indem er über zuge­sand­te Vide­os auf dem Lau­fen­den gehal­ten wird. Einen Anspruch auf das ent­wi­ckel­te Pro­dukt oder die Dienst­leis­tung bekommt man als Spen­der nicht.

Ein ökosoziales Projekt auf Oneplanetcrowd einstellen

Um sein Pro­jekt mög­lichst erfolg­reich auf einer Crowd­fun­ding-Platt­form zu prä­sen­tie­ren und um die defi­nier­te Fun­ding­schwel­le zu errei­chen, ist viel Vor­ar­beit zu leis­ten. Ein­mal soll­te man das gan­ze Kon­zept durch­dacht aus­ar­bei­ten, damit es über­zeugt und um die Fun­der zu Geld­spen­den bzw. Rewards (wie sie hier genannt wer­den) zu bewe­gen.

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Ein Kin­der­spiel ist dies nicht. Denn schließ­lich muss für die Prä­sen­ta­ti­on schon ein vor­zeig­ba­rer Pro­to­typ des geplan­ten Pro­dukts vor­lie­gen, den man der Fund­er­com­mu­ni­ty zei­gen kann.

Was in den meis­ten Fäl­len gut ankommt, ist ein Prä­sen­ta­ti­ons­vi­deo, in dem man sein Pro­jekt leben­dig und über­zeu­gend vor­stellt.

Wer nicht genau weiß, wie er sei­ne Pro­jekt­vor­stel­lung auf­be­rei­ten soll, kann sich Inspi­ra­tio­nen bei schon erfolg­rei­chen Pro­jek­ten holen und deren Dar­stel­lung ana­ly­sie­ren bzw. als Bei­spiel anwen­den.

Wich­tig ist auch, im Vor­feld schon die ein­zel­nen Rewards für die Fun­der zu defi­nie­ren. Auch ent­schei­dend: Man soll­te sein Fun­ding­ziel nicht zu hoch anset­zen. Nied­ri­ge Fun­ding­zie­le wer­den häu­fi­ger erreicht und man kann dann sein Pro­jekt star­ten. Denn schafft man das Fun­ding­ziel nicht — und wenn nur 100 Euro feh­len — bekommt man gar nichts.

Kosten für Projektstarter

Nimmt One­pla­net­crowd das Pro­jekt an, ent­ste­hen wei­te­re Kos­ten: Eine Plat­zie­rungs­ge­bühr von 200 Euro zzgl. MWSt. für den admi­nis­tra­ti­ven Auf­wand und eine Erfolgs­prä­mie von 7 Pro­zent des gefun­de­ten Gesamt­be­trags plus MWSt., wenn das Pro­jekt erfolg­reich die Fun­ding­schwel­le erreicht.

Außer­dem fal­len Trans­ak­ti­ons­kos­ten an, die der Zah­lungs­part­ner Buck­ar­oo bei Zah­lun­gen der Fun­der in Rech­nung stellt.

Die bei­den letzt­ge­nann­ten Kos­ten — Erfolgs­prä­mie und Trans­ak­ti­ons­kos­ten — wer­den nur fäl­lig, wenn das Pro­jekt von der Crowd erfolg­reich finan­ziert wird.

Die Platt­form stellt allen Grün­dern ein Online-Hand­buch mit wich­ti­gen Infos für die Pro­jekter­stel­lung zum Down­load zur Ver­fü­gung.

» zur Crowd­fun­ding-Platt­form One­pla­net­crowd

Ecocrowd​.de

Die zwei­te Crowd­fun­ding-Platt­form für nach­hal­ti­ge Pro­jek­te heißt Ecocrowd und wur­de von der Deut­schen Umwelt­stif­tung ins Leben geru­fen. Wann genau, d. h. in wel­chem Jahr Ecocrowd star­te­te, konn­te ich auf dem Web­auf­tritt nicht aus­ma­chen, ich ver­mu­te mal, ein bis gut zwei Jah­re dürf­ten es schon sein.

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Noch läuft die Platt­form in der Beta-Ver­si­on, was aber nicht heißt, dass sie sich erst in einer Test­pha­se befin­det, es kön­nen manch­mal bei Anmel­de- oder sons­ti­gen Pro­zes­sen klei­ne “Ruck­ler” auf­tre­ten. Falls sowas pas­siert, pro­bie­re den Pro­zess ein­fach noch­mal.

Im Augen­blick sind auf Ecocrowd vier Pro­jek­te ein­seh­bar, zwei davon sind schon erfolg­reich abge­schlos­sen, die bei­den ande­ren lau­fen noch eini­ge Tage und haben ihr Fun­ding­ziel noch nicht erreicht.

Unter “Ent­de­cke nach­hal­ti­ge Pro­jek­te” fin­den sich noch mehr inter­es­san­te Pro­jek­te zum Stö­bern, die sind auch schon abge­schlos­sen, die meis­ten erfolg­reich. Die Fun­ding­schwel­le liegt bei unter­schied­lich hohen Beträ­gen: So war es das Ziel von einem Pro­jekt für Plas­tik­re­cy­cling für Gha­na 1.800 Euro zu erhal­ten (was auch geschafft wur­de), ein ande­res Pro­jekt wie die Bie­nen-Sau­na streb­te 10.000 Euro an, was mit 64.400 gespen­de­ten Euros außer­ge­wöhn­lich hoch über­schrit­ten wur­de. Wer sich das Pro­jekt genau­er anse­hen möch­te, hier ist der Link zum Web­auf­tritt der Bie­nen-Sau­na.

Ein Projekt auf Ecocrowd einstellen

Bevor man auf Ecocrowd ein Pro­jekt der Öffent­lich­keit prä­sen­tie­ren will, soll­te man sich die Leit­li­ni­en bzw. Kri­te­ri­en durch­le­sen, denn die Pro­jek­te sol­len schließ­lich einen Mehr­wert für Mensch und Umwelt brin­gen und zu einer Situa­ti­ons­ver­bes­se­rung bei­spiels­wei­se der bio­lo­gi­schen Viel­falt füh­ren. Außer­dem soll­ten die ein­ge­setz­ten Res­sour­cen erneu­er­bar, umwelt­be­wusst her­ge­stellt und regio­nal bezo­gen sein, um nur drei Kri­te­ri­en zu nen­nen.

Auch für die­se Platt­form gilt: Pla­ne das Pro­jekt gut durch, dre­he ein Video und stel­le es auf eine Video­platt­form wie You­tube oder Vimeo. Und den­ke dir Gegen­leis­tun­gen für die spen­den­den Fun­der aus.

Damit ein Pro­jekt auf Ecocrowd ver­öf­fent­licht wird, muss es die Leit­li­ni­en erfül­len (sie­he oben). Läuft das ange­nom­me­ne Pro­jekt dann auf der Platt­form, ste­hen ent­spre­chen­de Mar­ke­ting­maß­nah­men an, um mög­lichst vie­le Fun­der zu gewin­nen.

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Das Finan­zie­rungs­ziel auf Ecocrowd liegt bei 100.000 Euro, ist der Bedarf höher, soll­te man sein Pro­jekt in meh­re­re klei­ne Teil­pro­jek­te unter­glie­dern.

Kosten für Projektstarter

Die Restrie­rung auf Ecocrowd und das Ein­rei­chen von Pro­jek­ten ist kos­ten­los. Erst wenn das Pro­jekt erfolg­reich finan­ziert wird, fal­len 8 Pro­zent der Finan­zie­rungs­sum­me an Ecocrowd, sozu­sa­gen als Auf­wands­ent­schä­di­gung und zur Finan­zie­rung der Platt­form.

Außer­dem fal­len noch Gebüh­ren pro Trans­ak­ti­on an, sowohl bei PayPal und also auch bei Man­go­pay, den von Ecocrowd ein­ge­setz­ten Zah­lungs­op­tio­nen für Fun­der.

Erreicht man sein Fun­ding­ziel nicht, ent­ste­hen kei­ne Kos­ten. Das gespen­de­te Geld geht wie­der an die ein­zel­nen Fun­der zurück.

» zur Crowd­fun­ding-Platt­form Ecocrowd

Fazit

Sicher­lich kann man nach­hal­ti­ge Pro­jek­te auch auf den bekann­ten Platt­for­men wie bei­spiels­wei­se Start­next ein­stel­len, den­noch bie­ten die­se spe­zi­el­len Crow­fun­ding-Platt­for­men eine Alter­na­ti­ve zu den gro­ßen Crowd­fun­ding-Por­ta­len, auch was die Gebüh­ren angeht.

Außer­dem dürf­te hier bei der Pro­jekt­ge­neh­mi­gung die Ein­hal­tung der öko­so­zia­len Leit­li­ni­en deut­lich mehr Beach­tung fin­den als bei den ande­ren Platt­for­men. Bleibt nur zu hof­fen, dass die bei­den Platt­for­men regel­mä­ßig Pro­jekt­vor­schlä­ge erhal­ten, sodass ihr Bestehen für län­ge­re Zeit gesi­chert ist.