Nach­dem ich im letz­ten Arti­kel der Recht­schreib-Rei­he die Groß- und Klein­schrei­bung der deut­schen Spra­che abge­han­delt habe, steht heu­te ein wei­te­res schwie­ri­ges Kapi­tel an, näm­lich die Zusam­men- und Getrenntschreibung.


Auch mir macht die­ser Teil der deut­schen Ortho­gra­fie regel­mä­ßig Pro­ble­me und daher hof­fe ich, dass ich nach die­ser Abhand­lung mein Wis­sen selbst etwas auf­fri­schen konnte :-).

Gene­rell wird im Deut­schen der Getrennt­schrei­bung der Vor­zug gege­ben, um so die ein­zel­nen Bestand­tei­le eines Tex­tes deut­li­cher kennt­lich machen zu kön­nen. Das heißt, dass die Getrennt­schrei­bung als Nor­mal­fall gilt und im Zwei­fels­fall ange­wandt wer­den sollte.

Getrennt- und Zusammenschreibung — die wichtigsten Regeln

Sub­stan­ti­ve, Adjek­ti­ve oder Par­ti­kel kön­nen mit Ver­ben untrenn­ba­re Zusam­men­set­zun­gen bil­den. Man schreibt die­se stets zusammen.

1. Zusam­men­set­zun­gen mit Sub­stan­tiv + Verb wer­den zusammengeschrieben:

  • brand­mar­ken
  • lob­prei­sen
  • hand­ha­ben
  • schlaf­wan­deln
  • schluss­fol­gern
  • wett­ei­fern

In ein­zel­nen Fäl­len ste­hen Zusam­men­set­zung und Wort­grup­pe nebeneinander:

  • dank­sa­gen (er dank­sagt) oder Dank sagen ( er sagt Dank)
  • gewähr­leis­ten (sie gewähr­leis­tet) oder Gewähr leis­ten ( sie leis­tet Gewähr)

Eine Rei­he untrenn­ba­rer Zusam­men­set­zun­gen wird fast nur im Infi­ni­tiv oder sub­stan­ti­visch gebraucht:

  • berg­stei­gen
  • brust­schwim­men
  • kopf­rech­nen
  • not­lan­den
  • schutz­imp­fen
  • wett­ren­nen
  • zwangs­räu­men

2. Zusam­men­set­zun­gen aus Adjek­tiv + Verb wer­den zusammengeschrieben:

  • froh­lo­cken
  • lang­wei­len
  • voll­brin­gen
  • voll­enden
  • weis­sa­gen

3. Zusam­men­set­zun­gen mit den Par­ti­keln durch,- hinter‑, über‑, um‑, unter‑, wider‑, wie­der- + Verb (mit dem Ton auf dem zwei­ten Bestand­teil) wer­den zusammengeschrieben:

  • durch­bre­chen
  • hin­ter­ge­hen
  • über­set­zen
  • umfah­ren
  • unter­stel­len
  • wider­spre­chen
  • wie­der­ho­len

4. Zusam­men­set­zun­gen aus Adverb + Verb wer­den getrennt geschrieben:

  • abhan­den kommen
  • anheim fal­len
  • bei­sei­te legen
  • über­hand nehmen
  • von­stat­ten gehen
  • zunich­te machen
  • auf­ein­an­der achten
  • abseits ste­hen
  • bar­fuß laufen
  • daheim blei­ben
  • seit­wärts treten

5. Adjek­tiv und Verb, wenn das Adjek­tiv in die­ser Ver­bin­dung erwei­ter­bar oder stei­ger­bar ist, wenigs­tens durch sehr oder ganz, wer­den getrennt geschrieben:

  • bekannt machen (bekann­ter machen)
  • fern lie­gen (sehr fern liegen)
  • lang­sam arbei­ten (lang­sa­mer arbeiten)
  • schlecht gehen (sehr schlecht gehen)
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6. Fäl­le, in denen der ers­te Bestand­teil eine Ablei­tung auf ‑ig, ‑isch, ‑lich ist, wer­den getrennt geschrieben:

  • läs­tig fallen
  • übrig blei­ben

7. Par­ti­zip + Verb wer­den getrennt geschrieben:

  • gefan­gen nehmen
  • geschenkt bekom­men
  • getrennt schrei­ben
  • ver­lo­ren gehen

8. Sub­stan­tiv + Verb wer­den getrennt geschrieben:

  • Angst haben
  • Auto fah­ren
  • Eis lau­fen
  • Feu­er fangen
  • Fuß fas­sen
  • Leid tun
  • Not lei­den
  • Plei­te gehen
  • Rad fah­ren
  • Rat suchen

9. Verb (Infi­ni­tiv) + Verb wer­den getrennt geschrieben:

  • ken­nen lernen
  • lie­gen lassen
  • spa­zie­ren gehen
  • sit­zen bleiben

Wich­tig ist dar­über hin­aus die Tole­ranz­re­gel. Wenn sich der Schrei­ben­de nicht sicher ist, ob es sich um eine Wort­grup­pe (also Getrennt­schrei­bung) oder um eine Zusam­men­set­zung (also Zusam­men­schrei­bung) han­delt, so bleibt die Schreib­wei­se ihm überlassen.

10. Ver­bin­dun­gen mit sein gel­ten nicht als Zusam­men­set­zung. Dem­entspre­chend schreibt man immer getrennt.

  • bei­sam­men sein
  • vor­han­den sein
  • zumu­te sein
  • zurück sein
  • zusam­men sein

Sub­stan­ti­ve, Adjek­ti­ve, Verbstäm­me, Adver­bi­en oder Pro­no­men kön­nen mit Adjek­ti­ven oder Par­ti­zi­pi­en Zusam­men­set­zun­gen bil­den. Man schreibt sie zusammen.

1. Zusam­men­set­zun­gen, bei denen der ers­te Bestand­teil für eine Wort­grup­pe steht:

  • angst­er­füllt
  • bahn­bre­chend
  • but­ter­weich
  • herz­zer­rei­ßend
  • knie­lang
  • lern­be­gie­rig
  • Auch mit Fugenelement
  • alters­schwach
  • geschlechts­reif
  • lebens­fremd

2. Zusam­men­set­zun­gen, bei denen der ers­te oder der zwei­te Bestand­teil in die­ser Form nicht selbst­stän­dig vorkommt:

  • ein­fach
  • zweifauch
  • red­se­lig
  • schwind­süch­tig
  • schwerst­be­hin­dert

3. Zusam­men­set­zun­gen aus gleich­ran­gi­gen Adjek­ti­ven wer­den zusammengeschrieben:

  • dumm­dreist
  • blau­grau
  • feucht­warm
  • nass­kalt
  • taub­stumm

4. Getrennt geschrie­ben wer­den Fäl­le, bei denen der ers­te Bestand­teil eine Ablei­tung auf ‑ig, ‑isch, ‑lich ist:

  • rie­sig groß
  • schreck­lich nervös
  • mikro­sko­pisch klein

5. Zusam­men­ge­schrie­ben wer­den sub­stan­ti­visch gebrauch­te Zusam­men­set­zun­gen bei denen der letz­te Bestand­teil kein Sub­stan­tiv ist (gera­de in dem Bereich wer­den vie­le Feh­ler gemacht und das Verb vom Sub­stan­tiv getrennt geschrieben):

  • das Auto­fah­ren
  • das Rat­ho­len
  • das Abhan­den­kom­men
  • das Auf­recht­ge­hen
  • das Geld­ver­die­nen
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6. Ablei­tun­gen auf ‑er von geo­gra­fi­schen Eigen­na­men, die sich auf die geo­gra­fi­sche Lage bezie­hen, schreibt man von dem fol­gen­den Sub­stan­tiv getrennt.

  • All­gäu­er Alpen
  • Bran­den­bur­ger Tor
  • Wie­ner Straße

Mehr­tei­li­ge Adver­bi­en, Kon­junk­tio­nen, Prä­po­si­tio­nen und Pro­no­men schreibt man zusam­men, wenn die Wort­art, die Wort­form oder die Bedeu­tung der ein­zel­nen Bestand­tei­le nicht mehr deut­lich erkenn­bar sind.

  • berg­ab
  • kopf­über
  • land­aus
  • strom­ab­wärts
  • zwei­fels­oh­ne

1. Zusam­men­set­zun­gen mit den Endun­gen und Anfän­gen aus der fol­gen­den Lis­te wer­den zusammengeschrieben:

  • -des­sen
  • -dings
  • -falls
  • -hal­ber
  • -mal
  • -mals
  • -maßen
  • -orten
  • -orts
  • -seits
  • -so
  • -teils
  • -wärts
  • -wegen
  • -weil
  • -wei­len
  • -wei­se
  • -zeit
  • -zei­ten
  • -zu
  • bei-
  • der-
  • irgend-
  • nichts-
  • zu-

2. Fol­gen­de Kon­junk­tio­nen wer­den zusammengeschrieben:

  • anstatt
  • sobald
  • sofern
  • solan­ge
  • sooft
  • soweit
  • inwie­fern
  • indem

3. Fol­gen­de Prä­po­si­tio­nen wer­den zusammengeschrieben:

  • anhand
  • infol­ge
  • inmit­ten
  • zufol­ge
  • zulie­be

In den fol­gen­den Fäl­len bleibt es dem Schrei­ben­den über­las­sen, ob er sie als Zusam­men­set­zung oder als Wort­grup­pe ver­stan­den wis­sen will.

  • außer­stand set­zen — außer Stand setzen
  • außer­stan­de sein — außer Stan­de sein
  • imstan­de sein — im Stan­de sein
  • infra­ge stel­len — in Fra­ge stellen
  • zugrun­de gehen — zu Grun­de gehen
  • zulei­de tun — zu Lei­de tun
  • zumu­te sein — zu Mute sein
  • zuran­de kom­men — zu Ran­de kommen
  • zuta­ge för­dern — zu Tage fördern

Ich hof­fe, damit sind alle Klar­hei­ten beseitigt :-).

Im nächs­ten Arti­kel über die deut­sche Recht­schrei­bung wer­de ich auf das Schrei­ben mit Bin­de­strich eingehen.

(Bild­quel­le Arti­kel­an­fang: © blickpixel/Pixabay.com)