Nach dem Ein­füh­rungs­ar­ti­kel über die Laut-Buch­sta­ben-Bezie­hung im Deut­schen steht heu­te bei mir die Groß- und Klein­schrei­bung auf dem Pro­gramm, ein Kapi­tel, das vie­len Schwie­rig­kei­ten berei­tet und auch sei­ne Tücken hat.


Im Deut­schen gibt es haupt­säch­lich vier Berei­che, bei denen die Groß­schrei­bung gilt: Ein­mal bei Sub­stan­ti­ven und Sub­stan­ti­vie­run­gen, bei Eigen­na­men, bei der höf­li­chen Anre­de und am Satz­an­fang.

Begin­nen wir mit dem umfang­reichs­ten Bereich: den Sub­stan­ti­ven und Sub­stan­ti­vie­run­gen.

Die Großschreibung der Substantive

Dass eine Wort­art — näm­lich das Haupt­wort oder Sub­stan­tiv — durch Groß­schrei­bung gekenn­zeich­net wird, ist eine Eigen­heit der deut­schen Recht­schrei­bung. Pro­ble­me berei­tet die­ses Kapi­tel vor allem des­halb, weil das Sub­stan­tiv in ande­re Wort­ar­ten über­ge­hen kann, wie zum Bei­spiel in ein Adverb oder in eine Prä­po­si­ti­on und auch ande­re Wort­ar­ten ihrer­seits wie Sub­stan­ti­ve gebraucht wer­den kön­nen. Dann stellt sich regel­mä­ßig die Fra­ge: Wird die­ses Wort nun groß­ge­schrie­ben oder nicht?

Nun zu den ein­zel­nen Rege­lun­gen:

Sub­stan­ti­ve in fes­ten Ver­bin­dun­gen

Hier rich­tet sich die Schrei­bung kon­se­quent nach dem Prin­zip, dass bei Getrennt­schrei­bung das Sub­stan­tiv groß geschrie­ben wird.

Bei­spie­le:

  • in Bezug auf
  • zu Guns­ten
  • zu Las­ten
  • Schlan­ge ste­hen
  • Auto fah­ren
  • Rad fah­ren
  • Eis lau­fen
  • in Fra­ge stel­len
  • in Acht neh­men
  • Angst haben
  • Angst machen
  • Recht spre­chen
  • Recht haben

ges­tern, heu­te, mor­gen + Tages­zeit

Tages­zei­ten nach den Adver­ben vor­ges­tern, ges­tern, heu­te, mor­gen, über­mor­gen wer­den groß geschrie­ben.

Bei­spie­le:

  • heu­te Mor­gen
  • ges­tern Abend

Unbe­stimm­te Zahl­ad­jek­ti­ve

Unbe­stimm­te Zahl­ad­jek­ti­ve wie viel, wenig, ein, ander (mit all ihren Fle­xi­ons­for­men) wer­den klein geschrie­ben.

Bei­spie­le:

  • Sie hat­te nichts ande­res zu tun.
  • Die meis­ten haben die­sen Film schon ein­mal gese­hen.
  • Das haben schon vie­le erlebt.
  • Die wah­ren Grün­de waren nur weni­gen bekannt.

Aber auch bei die­sen Wör­tern kann Groß­schrei­bung erfol­gen, wenn her­vor­ge­ho­ben wer­den soll, dass das Adjek­tiv nicht als unbe­stimm­tes Zahl­wort zu ver­ste­hen ist.

Bei­spiel:

  • Sie streb­te nach etwas ganz Ande­rem (= Anders­ar­ti­gem).

Bei Adjek­ti­ven mit demons­tra­ti­ver Bedeu­tung wird groß­ge­schrie­ben.

Bei­spie­le:

  • Mer­ken Sie sich Fol­gen­des.
  • Wir haben Der­ar­ti­ges noch nie gese­hen.
  • Er sag­te das Glei­che.

Ord­nungs­zah­len

Sub­stan­ti­vier­te Ord­nungs­zah­len wer­den stets groß­ge­schrie­ben. Die­se Rege­lung gilt auch für die ver­wand­ten Adjek­ti­ve nächst und letzt.

Bei­spie­le:

  • Sie been­de­te das Ren­nen als Erste/​als Zwei­te /​als Drit­te.
  • Er dage­gen kam als Letz­ter ins Ziel.

Super­la­ti­ve mit am

Die­se Super­la­tiv­form wird wei­ter­hin klein­ge­schrie­ben, wenn man mit wie? danach fra­gen kann.

Bei­spie­le:

  • Wie brüll­te der Löwe? Er brüll­te am lau­tes­ten.
  • Wie ist der Turm? Der Turm ist am höchs­ten.

Sonst gilt die Grund­re­gel für nomi­na­li­sier­te Adjek­ti­ve, näm­lich die Groß­schrei­bung:

  • Das ist das Bes­te, was du je getan hast.
  • Er gab stän­dig sei­ne Wit­ze zum Bes­ten.

Adjek­ti­ve in fes­ten Wen­dun­gen mit Ver­ben

Sub­stan­ti­vier­te Adjek­ti­ve, die Bestand­teil einer fes­ten Wen­dung mit einem Verb sind, wer­den groß­ge­schrie­ben.

Bei­spie­le:

  • im Dun­keln tap­pen
  • den Kür­ze­ren zie­hen
  • ins Rei­ne brin­gen
  • im Trü­ben fischen

Die glei­che Rege­lung gilt auch für frei­er ver­wend­ba­re fes­te Wen­dun­gen.

Bei­spie­le:

  • Wir haben alles des Lan­gen und Brei­ten dis­ku­tiert.
  • Das neue Gebäu­de war um ein Beträcht­li­ches höher.
  • Dar­an habe ich nicht im Ent­fern­tes­ten gedacht.
  • Wir sind uns im Wesent­li­chen einig.

Ledig­lich bei eini­gen fes­ten adver­bia­len Wen­dun­gen aus Prä­po­si­ti­on und Adjek­tiv (also ohne Arti­kel) wird wei­ter­hin klein­ge­schrie­ben.

Bei­spie­le:

  • seit lan­gem
  • von nahem
  • bei wei­tem
  • ohne wei­te­res

Sprach- und Farb­be­zeich­nun­gen

Sprach- und Farb­be­zeich­nun­gen haben teils den Cha­rak­ter von Sub­stan­ti­ven, teils den von Adjek­ti­ven.

Bei­spie­le:

  • Ihr Fran­zö­sisch hat einen deut­schen Akzent.
  • Er las den Ver­trag fran­zö­sisch vor.
  • Sie mag Grün.
  • Ich strich den Raum grün.

Bei Ver­bin­dun­gen mit Prä­po­si­tio­nen wer­den die Bezeich­nun­gen groß­ge­schrie­ben.

Bei­spie­le:

  • Die Ampel schal­tet auf Rot.
  • In Ost­afri­ka ver­stän­digt man sich am bes­ten auf Sua­he­li oder auf Eng­lisch.

Paar­for­meln

Paar­for­meln mit nicht dekli­nier­ten Adjek­ti­ven zur Bezeich­nung von Per­so­nen wer­den ein­heit­lich groß­ge­schrie­ben.

Bei­spie­le:

  • Das ist ein Fest für Jung und Alt.
  • Vor dem Gesetz sind Arm und Reich gleich.

Die Großschreibung von Eigennamen

Eigen­na­men wer­den gene­rell groß­ge­schrie­ben. Ent­schei­dungs­schwie­rig­kei­ten tre­ten vor allem bei mehr­tei­li­gen Eigen­na­men auf, wenn die­se noch ande­re Wort­ar­ten ent­hal­ten.

Oft mit Eigen­na­men ver­mengt und dann der Groß­schrei­bung unter­wor­fen wur­den in der Ver­gan­gen­heit fes­te Begrif­fe aus Adjek­tiv und Sub­stan­tiv. Mitt­ler­wei­le gilt die Groß­schrei­bung nur noch in vier Berei­chen:

  • Titel wie König­li­che Hoheit, Ers­ter Bür­ger­meis­ter
  • Arten, Unter­ar­ten oder Ras­sen in der Bio­lo­gie wie Rau­haa­ri­ge Alpen­ro­se, Roter Milan
  • beson­de­re Kalen­der­ta­ge wie Hei­li­ger Abend, Wei­ßer Sonn­tag
  • his­to­ri­sche Ereig­nis­se wie der West­fä­li­sche Frie­den, der Deutsch-Fran­zö­si­sche Krieg

Ablei­tun­gen von Per­so­nen­na­men auf -isch oder -sch wer­den klein­ge­schrie­ben.

Bei­spie­le:

  • das ohm­sche Gesetz
  • der vik­to­ria­ni­sche Stil

Nur wenn der Eigen­na­me zur Her­vor­he­bung durch den Apo­stroph abge­trennt wird und damit als Eigen­stän­di­ges auf­tritt, wird groß­ge­schrie­ben:

Bei­spiel:

  • das Ohm’sche Gesetz

Wei­ter­hin gilt Groß­schrei­bung, wenn die Fügung aus Adjek­tiv und Sub­stan­tiv als Gan­zes ein Eigen­na­me ist.

Bei­spiel:

  • die Schwei­ze­ri­schen Bun­des­bah­nen

Großschreibung bei der Höflichen Anrede

Die Pro­no­men Sie, Ihnen, Ihr, Ihren … wer­den in Brie­fen und brief­ähn­li­chen Tex­ten groß­ge­schrie­ben. Die Pro­no­men du, dein … hin­ge­gen nicht.

Großschreibung am Satzanfang

Das ers­te Wort im Satz wird groß­ge­schrie­ben. Wenn auf einen Dop­pel­punkt ein neu­er, gan­zer Satz folgt, wird die­ser eben­falls groß­ge­schrie­ben.

Bei­spiel:

  • Zufrie­den schau­te er in den Gar­ten: Alles wuchs und gedieh.

Wenn auf einen Dop­pel­punkt eine direk­te Rede folgt, wird auch groß­ge­schrie­ben.

Soweit zum The­ma Groß- und Klein­schrei­bung der deut­schen Spra­che. Im drit­ten Kapi­tel steht dann die Getrennt- und Zusam­men­schrei­bung auf dem Plan.

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