Auch wenn das The­ma Recht­schrei­bung auf den ers­ten Blick nicht sehr viel mit Geld­ver­die­nen zu tun hat, so gehört die kor­rek­te Beherr­schung der deut­schen Recht­schrei­bung doch zu den grund­le­gen­den Vor­aus­set­zun­gen, um pro­fes­sio­nell auf­tre­ten zu kön­nen, sei es beim Ver­fas­sen von Tex­ten und Büchern (Ebooks gehö­ren auch dazu :-)) und beim schrift­li­chen Kom­mu­ni­zie­ren in den ver­schie­de­nen Social-Media-Netzwerken.


Ich habe mich des­halb ent­schie­den, die­se klei­ne Ortho­gra­fie-Rei­he zu schrei­ben, weil mir schon sehr oft auf­ge­fal­len ist, dass Recht­schrei­bung nicht gera­de die Stär­ke vie­ler Inter­net­mar­ke­ter ist — und daher vie­le digi­ta­le Info­pro­duk­te von Feh­lern nur so strot­zen — und das rich­ti­ge Schrei­ben von Wör­tern immer mehr ver­nach­läs­sigt wird, da es für vie­le auch unwich­tig ist und die Recht­schrei­bung ohne­hin nicht gera­de als span­nen­des The­ma geschätzt wird.

Den­noch gibt es nun mal die deut­sche Recht­schrei­bung, die mit zahl­rei­chen Tücken und Fal­len gespickt ist. Gera­de die Groß- und Klein­schrei­bung pro­vo­ziert bei Schrei­ben­den unzäh­li­ge Feh­ler, aber auch die Zusam­men- und Getrennt­schrei­bung birgt genau­so vie­le Fal­len, in die man ger­ne hineintritt.

Auch ich bin in eini­gen Fäl­len nicht immer sicher, wie etwas geschrie­ben wird (auch als stu­dier­te Ger­ma­nis­tin :-)) und ich hof­fe, dass ich in die­ser Arti­kel­rei­he selbst nicht so vie­le Feh­ler einstreue.

Mei­ne klei­ne Rei­he behan­delt die ein­zel­nen Ortho­gra­fie­be­rei­che der deut­schen Spra­che, die sich wie folgt zusammensetzen:

  1. Lau­te und Buch­sta­ben (wird schon in die­sem Arti­kel behandelt)
  2. Groß- und Kleinschreibung
  3. Getrennt- und Zusammenschreibung
  4. Schrei­bung mit Bindestrich
  5. Zei­chen­set­zung
  6. Wort­tren­nung am Zeilenende
  7. Die häu­figs­ten Rechtschreibfehler

Zu Punkt 6: Zwar spielt die Wort­tren­nung am Zei­len­en­de im Zeit­al­ter des Com­pu­ters und des auto­ma­ti­schen Zei­len­um­bruchs kaum noch eine Rol­le, doch für die Ver­voll­stän­di­gung des The­mas wer­de ich dazu wenigs­tens die wich­tigs­ten Regeln aufführen.

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Laute und Buchstaben

Soweit zur Ein­lei­tung. In die­sem Arti­kel wer­de ich schon das ers­te Kapi­tel Lau­te und Buch­sta­ben behan­deln, was im Deut­schen des­halb nicht so ein­fach ist, weil die deut­sche Spra­che eine his­to­risch gewach­se­ne ist und daher ein Laut nicht immer einem Buch­sta­ben ent­spricht. Dar­aus ist ein kom­ple­xes Pro­blem ent­stan­den: Lau­te kön­nen durch Buch­sta­ben wie­der­ge­ge­ben wer­den und umge­kehrt Buch­sta­ben in Lau­te umge­setzt wer­den. Im Ide­al­fall ent­spricht ein Laut (oder eine Laut­ver­bin­dung) genau einem Buch­sta­ben (oder einer Buchstabenverbindung).

Da sei als Bei­spiel der deut­schen Unre­gel­mä­ßig­keit der lang gespro­che­ne Laut a genannt, der ein­mal durch den Buch­sta­ben a, aber auch durch die Buch­sta­ben­ver­bin­dung aa und ah wie­der­ge­ge­ben wird.

Eine kon­se­quen­te und sys­te­ma­ti­sche Durch­set­zung des Laut­prin­zips wäre auch im Deut­schen zwar durch­aus mög­lich und bräch­te wohl eine deut­li­che Ver­ein­fa­chung mit sich, der Preis dafür wären aber erheb­li­che Ein­grif­fe in das gewohn­te Schrift­bild. Dazu schei­nen die meis­ten Men­schen, vor allem die Lesen­den, nicht bereit zu sein. Auch aus die­sem Grund müs­sen wir uns letzt­lich mit so vie­len Aus­nah­men in der Schreib­wei­se rumschlagen.

Nun zu den wichitgs­ten Rege­lun­gen in der Laut-Buchstaben-Beziehung.

Die s‑Schreibung:
Das schar­fe s — ß — wird nur nach lan­gem Vokal und nach Diphthong (Dop­pel­laut) geschrie­ben. Man schreibt also beispielsweise

  • das Maß — des Maßes
  • gie­ßen — er gießt
  • der Fuß — des Fußes.

Nach kur­zem Vokal wird ein Doppel‑s geschrie­ben. Beispiele:

  • der Fluss — die Flüsse
  • es passt, passend
  • wäss­rig
  • das Fass
  • der Schluss

Zusam­men­tref­fen drei­er glei­cher Buchstaben:
Wenn in Zusam­men­set­zun­gen drei glei­che Buch­sta­ben zusam­men­tref­fen, blei­ben immer alle erhal­ten, auch wenn drei Voka­le auf­ein­an­der­tref­fen. Hier ein paar Beispiele:

  • Schiff­fracht
  • fett­trie­fend
  • Schiff­fahrt
  • Schritt­tem­po
  • See­ele­fant
  • Fluss­stre­cke

Um die Les­bar­keit die­ser Wör­ter zu ver­bes­sern, ist es auch in den meis­ten Fäl­len mög­lich, den Bin­de­strich zwi­schen die Wör­ter zu setzen.

  • See-Ele­fant
  • Sauer­stoff-Fla­sche
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Mit zwei Kon­so­nan­ten wer­den beispielsweise

  • Mit­tag
  • den­noch

geschrie­ben. Hier gibt es kei­ne Drei­fach-Kon­so­nan­ten, weil die­se Wör­ter nicht mehr als Zusam­men­set­zung behan­delt werden.

Ver­dop­pe­lung der Kon­so­nan­ten nach kur­zem Vokal:
Im Zuge der letz­ten Recht­schreib­re­form wer­den in ver­schie­de­nen Ein­zel­wör­tern Kon­so­nan­ten­buch­sta­ben in Anleh­nung an Fle­xi­ons­for­men oder an ande­re Wör­ter der­sel­ben Wort­fa­mi­lie (Stamm­prin­zip) dop­pelt geschrie­ben. Beispiele:

  • Ass
  • Kara­mell
  • num­me­rie­ren (wegen Num­mer)
  • Tipp (wegen tip­pen)
  • Toll­patsch
  • Stu­cka­teur (vor­her nur k, wegen Stuck geändert)
  • plat­zie­ren (wegen Platz)

Umlaut­schrei­bung:
Wegen des Stamm­prin­zips wird in man­chen Wör­tern ä statt e geschrie­ben. Auch die­se Schreib­wei­se ist für man­chen noch etwas unge­wohnt. Beispiele:

  • schnäu­zen (wegen Schnau­ze)
  • Stän­gel ( wegen Stan­ge)
  • behän­de (wegen Hand)
  • Gäm­se (wegen Gams)
  • über­schwäng­lich (wegen Über­schwang)

Wei­te­re aktu­el­len Schreibungen:

  • rau (ohne End‑h)
  • Roh­heit
  • Zäh­heit
  • Kän­gu­ru (ange­passt an Gnu und Kaka­du)
  • Zier­rat
  • selbst­stän­dig (aber auch selb­stän­dig möglich)
  • Alb­traum (aber auch Alp­traum möglich)
  • Alb­drü­cken (aber auch Alp­drü­cken möglich)

Fremd­wör­ter:
Hier sind bei bestimm­ten Buch­sta­ben­kom­bi­na­tio­nen neue Schreib­wei­sen mit Vari­an­ten der alten Schreib­wei­se ent­stan­den: Beispiele:

ph, th, rh wer­den zu f, t, r

Die Ver­bin­dung ph kann in all­ge­mein­sprach­li­chen Wör­tern mit den Stäm­men phon, phot, graph durch f ersetzt wer­den. Beispiele:

  • Mikro­fon
  • Foto­ko­pie
  • Gra­fi­ker

Wör­ter mit den Buch­sta­ben­kom­bi­na­tio­nen rh, th, gh kön­nen die­se durch r, t, g erset­zen. Die alte Schreib­wei­se bleibt bestehen und wird als Haupt­va­ri­an­te ein­ge­stuft. Beispiele:

  • Katarr (Haupt­va­ri­an­te: Katarrh)
  • Tun­fisch (Haupt­va­ri­an­te: Thunfisch)
  • Pan­ter (Haupt­va­ri­an­te: Panther)
  • Jogurt (Haupt­va­ri­an­te: Joghurt)

Wör­ter, die aus dem Fran­zö­si­schen stam­men und mit é oder ée enden, erhal­ten die Dop­pelen­dung ee. Beispiele:

  • Expo­see (Expo­sé, Nebenvariante)
  • Varie­tee (Varie­té, Nebenvariante)

Bei Wör­tern aus dem Eng­li­schen, die auf y enden, wird das Plural‑s nach deut­schem Mus­ter ange­hängt. Beispiele:

  • die Lob­bys
  • Hob­bys
  • Babys
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Eben­falls mit Haupt- und Neben­va­ri­an­te ver­se­hen sind eini­ge Wör­ter, die auf tial/​zial oder tiell/​ziell enden.

So lau­tet die Haupt­schreib­wei­se von eini­gen häu­fig ver­wen­de­ten Wörtern:

  • Poten­zi­al (Neben­va­ri­an­te: Potential)
  • poten­zi­ell (Neben­va­ri­an­te: potentiell)
  • sub­stan­zi­ell (Neben­va­ri­an­te: substantiell)
  • exis­ten­zi­ell (Neben­va­ri­an­te: existentiell)

Wie Sie sehen, gibt es für eini­ge Wör­ter zwei kor­rek­te Schreib­wei­sen, denn die Neben­va­ri­an­te ist genau­so erlaubt wie die als üblich ein­ge­stuf­te Haupt­va­ri­an­te. Ich habe hier zu den ein­zel­nen Rege­lun­gen immer nur ein paar Bei­spie­le auf­ge­führt. Natür­lich gibt es zu jedem Bereich noch mehr Wörter.

Wer sich wegen einer Schreib­wei­se eines Wor­tes nicht sicher ist, soll­te letzt­end­lich in einem Duden nach­schau­en, um sich zu ver­ge­wis­sern. Ich wer­de mir am Ende der Arti­kel­rei­he noch ein paar Online-Por­ta­le anschau­en, wo man sich auch über ortho­gra­fi­sche Beson­der­hei­ten infor­mie­ren kann.

Soviel zu der Laut-Buch­sta­ben-Bezie­hung. Im nächs­ten Kapi­tel steht die all­seits belieb­te Groß- und Klein­schrei­bung im Mittelpunkt.

(Bild­quel­le Arti­kel­an­fang: © blickpixel/Pixabay.com)