Als ich die­sen Blog vor eini­gen Jah­ren gestar­tet habe, rede­te ich mei­ne Blog­le­se­rin­nen und ‑leser mit Sie an, bis mir die­se Anspra­che zu gestelzt und distan­ziert vor­kam und ich auf Du umstell­te. Falls du also im Blog einen Arti­kel mit Sie-Anre­de vor­fin­dest, das war einmal.


Doch in die­sem Bei­trag soll es nicht um die Anre­de mit Sie oder Du gehen, son­dern um eine mög­li­che Gen­der­an­re­de, die in offi­zi­el­len Tex­ten in Nach­rich­ten- und Behör­den­por­ta­len sowie gro­ßen Online-Maga­zi­nen schon ver­wen­det wird.

Ich bin ehr­lich, mir gefällt die­se Wort­ver­hun­zung mit dem Gen­der-Stern­chen über­haupt nicht. Ich selbst habe Ger­ma­nis­tik stu­diert, für mich hat jedes Wort sein eige­nes indi­vi­du­el­les Aus­se­hen, auch wenn das etwas selt­sam klin­gen mag. Unter­bre­che ich das Wort mit einem Stern, Unter­strich oder Dop­pel­punkt, wird sein Aus­se­hen verstümmelt.

Natür­lich kann man als Gegen­ar­gu­ment anbrin­gen, dass das Wort-Aus­se­hen egal ist und es ja dar­auf ankommt, alle Men­schen mit sei­nen Tex­ten anzu­spre­chen, also nicht nur die binä­ren, son­dern auch die nicht-binä­ren, zu denen sich Per­so­nen zuge­hö­rig füh­len, die sich weder als Mann noch als Frau fühlen.

Gendersprache: Ein Muss in Blogartikeln?

Auf die­se Zwi­schen­ti­tel­fra­ge kann ich nur ant­wor­ten: Nein, ein Muss ist es nicht, denn eine gesetz­li­che Vor­schrift exis­tiert noch nicht.

Als Blog­ge­rin und Blog­ger kannst du immer noch selbst ent­schei­den, wie du dei­ne Leser­schaft und ande­re Per­so­nen­grup­pen anre­dest bzw. benennst. Du kannst das gene­ri­sche Mas­ku­lin ein­set­zen (Erläu­te­rung wei­ter unten im Arti­kel), du kannst weib­li­che und männ­li­che For­men ver­wen­den oder dich für Gen­der­for­mu­lie­run­gen entscheiden.

Ich wer­de in die­sem Blog wei­ter­hin die Dop­pel­nen­nung ver­wen­den (also bei­de Geschlechts­for­men) und auch das gene­ri­sche Mas­ku­li­num. Das pas­siert eher auto­ma­tisch, auch wenn ich es lie­ber ver­mei­den will. Doch wer viel schreibt, möch­te ab und zu ver­kür­zen, ein paar Wör­ter spa­ren und so schleicht sich die­se Schreib­wei­se immer wie­der ein.

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Wer in sei­nem Blog auf Gen­der­schreib­wei­sen set­zen will, fin­det nach­fol­gend gute For­mu­lie­rungs­mög­lich­kei­ten, die den Klam­mer­wahn­sinn wie der (die) Leser(in) oder der (die) Kund(innen) über­flüs­sig macht.

Wel­che Gen­der­schreib­wei­sen exis­tie­ren in Deutschland?

Mögliche Genderformulierungen

Es gibt ver­schie­de­ne Schreib- und For­mu­lie­rungs­mög­lich­kei­ten in unse­rer Spra­che, um ein­mal die bei­den Geschlech­ter und auch um das soge­nann­te drit­te Geschlecht anzusprechen.

Die erst­ge­nann­te Schreib­wei­se mit ihren Vari­an­ten ist aller­dings die Ein­zi­ge, die behörd­lich als kor­rekt ange­se­hen wird, um wirk­lich alle Men­schen in der Spra­che einzubeziehen.

Gen­der-Gap, Gen­der-Stern­chen und Gender-Doppelpunkt:

Mit die­sen auf­fal­len­den Wort­kenn­zeich­nun­gen sol­len nicht nur Frau­en und Män­ner ange­spro­chen wer­den, son­dern auch nicht-binä­re Menschen.

Drei ver­schie­de­ne Gen­d­er­kenn­zeich­nun­gen wer­den ange­wen­det: Die häu­figs­te ist das Gen­der-Stern­chen (ande­re Bezeich­nung: Gen­der-Star), dann kommt der Gen­der-Gap und den soge­nann­ten Gen­der-Dop­pel­punkt habe ich auch schon entdeckt.

Dabei wird zwi­schen die männ­li­che und weib­li­che Form ein Unter­strich (Gap), ein Stern­chen oder ein Dop­pel­punkt ein­ge­fügt. Beim Aus­spre­chen wird eine kur­ze Pau­se zwi­schen den bei­den Wort­tei­len gemacht.

  • Ein_​e Student_in
  • Lie­be Leser*innen
  • Die Zuhörer:innen

Die Zei­chen wer­den nicht nur in Sub­stan­ti­ven ein­ge­fügt, son­dern auch in unbe­stimm­te und bestimm­te Arti­kel und Pronomen.

Eine wei­te­re Schreib­wei­se, die sich in die­se Kate­go­rie ein­ord­nen lässt, ist die mit dem Schräg­strich. Als Bei­spie­le sei­en genannt: Zuhörer/​innen, Leser/​innen

Dop­pel­nen­nung:

Du schreibst erst die weib­li­che, dann die männ­li­che Form. Zwar kann man hier argu­men­tie­ren, dass bei der Dop­pel­nen­nung nur Frau­en und Män­ner ange­spro­chen werden.

Doch auch wenn sich nicht-binä­re Men­schen weder zu dem einen noch zu dem ande­ren Geschlecht zäh­len, lässt sich fest­hal­ten, dass die­se Per­so­nen meist einen weib­li­chen als auch einen männ­li­chen Part in sich fühlen.

Dann könn­ten sie sich auch mit der Dop­pel­nen­nung ange­re­det füh­len. Das unter­stel­le ich ihnen ein­fach mal 😊.

  • Lie­be Lese­rin­nen und Leser
  • Stu­den­tin­nen und Studenten
  • Kun­din­nen und Kunden

Die­se For­mu­lie­rung ist die gän­gigs­te und für die geschrie­be­ne Spra­che am attrak­tivs­ten, zumin­dest aus mei­ner Sicht. Der Text wird zwar län­ger, doch die Wör­ter wer­den nicht zer­ris­sen und entstellt.

Majuskel‑I oder Binnen‑I:

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Bei die­ser Schreib­wei­se wird die männ­li­che und weib­li­che Form zusam­men­ge­zo­gen und das i groß­ge­schrie­ben, mit dem die weib­li­che Form beginnt.

  • Lie­be LeserInnen
  • Stu­den­tIn­nen
  • Kun­dIn­nen

Mir gefällt die­se Lösung nicht, da – wie schon oben in den Bei­spie­len sicht­bar – Wor­te vor der Majuskel‑I ent­ste­hen, die es gar nicht gibt, wie „Kund“. Das glei­che gilt natür­lich auch für die oben genann­ten Gen­der-Stern­chen, ‑Gaps und ‑Dop­pel­punkt. Doch das gro­ße I im Wort stört noch zusätzlich.

Du kannst natür­lich argu­men­tie­ren, dass man das Wort Kun­dIn­nen auch anders lesen kann und aus Kund mit der Wort­endung -en hin­ter dem weib­li­chen Ein­schub Inn zu Kun­den wird. Mir gefällt trotz­dem das Aus­se­hen des Wor­tes nicht. Daher wen­de ich die­se Schreib­wei­se so gut wie nicht an.

Gene­ri­sches Femininum:

Die mas­ku­li­ne Form – das soge­nann­te gene­ri­sche Mas­ku­li­num – schließt in sei­ner Bedeu­tung Frau­en mit ein. Bei dem gene­ri­schen Mas­ku­lin han­delt es sich im Deut­schen um eine gän­gi­ge Gewohn­heit, gram­ma­tisch mas­ku­li­ne Per­so­nen- oder Berufs­be­zeich­nun­gen, die eben­falls über eine femi­ni­ne Form ver­fü­gen, in einem gene­ri­schen Sinn zu verwenden.

War­um also nicht ein­fach mal das Gan­ze umdre­hen und alle in der femi­ni­nen Form anspre­chen, dem soge­nann­ten gene­ri­schen Femininum?

  • Lie­be Leserinnen
  • Unse­re Kundinnen

Die­se sehr gewag­te Anre­de wirkt auf mich wie eine Retour­kut­sche. So nach dem Prin­zip: Was die männ­li­che Form kann, kann die weib­li­che auch. Und wenn es für vie­le nicht gerecht ist, dass mit der männ­li­chen Form auch die Frau­en ange­spro­chen wer­den, ist es auch unge­recht, mit der weib­li­chen Form die Män­ner einzuschließen.

Vor ein paar Wochen gab es einen Streit über einen Geset­zes­ent­wurf, der kom­plett in der weib­li­chen Form ver­fasst ist. Das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um kri­ti­sier­te den Refe­ren­ten­ent­wurf und ver­lang­te eine sprach­li­che Über­ar­bei­tung. Wie man sieht, ist das gene­ri­sche Femi­ni­num auch in der Poli­tik noch nicht ange­kom­men und wird es wohl auch nie.

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Gender-Alternativen

Wie kannst du noch alle anspre­chen, ohne die gan­zen Per­so­nen­grup­pen auf­zäh­len zu müs­sen? Es gibt ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten, sich geschlechts­neu­tral auszudrücken.

Direk­te Anrede:

Rede dei­ne Lese­rin­nen und Leser nicht in der drit­ten Per­son an, son­dern direkt. Also statt: „Mei­nen Lesern wird die­ses Buch gefal­len.“ „Dir wird die­ses Buch gefallen.“

Neu­tra­le Personenbezeichnungen:

Ver­wen­de statt geschlechts­kenn­zeich­nen­den Bezeich­nun­gen neu­tra­le Begriffe.

  • Die Leu­te
  • Die Leser­schaft
  • Die Per­son
  • Das Publi­kum
  • Das Mit­glied

Sub­stan­ti­vier­te Verben:

Wenn du ein Verb sub­stan­ti­vierst, erhältst du im Plu­ral eine geschlechts­neu­tra­le oder ‑umfas­sen­de Form. Im Sin­gu­lar klin­gen die­se For­men selt­sam und soll­ten daher nicht ver­wen­det werden.

  • Die Stu­die­ren­den statt Studenten
  • Teil­neh­men­de statt Teilnehmer

Was ist nun mit der Genderansprache im Blog?

Wer es ganz kor­rekt machen will, wird sich in sei­nen Tex­ten dar­um bemü­hen, alle ohne Aus­nah­me anzu­re­den. Wie das genau aus­se­hen soll, bleibt jedem überlassen.

Die behörd­li­che Gen­der­an­re­de geht auch in einem Blog, war­um nicht? Wer von die­sen kon­stru­iert wir­ken­den For­mu­lie­run­gen abwei­chen will, fin­det meh­re­re Mög­lich­kei­ten, gen­der­ge­recht geschickt zu schrei­ben, ohne Wör­ter und Begrif­fe zu verballhornen.

(Bild­quel­le Arti­kel­an­fang: © ger­alt /Pixabay.com)