Der Begriff Social Entre­pre­neurs­hip geis­tert schon län­ger durchs Inter­net (und nicht nur dort). Zuerst konn­te ich mit der Bezeich­nung nicht all­zu viel anfan­gen, doch nach­dem ich eini­ge Pro­jek­te von Social Entre­pre­neurs ken­nen­ge­lernt habe, fand ich die­ses The­ma wirk­lich span­nend.


Und außer­dem steckt ja auch ein klei­ner Wider­spruch in Social Entre­pre­neurs: Denn ein­mal will man unter­neh­me­risch — d.h. Gewin­ne erzie­lend — als auch sozi­al, also für das Wohl der Gesell­schaft tätig sein.

Das eine soll ja das ande­re nicht aus­schlie­ßen, aber irgend­wie pas­sen knall­har­tes Unter­neh­mer­tum und sozia­le bzw. öko­lo­gi­sche Aspek­te nicht gut zusam­men. So ist jeden­falls mein Bild von der kal­ten Wirt­schafts­welt geprägt. Doch es geht auch ande­res, vor allem wenn nicht in ers­ter Linie das gro­ße Geld­ver­die­nen im Kopf hat.

Definition von Social Entrepreneurship

Doch wie lässt sich Social Entre­pre­neurs­hip oder sozia­les Unter­neh­mer­tum genau defi­nie­ren? Um eine detail­lier­te Defi­ni­ti­on abzu­ge­ben, feh­len mir die tief­ge­hen­den Busi­ness­kennt­nis­se, doch im Gro­ßen und Gan­zen lässt sich sagen, dass man dar­un­ter unter­neh­me­ri­sches Han­deln ver­steht, das sich für einen posi­ti­ven Wan­del in der Gesell­schaft ein­setzt und deren Pro­ble­me auf unter­neh­me­ri­sche Art und Wei­se lösen will. Die genau­en Gesell­schafts­ge­bie­te kön­nen sich mit dem Schutz der Umwelt, der Bekämp­fung von Armut, dem Ein­satz für Men­schen­rech­te oder Bil­dung usw. beschäf­ti­gen.

Ein soge­nann­tes Chan­ge Pro­jekt setzt sich daher zum Ziel, ein bestehen­des gesell­schaft­li­ches Pro­blem zu ver­bes­sern — wie bei­spiels­wei­se die Redu­zie­rung von Abfall oder sozi­al benach­tei­lig­te Men­schen in Arbeit zu brin­gen.

Der Gedan­ke, durch die­se Pro­jek­te wirt­schaft­li­chen Gewinn zu erzie­len, steht bei Social Entre­pre­neurs eher im Hin­ter­grund, den­noch ist es nicht ver­pönt, mit sei­nem Chan­ge Pro­jekt Geld zu ver­die­nen.

Bei Wiki­pe­dia hört sich die Defi­ni­ti­on von Social Entre­pre­neurs­hip unge­fähr so an:

Ein Social Entre­pre­neur bringt fol­gen­de Eigen­schaf­ten mit:

  • Er ver­sucht, eine bis­her nicht oder nur man­gel­haft gelös­te gesell­schaft­li­che Auf­ga­be zu bewäl­ti­gen.
  • Die Gewinn­erzie­lung steht nicht im Focus sei­nes unter­neh­me­ri­schen Han­delns, sie soll­te haupt­säch­lich für die Ver­wirk­li­chung von gesell­schaft­li­chen Ver­än­de­run­gen ein Mit­tel zum Zweck sein.
  • Er soll­te sich nicht in all­zu gro­ße Abhän­gig­keit von wich­ti­gen Geld­ge­bern bege­ben, son­dern ent­schei­den­de Res­sour­cen selbst bereit­stel­len und anwer­ben kön­nen.
  • Der Social Entre­pre­neur soll­te ande­re Men­schen für sein Pro­jekt begeis­tern kön­nen und zur Mit­wir­kung moti­vie­ren.
  • Sei­ne unter­neh­me­ri­schen Wer­te sind auf Ach­tung der Men­schen­wür­de, Nach­hal­tig­keit und demo­kra­ti­schen Grund­sät­zen aus­ge­rich­tet.

Beispiele für Social Entrepreneurship

Ori­gi­nal unver­packt: Der Gedan­ke, mit einem Unter­neh­men gesell­schaft­li­che Pro­ble­me zu lösen, hat schon eini­ge gute Ideen ins Leben geru­fen. Ich erin­ne­re mich, dass vor ein paar Wochen auf einer Crowd­fun­ding-Platt­form das Pro­jekt “Ori­gi­nal unver­packt” weit mehr als nur die geplan­te Fun­ding­schwel­le von 20.000 Euro zusam­men bekam, näm­lich gut über 100.000 Euro. Denn das vor­ge­stell­te Kon­zept über­zeug­te wirk­lich.

“Ori­gi­nal unver­packt” ist ein Lebens­mit­tel­ge­schäft, das sei­ne gan­zen Pro­duk­te — Bio­wa­ren wie kon­ven­tio­nel­le Waren — unver­packt sei­nen Kun­den und Kun­din­nen anbie­tet. Im Sep­tem­ber 2014 wur­de der ers­te Laden in Ber­lin eröff­net und man plant schon für die Zukunft ein Fran­chise-Sys­tem für Ori­gi­nal-Unver­packt-Läden in ganz Deutsch­land.

In die­sem Chan­ge-Pro­jekt geht es also dar­um, die Müll­pro­duk­ti­on beim Kauf von Lebens­mit­teln und ande­ren Waren für den Haus­halt deut­lich zu redu­zie­ren oder gar ganz zu ver­mei­den.

Nähe­res zu Ori­gi­nal unver­packt fin­det sich unter: http://​ori​gi​nal​-unver​packt​.de/

Goldei­mer: Ein ande­res Chan­ge­pro­jekt ist bei­spiels­wei­se Goldei­mer, ein Betrei­ber von mobi­len Kom­post-Toi­let­ten auf Groß­ver­an­stal­tun­gen. Die gesam­mel­te Bio­mas­se wird spä­ter zu Humus­sub­strat umge­wan­delt. Ein Groß­teil der erziel­ten Gewin­ne geht in die Finan­zie­rung von Was­ser- und Sani­tär­pro­jek­ten von der Welt­hun­ger­hil­fe und Viva con agua auf der gan­zen Welt.

Nähe­res zu Goldei­mer: http://​goldei​mer​.viva​co​na​gua​.org/

MyBoo: Das Pro­jekt MyBoo ver­kauft Fahr­rä­der aus Bam­bus, denn Bam­bus ist ein schnell nach­wach­sen­der Roh­stoff und gilt als umwelt­scho­nen­de Res­sour­ce. Außer­dem ist Bam­bus leicht und sta­bil. Die Bam­bus­ge­stel­le wer­den in Gha­na in Hand­ar­beit pro­du­ziert. Schon über 15 Leu­te konn­ten dort aus­ge­bil­det wer­den und haben nun die Mög­lich­keit, mit ihrer Arbeit Geld zu ver­die­nen.

Wei­te­res zu dem Bam­bus­fahr­rad MyBoo: http://​www​.my​-boo​.de/

Changemaker-Kurs auf Iversity

War­um ich die­sen Arti­kel schrei­be, liegt auch dar­an, dass auf Iver­si­ty am 20. Okto­ber ein MOOC (Mas­si­ve Open Online Cour­se) zu Social Entre­pre­neurs­hip star­tet. Die Teil­nah­me ist auch kos­ten­los mög­lich über den Audit Track und man kann in 10 Kapi­teln ler­nen, wie man ein Chan­ge Pro­jekt erfolg­reich plant und umsetzt.

Inhalt: Der Kurs ist pra­xis­nah aus­ge­rich­tet und baut sich fol­gen­der­ma­ßen auf:

Kapi­tel 1: Die Welt ver­än­dern
Kapi­tel 2: Vom Inter­es­se zur Pro­jekt­idee
Kapi­tel 3: Was ist Social Entre­pre­neurs­hip?
Kapi­tel 4: Die Pro­jekt­zie­le fest­le­gen
Kapi­tel 5: Die Stra­te­gie opti­mie­ren
Kapi­tel 6: Die Pro­jekt­struk­tur pla­nen
Kapi­tel 7: Die Umset­zung des Pro­jekts pla­nen
Kapi­tel 8: Das Pro­jekt finan­zie­ren
Kapi­tel 9: Das Pro­jekt bekannt machen
Kapi­tel 10: Das Pro­jekt prä­sen­tie­ren

Wer die­sen Kurs bis zu 80 Pro­zent durch­ar­bei­tet, erhält ein unbe­no­te­tes Teil­nah­me­zer­ti­fi­kat. Eine Abschluss­prü­fung fin­det nicht statt. Der durch­schnitt­li­che Arbeits­auf­wand pro Woche beträgt ca. 5 Stun­den.

Wei­te­re Infor­ma­ti­on zu die­sem Online-Kurs auf Iver­si­ty fin­den sich unter die­sem Link.