WooCommerce Leitfaden: Teil 3 – Mehrwertsteuer und unterschiedliche Steuerklassen


Und weiter geht es in der Artikelserie „Woocommerce Leitfaden“. Im dritten Teil stehen die Mehrwertsteuersätze im Mittelpunkt, ein recht trockenes, aber sehr wichtiges Thema im Online-Shop.

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Je nachdem, welche Produkte man in seinem Shop verkauft, kann es vorkommen, dass man unterschiedliche Mehrwertsteuersätze erstellen muss.

In Deutschland gilt generell: Auf die meisten Produkte fallen 19 Prozent Mehrwertsteuer an, der gemäßigte Steuersatz von 7 Prozent gilt u. a. für Lebensmittel und Druckerzeugnisse. Genaue Angaben zu den einzelnen Steuersätzen und welche Produkte wie hoch versteuert werden, findet sich in einschlägiger Literatur.

Verkaufst du in andere Länder, wird es noch komplexer, denn die Mehrwertsteuer fällt in den einzelnen europäischen Staaten unterschiedlich hoch aus.

Hinweis: Wenn du gegenständliche Produkte ins EU-Ausland an Privatpersonen verkaufst, kannst du anfänglich entscheiden, ob du den deutschen Mehrwertsteuersatz berechnest oder den vom Zielland des Privatkunden. Entscheidest du dich für das Zielland, musst du dort die anfallende Umsatzsteuer abführen. Diese Entscheidung bindet dich für zwei Jahre.

Überschreitest du mit deinem Jahresumsatz einen gewissen Schwellenwert für ein anderes EU-Land, (in Deutschland: 100.000 Euro) musst du die Umsatzsteuer im Zielland abführen, die Entscheidungsfreiheit entfällt dann.

Verkaufst du also in andere EU-Länder, solltest du dich vorab bei einem Steuerberater genau informieren, wie du die Mehrwertsteuer berechnest. Dieses Thema ist schon recht komplex und man kann sehr schnell was falsch machen.

Allgemeine Mehrwertsteuer-Einstellungen in Woocommerce

Auf der Registerkarte Mehrwertsteuer sind unter Steuer-Einstellungen folgende Optionen zu finden:

  • Über Steuern aktivieren gibst du an, ob das Shopsystem die Mehrwertsteuer berechnen soll. In den meisten Fällen wirst du hier ein Häkchen setzen müssen, es sei denn, bei dir wird die Kleinunternehmerregelung angewendet. Die letztere Option lässt sich in dem Plugin Woocommerce German Market leicht einstellen.
  • Erhebst du Mehrwertsteuer, kannst du beim nächsten Feld entscheiden, ob deine Produktpreise Netto- oder Bruttopreise sind. Wer an private Endkunden verkauft, sollte die Option „inklusive Mehrwertsteuer“ aktivieren. Wichtig: Solltest du einmal nachträglich die andere Option „exklusive Mehrwertsteuer“ auswählen, werden die bereits eingepflegten Produktpreise nicht automatisch angepasst.
  • Über berechnen, basierend auf wird geregelt, auf Grundlage welcher Adresse der jeweils automatisch ausgewählte Steuersatz beruhen soll, wenn bei Auslandsbestellungen eine andere Besteuerung greift. Mögliche Optionen: Lieferadresse des Kunden, Rechnungsadresse des Kunden, Basisadresse des Shops (Basisland). Meistens kommt die Lieferadresse des Kunden zum Einsatz, doch bei Unsicherheiten solltest du diesen Punkt mit einem Steuerberater besprechen, vor allem bei Verkäufen außerhalb Deutschlands.
  • Die Steuerklasse der Versandkosten regelt, ob die Versandkosten je nach Produktsteuersatz automatisch im Warenkorb besteuert werden (Standardeinstellung) oder ob allgemein der Standard-Steuersatz, ein reduzierter Steuersatz oder überhaupt keine Besteuerung verwendet werden soll. Wenn du die Option Versand-Steuerklasse basierend auf Warenkorb-Elementen auswählst, und Produkte mit unterschiedlichen Steuersätzen im Warenkorb liegen, werden die Versandkosten mit dem jeweils höchsten enthaltenen Steuersatz besteuert.
  • Wenn die Option Rundung ausgeschaltet ist, werden die Steuern pro Position berechnet und eventuell gerundet, und nicht erst bei der Warenkorb-Zwischensumme.
  • Wer weitere Steuersätze zusätzlich zum Standard-Steuersatz und den Reduced Rate Sätzen benötigt, muss diese in das Feld Zusätzliche Steuerklassen Meistens ist das aber nicht nötig, schon gar nicht, wenn du nur in Deutschland verkaufst. Wird ein neuer Wert eingetragen, wird eine neue Unterregisterkarte mit der neuen Steuerbezeichnung angelegt.
  • Preise im Shop anzeigen: Entweder mit oder ohne Mehrwertsteuer. Wer ganz oben auf der Registerkarte die Option Preise werden inklusive Mehrwertsteuer eingegeben ausgewählt hat, findet hier schon die richtige Einstellung inklusive Mehrwertsteuer
  • Und auch die nächste Option Preise während Bestell- und Bezahlvorgang anzeigen steht dann auf inklusive Mehrwertsteuer.
  • Zusatz zur Preisangabe: In dieses Feld kannst du eintragen, wie der Zusatz hinter dem Preis aussehen soll, beispielsweise „inkl. MWSt.“. Falls du das Plugin German Market verwendest, brauchst du hier gar nichts einzutragen, denn durch deine Auswahl, dass du Bruttopreise anzeigen lässt, werden von German Market in den jeweiligen Plugin-Einstellungen schon automatisch Voreinstellungen vorgenommen und hinter die Preise beispielsweise der Zusatz „enthält 19% MWSt.“ eingefügt.
  • Gesamtsumme der Steuern: Hier gibt es zwei Optionen: Aufgeschlüsselt und zusammengezogen. Bei der Option Aufgeschlüsselt werden die Steuern von Produkten hinter jeder Position einzeln angezeigt, bei zusammengezogen in einer Summe. Wähle daher die Option „Aufgeschlüsselt“ aus.
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Die verschiedenen Steuersätze

Die weiteren Unterregisterkarten von Mehrwertsteuer sind den verschiedenen Steuersätzen gewidmet. Unter Standardsätze ist der Standardsatz von 19 Prozent für Deutschland schon eingestellt.

Über Zeile hinzufügen lassen sich schnell weitere Standardsätze für andere Länder hinzufügen.

Reduced Rate Sätze: Hier ist der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent für Deutschland schon definiert. Auch hier lassen sich weitere reduzierte Sätze hinzufügen.

Unter Zero Rate Sätze ist kein Standard-Steuersatz enthalten, da Null Prozent Steuer ja keinen festgelegten Wert benötigt.

Auch für virtuelle Produkte sind Unterregisterkarten vorhanden: Virtual Rate Sätze und Virtual Reduced Rate Sätze: Unter Virtual Rate Sätze sind alle wichtigen europäischen Länder mit ihren jeweiligen Mehrwertsteuersätzen eingepflegt, denn bei einem Verkauf eines digitalen Produktes an Privatkunden fällt deren Mehrwertsteuersatz bei der Preisberechnung an, siehe MOSS-Artikel. Unter Virtual Reduced Rate Sätze sind keine Steuersätze vom Shopsystem vordefiniert.

Wenn du eine weitere Steuerklasse zu den vordefinierten angelegt hast, findest du eine weitere Unterregisterkarte zu diesem Steuersatz vor.

Diese neue Steuerklasse kannst du dann den Produkten in der Produktdetailseite individuell zuweisen.

Was bei der Anlage einer neuen Steuerklasse noch zu beachten ist, ist einmal die Prioritätseinstellung. Damit lässt sich bestimmen, welcher Steuersatz bei sich überschneidenden Gebieten gilt. Priorität 1 ist höher als 2 und so weiter.

Steuern mit der Eigenschaft Zusammengesetzt werden zusätzlich zu weiteren eingesetzten Steuern berechnet.

Versand regelt, ob der Steuersatz auch auf die Versandkosten angerechnet werden soll, was generell in Deutschland der Fall ist. Bei Lieferungen ins Ausland solltest du diesen Punkt mit deinem Steuerberater klären.

Wer sich bei diesen Auswahlmöglichkeiten nicht ganz sicher ist, wie diese im Frontend des Shops aussehen bzw. sich auf die Darstellung der Preise, des Warenkorbs und des Bezahlvorgangs auswirken, sollte sie in einem Demoshop durchspielen. Ändere einfach die einzelnen Einstellungen nacheinander ab und schaue dir das Ergebnis im Shop an. Dann werden diese abstrakten Begrifflichkeiten verständlich und konkret.

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Im nächsten Artikel steht das Thema „Kasse“ an.

8 Kommentare

  1. Alex 2. August 2018 um 10:29 Uhr

    Hallo Susanne,
    guter Beitrag, auch wenn er mich bei meinem Problem nur bedingt weiter gebracht hat.
    Ich habe das Problem dass in meinem Shop keine Steuerberechnung stattfindet. Ich habe noch einen zweiten Shop, bei dem es funktioniert. Die Einstellungen sind soweit identisch, der Hoster ist der gleiche somit kann die PHP-Version denke ich auch ausgeschlossen werden, in den Datenbanken sind alle Tabellen vorhanden und die Plugins sind bis auf zwei auch identisch, und diese beiden konnten auch ausgeschlossen werden. Bei dem Problem-Shop habe ich jedoch nur die kostenlose Version von Germanized laufen.

    Durch deinen Beitrag ist mir jedoch aufgefallen, dass im Problem-Shop jedoch die Checkbox „Steuern und Berechnungen aktivieren“ fehlt. Hast du ne Idee womit das zusammen hängen könnte?

    LG Alex

  2. Susanne Braun 2. August 2018 um 13:37 Uhr

    Hallo,

    ja, das ist seltsam, dass diese Checkbox fehlt. Auf eine unvollständige Installation scheint das aber nicht hinzuweisen, sonst würde der Shop ja gar nicht funktionieren. Was passiert, wenn du die beiden anderen Plugins (die im anderen Shop nicht vorhanden sind) und Germanized deaktivierst? Vielleicht liegt es daran?

  3. Alex 3. August 2018 um 07:35 Uhr

    Hallo Susanne,
    an den Plugins liegt es auch nicht. Hatte erst nur die beiden Plugins deaktiviert die sich zu dem anderen Shop unterscheiden, ohne Änderung. Jetzt hatte ich zusätzlich noch alle übrigen deaktiviert, Problem besteht weiterhin. Einzige Änderung war, dass im Shop gar keine MwSt mehr angezeigt wurde nachdem ich Germanized deaktiviert hatte.

  4. Alex 3. August 2018 um 08:07 Uhr

    Hallo Susanne,

    nachdem ich die besagten beiden Plugins deaktiviert hatte ergab es keine Änderung. Hab dann auch noch Germanized deaktiviert, jedoch nur mit der Änderung dass im Frontend keine Steuer mehr angezeigt wurde. Vorher wurde sie im Warenkorb mit 0 € angezeigt, trotz dass alle Steuereinstellungen sonst stimmen.

  5. VAOP Alex 3. August 2018 um 14:47 Uhr

    Hallo Susanne,
    Das Problem hatte ich eben auch und das hatte mich einen halben Tag gekostet eine Problemlösung zu finden.

    Lösungsvorschlag:
    Bei den „Einstellungen“ von WooComemrce „Mehrwertsteuer“ bei “ Zusätzliche Steuerklassen“ neue Steuerklasse benennen (bei war es Umsatzsteuer) Abspeichern.
    Es erscheint in dem gleichen Reiter eine zusätzliche anklickbare Steuer Option mit dem vergebenen Namen (in meinem Fall Umsatzsteuer) anklicken Tabelle bearbeiten abspeichern.
    Auf den Hauptreiter „Preis und Rabatt“ dort die Unterkategorie „Steueroptionen“ anklicken per Dropdownmenü den Benutzerollen die entsprechende Steuernamen (bei mir immer noch Umsatzsteuer) anklicken speichern.
    Das wars… nun sollte Woo die Steuern berechnen können.

    Das Problem liegt wahrscheinlich daran das Woo keine Tabelle anlegt und damit nicht rechnen kann.
    Das „Steuern und Berechnungen aktivieren“ befindet sich inzwischen bei dem Hauptreiter „Allgemein“ unter „Voreingestellter Ort für Kunden“ ich hoffe das Alex und anderen Helfen konnte.

  6. Peter 4. September 2018 um 15:59 Uhr

    Hallo VAOP Alex,
    ich versuche gerade, anhand Deiner Beschreibung die Steuerberechnung in meinem Shop hinzubekommen. Es scheint sich ja schon wieder bei Woocommerce einiges an Updates getan zu haben, obwohl Dein Kommentar noch nicht so alt ist….
    Kann es sein, dass das erst bei einer zukünftigen Bestellung funktioniert?
    Also, ich habe gerade eine aktuelle Bestellung, die noch nicht abgeschlossen ist und versuche, es damit hinzubekommen. Aber es findet einfach keine Berechnung statt und natürlich ist dummerweise auch die USt auf der Rechnung nicht ausgewiesen.

  7. Ramo 9. Oktober 2018 um 09:30 Uhr

    Hallo,
    Kann mir jemand sagen wie ich inkl MwSt und zusätzlich Versand kosten auf der Hauptseite bzw. Auf Produkte listing ausblenden kann?

  8. Susanne Braun 9. Oktober 2018 um 13:45 Uhr

    Hallo Ramo,
    ich bezweifle, dass man diese Angaben irgendwo ausschalten kann, ich habe jedenfalls keine Möglichkeit gefunden. Das kann ich auch nicht empfehlen, denn MWSt. und Versandkosten sind wichtige Angaben, die dem potenziellen Kunden bei den Produkten angezeigt werden sollen, auch auf Startseite und im Produktlisting.
    Nicht, dass da noch eine Abmahnung kommt.

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