Bevor ich mich vor knapp einem Jahr selbständig gemacht habe, ist mir der Begriff „Network-Marketing“ nur flüchtig untergekommen. Vielleicht habe ich ihn mal in einem Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel gelesen, mich aber mit dieser Thematik nie auseinander gesetzt. Wozu auch?


Das hat sich mittlerweile geändert. Seit ca. 12 Monaten bewege ich mich nun täglich zehn bis zwölf Stunden im Internet, verdiene mein Geld hauptsächlich als Webdesignerin, bin aber auch für weitere Einkommensquellen offen, allein schon wegen meines Geld-online-Blogs. ;-) Und so laufen einem zwangsläufig viele Network-Marketing-Konzepte über den Weg, vor allem durch offensive Internet-Werbung.

Ich habe mir ein paar angeschaut, mich auch für ein paar entschieden und sie dann auch beworben – mit armseligem Erfolg. Und so wie mir ergeht es jeden Tag anderen Menschen, die glauben, mit Network-Marketing Geld zu verdienen und dabei gehörig auf die Nase fallen. Andererseits gibt es auch wirkliche Erfolgsstorys mit dieser Marketing-Strategie.

Doch woran liegt es, dass die meisten beim Aufbau ihrer erforderlichen Downline scheitern und einige wenige geradezu auf Network-Marketing schwören?
Bevor ich auf das Pro und Contra dieser Vertriebsform eingehe, steht am Anfang die Frage, was sich genau hinter Network-Marketing verbirgt. Hier eine kurze Erläuterung von MLM:

Was ist Network-Marketing?

Unter Network-Marketing – weitere Bezeichnungen dafür sind Multi-Level-Marketing (MLM), Empfehlungsmarketing oder Strukturvertrieb –  ist eine Vertriebsform zu verstehen, bei der ein Unternehmen seine Produkte über selbständige Vertriebspartner als Zwischenhändler an Kunden verkauft.

Meistens sind die zukünftigen Vertriebspartner zuerst Kunden und wechseln dann in den Vertriebspartnerstatus bzw. müssen selbst das zu vertreibende Produkt kaufen, um Vertriebspartner werden zu können.

Das Vertriebssystem baut sich aus einer strikt von oben nach unten vertikal verlaufenden Matrix auf. So muss man häufig drei weitere Vertriebspartner werben und diese wiederum drei, um seine Downline auf eine bestimmte Anzahl von Ebenen zu füllen. Der Vergütungsplan sieht meistens so aus, dass der Förderer bzw. Sponsor seiner unterstellten Vertriebspartner an deren Umsätze prozentual mitverdient.

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Natürlich wird es auf den unteren Ebenen immer schwieriger, Partner zu akquirieren, da irgendwann auch der Markt gesättigt ist.   Häufig wird Network-Marketing mit einem illegalen Schneeballsystem gleichgesetzt, was jedoch nicht korrekt ist. Ein Schneeballsystem ist eine illegale Variante des MLM, bei dem nur die Anwerbung neuer Partner oder Mitglieder im Vordergrund steht, das zu vertreibende Produkt oder die Dienstleistung existiert nicht.

Network-Marketing wird auch häufig über den Vergleich mit dem Direktvertrieb definiert. Beim Direktvertrieb werden Produkte von einem Hersteller direkt an den Endkunden verkauft, ohne Wiederverkäufer oder Zwischenhändler einzuschalten. Beim Network-Marketing hingegen erfolgt der Verkauf über selbständige Berater. Außerdem werden Network-Marketing-Vertriebspartner erst bei erfolgreichem Verkauf bezahlt, während Direktvertriebler in jedem Fall einen Lohn erhalten.

Erfolgreiches Network-Marketing beinhaltet auch erfolgreiches Teamwork. Jeder Vertriebspartner unterstützt seine Strukur oder Downline, so gut er kann. Denn der Erfolg der anderen im Netzwerk ist auch sein eigener. Meistens werden neue Partner mithilfe von Online-Präsentationen und -Schulungen gewonnen und weitergebildet.

Außerdem bieten viele Network-Marketing-Konzepte ihren Vertrieblern Tools wie Websites, Downloadbereiche mit Werbebannern, vorgefertigten E-Mail-Texten oder Vorführungsmaterial an. Die im Network-Marketing vertriebenen Produkte sind vor allem Vitamin- und Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetik, Schmuck, Textilien, Telekommunikation und Reisen.

Die Vor- und Nachteile von Network-Marketing

Pro/Vorteile:

1. Geringe Investitionen: Beim Network-Marketing kann man sein eigenes Geschäft mit minimalem finanziellen Aufwand eröffnen. Je nach Firma liegt dieser Aufwand zwischen nur wenigen Euros und einem vierstelligen Betrag. Diese Kosten machen nur ein Bruchteil der Kosten für ein Geschäft im klassischen Sinne aus. Network-Marketing bietet also eine einfache wie risikoarme Möglichkeit, sich selbständig zu machen.

2. Nebenberuflicher Einstieg: Sie können diese Tätigkeit anfangs auch nebenberuflich ausüben neben Ihrem eigentlichen Beruf. So können Sie ohne finanziellen Druck feststellen, ob Sie für einen solchen Vertriebsjob im Hauptberuf überhaupt geeignet sind.

3. Bekanntenkreis involvieren:  Von Vorteil ist auch ein großer Bekanntenkreis und ein gut funktionierendes Netzwerk von Kollegen und Freunden. Dann können Sie Ihre ersten Vertriebspartner aus dem nächsten Umfeld akquirieren, was mit Sicherheit einfacher ist, als die „kalte“ Kundengewinnung. Außerdem können Sie für Ihre zukünftige Werbe- und Verkaufstätigkeit wertvolle Erfahrungen bezüglich Kundengewinnung sammeln.

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4. Verdienstmöglichkeiten: Erfolgreiche Network-Marketing-Mitarbeiter in der mittleren Ebene, die 100 bis 500 Vertriebspartner in ihrer Downline stehen haben, sollen mitunter sechsstellige Brutto-Jahreseinkommen erzielen. Realistisch ist allerdings deutlich weniger.

5. Große Erfolgsaussichten beim Start eines MLM: Wenn Sie bei einem neuen MLM von Anfang an dabei sind, haben Sie die größten Chancen auf einen guten Verdienst, da die Vertriebsstruktur erst aufgebaut werden muss und die Partnergewinnung in dieser Phase am einfachsten ist.

Contra/Nachteile:

1. Unterschätzter Zeitfaktor: Wer in einem Network-Marketing erfolgreich sein will, der sollte den dafür erforderlichen Zeitaufwand nicht unterschätzen. Und hier liegt auch der Misserfolg vieler begraben: Denn die meisten MLM-Neueinsteiger denken, wenn sie täglich zwei bis drei Stunden in ihre Tätigkeit investierten, können sie schon erfolgreich sein. Diese Einstellung geht völlig an der Realität vorbei.

Wenn Sie richtigen Erfolg haben wollen, müssen Sie mindestens soviel Zeit in das MLM-Geschäft einbringen, wie Sie es als Arbeitnehmer tun, und das sind wenigstens 40 Stunden pro Woche. Außerdem sollten Sie sich auf höchstens zwei Strukturvertriebe konzentrieren und sich nicht in zehn oder noch mehr Network-Marketing-Konzepten zerreiben. So verdienen Sie meistens gar nichts.

2. Belästigung von Freunden und Bekannten: Häufig werden persönliche Vertrauensverhältnisse ausgenutzt, um die Produkte an den Mann zu bringen. Das kann zu einer Belastung innerhalb des Bekannten- oder Freundeskreises führen.

3. Mangelnde Fachkenntnisse: Viele, die ins MLM einsteigen, verfügen nicht über notwendige kaufmännische Kenntnisse oder das erforderliche Verkaufstalent. Aber damit steht und fällt der Erfolg auch im Strukturvertrieb. Denn schließlich werden Waren verkauft.

4. Schlechtes Image von MLM: Auch für den Misserfolg vieler Strukturvertriebe verantwortlich ist das generell schlechte Image von MLM in der Bevölkerung. Dazu trägt auch die verschwommene und oft nicht näher beschriebene Werbung für solche Tätigkeiten bei. Geworben wird häufig mit Formulierungen wie „Selbständige Arbeit von zu Hause“, „Hohes Einkommen bei freier Zeiteinteilung“ usw. Gleichzeitig werden übertriebene und teils unrealistische Gehaltsversprechungen gemacht.

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5. Undurchsichtigkeit des Struktur- oder Matrixaufbaus: Selten hat man als MLM-Mitarbeiter Einsicht, auf welcher Ebene der Struktur oder Matrix man sich befindet und wie viele Vertriebspartner in dem Konzept schon vorhanden sind. Und je mehr Mitarbeiter ein MLM hat, desto schwieriger wird die Gewinnung von neuen Partnern, da irgendwann der Markt gesättigt ist.

6. Kein regelmäßiger Verdienst: Sie verdienen erst Geld, wenn Sie weitere Kunden bzw. Mitarbeiter für den Vertrieb geworben haben. Das heißt, Sie müssen auch sehr viel unbezahlte Arbeitsstunden in diese Tätigkeit einbringen, ohne zu wissen, ob der Erfolg auch wirklich kommt.

Fazit

Man kann Network-Marketing-Konzepte nicht von Anfang an schlecht machen. Mit Sicherheit lässt sich damit Geld verdienen. Allerdings muss sich auch bei den Mitarbeitern die lasche Erwartungshaltung, es hier mit einem lockeren Job zu tun zu haben, ändern.

Manche MLM sind allerdings schlecht konzipiert, da sie nur auf Vertriebsaufbau ausgerichtet sind und sich nicht ausgiebig um die Endkundengewinnung bemühen, was letztendlich das Ziel eines jeden erfolgreichen Geschäftes sein sollte. Daher kann ich nur raten, sich jedes Konzept genau anzuschauen.

Wichtig sind auch die Produktqualität und die Verkaufsmethoden in dieser Vertriebsart.  Empfiehlt man gute Ware weiter, ist das schon der halbe Erfolg.