Wenn du dich selbst­stän­dig machst, aber zuvor ange­stellt warst, bist du bei der Grün­dung noch längst nicht im Chef-Modus. Das kann für dein Unter­neh­men gefähr­lich sein, denn um wie ein Unter­neh­mer zu han­deln, musst du zuerst ler­nen, wie einer zu den­ken und zu füh­len. Wel­che Schrit­te dazu nötig sind, erfährst du hier.


Ein Unter­neh­mer ist eine vage Gestalt, die defi­ni­tiv einen star­ken Wil­len hat. Ein gro­ßes Ego und einen sehr hohen Grad auch an men­ta­ler Selbst­stän­dig­keit.

Eben ein klas­si­scher Hol­ly­wood-Boss wie Jor­dan Bel­fort aus „The Wolf of Wall Street“, Roger Ster­ling aus „Mad Men“, Dia­na Chris­ten­sen aus „Net­work“ oder für Sei­fen­oper-Fans Bene­dikt Huber aus „Unter uns“.

Nun fra­ge dich selbst: Wür­dest du sagen, dass dein unter­neh­me­ri­scher Cha­rak­ter mit die­sen Men­schen ver­gleich­bar ist? Falls du ehr­lich bist, wird die Ant­wort Nein lau­ten.

Das muss sie auch. Denn das Unter­neh­mer-Mind­set bekommt man als Ange­stell­ter prak­tisch nicht mit, hat höchs­tens Grund­la­gen. Um es voll­stän­dig zu erlan­gen, muss man aktiv arbei­ten. Das ist ein lan­ger Pro­zess, je nach­dem, wie sehr man zuvor in einer Ange­stell­ten-Hal­tung ver­haf­tet war.

Aber all die­se Schrit­te sind not­wen­dig. Denn Unter­neh­mer zu sein bedeu­tet Anfüh­rer zu sein, egal wie ver­rückt das Geschäfts­mo­dell auch sein mag, egal wie hart die Zei­ten sind. Nur ein ech­ter Anfüh­rer hat das, was not­wen­dig ist, um ein Unter­neh­mens-Schiff ohne Hil­fe durch jedes Fahr­was­ser zu len­ken.

#1 Such dir ein Vorbild

Von erfolg­rei­chen Anfüh­rern ler­nen heißt sie­gen ler­nen. Denn so unter­schied­li­che Per­sön­lich­kei­ten alle CEOs auch sein mögen. Sie eint, dass sie Unter­neh­mer-Den­ken in Per­fek­ti­on beherr­schen.

Der ers­te Schritt ist einer, den sowie­so vie­le auf dem Weg zur Selbst­stän­dig­keit gehen (aber eben längst nicht alle und nicht in not­wen­di­ger Tie­fe): Sie schau­en sich Chefs an.

Die meis­ten neh­men dafür die ganz gro­ßen CEOs wie Lar­ry Page, Elon Musk oder Mark Zucker­berg.

So, wie berühm­te Musi­ker nicht unbe­dingt die bes­ten Nach­wuchs-Vor­bil­der sind, ver­hält es sich auch im Geschäfts­be­reich, denn Macht allein ist noch kein Maß­stab.

Tat­säch­lich gibt es eine Rei­he von weni­ger breit bekann­ten, jedoch als Vor­bild-Unter­neh­mer taug­li­che­ren Per­sön­lich­kei­ten. Die fin­den sich nicht nur im Busi­ness, son­dern über­all, wo Füh­rer­qua­li­tä­ten not­wen­dig sind, auch im Mili­tär und im Sport:

  • Bengt Anders­son, Hus­q­var­na
  • Anders Dah­l­vig, Ikea
  • Jamie Dimon, JPMor­gan
  • Richard Win­ters, US-Armee
  • Jean­ne d’Arc, Frank­reich
  • „Ches­ty“ Pul­ler, US-Armee
  • Vin­ce Lom­bar­di, Green Bay Packers
  • Sepp Her­ber­ger, DFB-Natio­nal­elf
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Deren Bio­gra­phien und Füh­rungs­sti­le soll­te man sich sehr genau anschau­en. Denn sie sind davon geprägt, dass sie außer­or­dent­lich ergeb­nis­ori­en­tiert han­deln, ohne dass dar­un­ter ande­re Fak­to­ren lei­den.

Aller­dings: Vor­bil­der zu haben ist eines. Für Erfolg muss man jedoch Eigen­stän­dig­keit bewah­ren. Sich inspi­rie­ren las­sen ist rich­tig, 1:1‑Abkupfern nicht.

#2 Weg mit finanziellem Konservatismus

Wir alle haben gelernt, dass man mit Geld vor­sich­tig umge­hen muss und man am bes­ten gar kei­ne Risi­ken ein­ge­hen soll­te.

Ganz falsch ist das nicht. Aber ech­tes Unter­neh­mer-Den­ken bedingt, dass man sich frei­macht von dem Gedan­ken, dass „mit Geld spie­len“ oder „Geld von ande­ren lei­hen“ per se etwas Unmoralisches/​Negatives sei.

Im Gegen­teil, Geld ist zen­tra­ler Dreh- und Angel­punkt der Selbst­stän­dig­keit. Nur wenn das Geld vor­han­den ist, funk­tio­niert das Geschäft.

Das fängt schon am Anfang an: Man muss sich Geld lei­hen, um etwas auf die Bei­ne zu stel­len und so unter­schied­li­che Optio­nen man da auch hat, sie alle sind taug­lich und vor allem not­wen­dig, denn so viel haben die wenigs­ten auf dem Kon­to.

Die­ses Den­ken zieht sich auch noch wei­ter. Damit ein Unter­neh­men wach­sen kann, muss man inves­tie­ren, muss finan­zi­el­le Wag­nis­se ein­ge­hen, viel­leicht noch mehr lei­hen. Din­ge, bei denen einen kon­ser­va­tiv-finan­zi­el­les Ange­stell­ten­den­ken hem­men wird.

All das funk­tio­niert nur, wenn man lernt, finan­zi­ell ergeb­nis­ori­en­tiert zu den­ken; weder aus­schließ­lich kon­ser­va­tiv noch pro­gres­siv. Geld ist ein Werk­zeug, das man nut­zen muss. Hat man Angst davor, ergreift man es nicht.

#3 Ein Stückchen Egoismus

„Ein Ego­ist ist ein unfei­ner Mensch, der für sich mehr Inter­es­se hat als für mich“

So for­mu­lier­te es US-Schrift­stel­ler Ambro­se Bier­ce vor über hun­dert Jah­ren. Aller­dings hat­te er dabei wohl nicht die Geschäfts­welt im Kopf. Da gilt der Spruch, dass Busi­ness ein regel­rech­tes Hai­fisch­be­cken ist.

Das mag zwar kon­trär zu allem ste­hen, was wir über Mit­mensch­lich­keit gelernt haben. Aber Tat­sa­che ist, ein Unter­neh­mer benö­tigt eine gute Por­ti­on Ego­is­mus.

Sie ist unab­ding­bar, denn die Kon­kur­renz wird alles ver­su­chen, einen selbst aus­zu­ste­chen, weil auch sie ego­is­tisch denkt. Nur wer lernt, sein Unter­neh­men auch men­tal an obers­ter Stel­le zu posi­tio­nie­ren, wird Erfolg haben.

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Natür­lich gibt es aus huma­nis­ti­scher Sicht vie­les, was gegen hem­mungs­lo­sen Busi­ness-Ego­is­mus spricht. Man muss es nicht über­trei­ben.

Aber Basis soll­te sein, dass man nichts tut, das ande­ren mehr nützt als einem selbst und immer erst sei­nem eige­nen Geschäft Vor­tei­le ver­schafft, bevor man an ande­re denkt.

#4 Niemals vollständig zufrieden sein

Stel­len wir uns kurz vor, dass das Unter­neh­men gut läuft. Kun­den sind vor­han­den, regel­mä­ßi­ge Auf­trä­ge eben­falls.

Der Ange­stell­te in uns wür­de sich höchst­wahr­schein­lich zufrie­den zurück­leh­nen: „Never chan­ge a win­ning Team“, um ein wei­te­res Sprich­wort zu bemü­hen.

Das mag, wenn man selbst nicht die Zügel über Wohl und Wehe hält, tat­säch­lich die bes­te Opti­on sein. Doch wer nach oben will, darf nicht ste­hen­blei­ben, weder beim Berg­wan­dern noch bei der Füh­rung einer Fir­ma.

An die­sem Punkt passt einer der gro­ßen CEOs als sehr gutes Bei­spiel. Denn Elon Musk hät­te an zahl­rei­chen Sta­tio­nen sei­ner Kar­rie­re allen Grund gehabt, die Hän­de in den Schoß zu legen, sich ein Haus in der Kari­bik zu kau­fen, nie wie­der einen Fin­ger zu rüh­ren:

  1. 1999, als er sein ers­tes Start-up Zip2 für 307 Mil­lio­nen Dol­lar ver­kauf­te, wovon ihm allein 22 Mil­lio­nen zuflos­sen
  2. 2002, als eBay Musks Fir­ma PayPal für 1,5 Mil­li­ar­den kauf­te und er 165 Mil­lio­nen bekam
  3. 2006 als die NASA SpaceX einen 1,6‑Milliarden-Auftrag bescher­te
  4. 2016, als Musks Antei­le an SpaceX auf 54% der Akti­en anstie­gen

Immer wie­der hät­te er sagen kön­nen „so, das wars, genug Geld für ein Leben ver­dient“. Doch Musk tat, was erfolg­rei­che Unter­neh­mer aus­macht: Er blieb hung­rig, ruh­te sich nie­mals auf sei­nen Lor­bee­ren aus.

Selbst im kleins­ten Start-up soll­te man das anstre­ben. Nie­mals still­ste­hen, immer nach Wachs­tum grei­fen und sei es noch so klein.

­#5 Sein eigener Chef sein. In beiderlei Hinsicht

Die­se Zwi­schen­über­schrift ist das Kli­schee für Selbst­stän­dig­keit: Man ist sein eige­ner Chef. Kei­ner (außer der Staat mit sei­nen zahl­rei­chen Geset­zen zwi­schen DSGVO und Steu­er­recht) kann einem vor­schrei­ben, wie man etwas wann zu tun hat.

Die abso­lu­te Frei­heit: Vie­le ver­ges­sen, dass mit gro­ßer Frei­heit auch gro­ße Ver­ant­wor­tung ein­her­geht. Eigen­ver­ant­wor­tung, um genau zu sein.

Sein eige­ner Chef zu sein bedeu­tet die Abwe­sen­heit einer befehls­ge­ben­den Instanz. Das heißt aber noch lan­ge nicht, dass man dar­auf ver­zich­ten kann, nur man muss sich jetzt die Befeh­le selbst ertei­len.

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Bedeu­tet, man muss in der Lage sein:

  1. Sich gene­rell selbst zum Arbei­ten zu moti­vie­ren
  2. Zu ler­nen, wich­ti­ge von weni­ger wich­ti­gen Arbei­ten zu unter­schei­den
  3. Erken­nen zu kön­nen, wann die eige­ne Belas­tungs­gren­ze erreicht ist, dar­an hapert es bei vie­len Grün­dern, die sich so in Bur­nout-Gefahr bege­ben
  4. Auch mal nein zu sagen und auf den Tisch zu hau­en

Vor allem der letz­te Punkt bedarf einer etwas genaue­ren Erklä­rung, wes­halb er ein geson­der­tes Kapi­tel in die­sem Arti­kel erhält.

Erst wenn man bei­de Sei­ten der Chef-Medail­le als natür­lich akzep­tiert, ist man wirk­lich sein eige­ner Chef.

#6 Lernen, auch mal auf den Tisch zu schlagen

Als Ange­stell­ter muss man das, was einem von oben vor­ge­setzt wird, schlu­cken, sonst bekommt man Pro­ble­me bis hin­auf zu Abmah­nung und Co.

Als Selbst­stän­di­ger hin­ge­gen hat man nicht nur die theo­re­ti­sche Frei­heit, Din­ge auch mal abzu­leh­nen (und damit sind nicht nur Auf­trä­ge gemeint), son­dern man muss es tun.

  • Schon im ers­ten Grün­dungs­jahr wer­den tau­sen­de Din­ge auf einen ein­pras­seln, die einem ver­spre­chen, das Unter­neh­men bes­ser zu machen. In Wahr­heit wol­len vie­le nur Geld, ohne einem wirk­lich zu nut­zen.
  • Man wird auf Kun­den tref­fen, die unend­lich anstren­gen und dabei nicht ein­mal ein ent­spre­chen­des Auf­trags­vo­lu­men hin­ter­las­sen, das ein sol­ches Ver­hal­ten ent­schul­di­gen könn­te.
  • Es wer­den Men­schen auf­tau­chen, die einem das ver­nei­nen wol­len, was einem recht­lich zusteht oder einem dabei zumin­dest Stei­ne in den Weg legen

An dem Punkt ist es oft genug not­wen­dig, sei­ne aner­zo­ge­ne Ange­stell­ten-Ser­vi­li­tät bei­sei­te zu schie­ben. Manch­mal benö­tigt es ein­fach ein glas­kla­res „Nein!“.

Auch wenn vie­le Busi­ness-Rat­ge­ber Höf­lich­keit gegen­über jedem als obers­tes Gebot anra­ten, so hat alles sei­ne Gren­ze und die ist da erreicht, wo Höf­lich­keit nicht in mehr Geld, mehr Erfolg fürs Busi­ness resul­tiert, son­dern viel­leicht sogar das Gegen­teil zur Fol­ge hät­te.

(Bild­quel­le Arti­kel­an­fang: © ASDF /Fotolia.com)