Im nächsten Jahr steht eine Neuregelung der Umsatzsteuer an. Diese Regelung betrifft aber nur den Verkauf von elektronischen Dienstleistungen für Privatkunden im europäischen Ausland.


Man kann also vorab sagen, dass wahrscheinlich (noch) nicht allzu viele Selbständige von dem sogenannten Mini-One-Stop-Shop betroffen sein werden, aber manche wohl schon und es dürften im Laufe der nächsten Jahre immer mehr werden. Auf diese Umsatzsteuer-Neuregelung gehe ich nun näher ein.

Wer ist von der Mini-One-Stop-Shop-Regelung (MOSS) betroffen?

Von MOSS betroffen sind die Selbständigen und Unternehmen, die digitale bzw. elektronische Dienstleistungen an Privatkunden im EU-Ausland verkaufen.

Zu den digitalen bzw. elektronischen Dienstleistungen gehören vor allem:

  • Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen
  • Verkauf und Bereitstellung von Software und deren Updates
  • Bereitstellung von Websites, Webhosting, Fernwartung von Programmen
  • Bereitstellung von Bildern (also Download von Fotos, Grafiken und Videos)
  • Bereitstellung von Texten sowie Informationen wie E-Books
  • Bereitstellung von Musik und Hörbüchern
  • Bereitstellung von Filmen und Spielen, dazu gehören auch Glückspiele und Lotterien
  • Erbringung von Fernunterrichtsleistungen wie Webinare

– also ganz konkret Musik, Hörbücher, Apps, Software und SaaS-Software, Online-Spiele und die allseits beliebten E-Books, die auf elektronischem Weg wie Download oder Streaming verkauft werden.

Denn die Neuregelung sieht so aus, dass ab Januar 2015 der Wohnsitz des Kunden als Ort der Leistungserbringung gilt, sodass die abzuführende Umsatzsteuer sich nach dem Umsatzsteuersatz des Bestimmungslandes richtet. Und dieser Steuersatz kann sich vom deutschen mit 19 Prozent in manchen Ländern ganz deutlich unterscheiden.

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So erhebt Ungarn beispielsweise 27 Prozent Mehrwertsteuer, viele andere EU-Staaten liegen auch bei über 20 Prozent, hingegen verlangt Luxemburg nur 3 Prozent Mehrwertsteuer. Diese Zahlen sollte man im Kopf haben, wenn man seine Preise für die digitalen Produkte festsetzt.

Kauft also ein Däne auf einer Plattform in Deutschland ein E-Book, fällt dafür eine Umsatzsteuer von 25 Prozent an. Diese Änderung wird wohl generell dazu führen, dass digitale Produkte insgesamt etwas teurer werden, denn europaweit agierende Online-Händler müssen ihre Kalkulationen anpassen, was mit Sicherheit einen Preisanstieg zur Folge hat.

Grund für diese Gesetzesänderung ist die Vorteilnahme von einigen Großunternehmen wie Amazon, die ihren Firmensitz in ein Land mit günstigen Steuersätzen legen: Amazon hat seinen offiziellen Sitz in Luxemburg, wo nur 3 Prozent Mehrwertsteuer erhoben werden.

Mit der Neuregelung sollen gerechtere Besteuerungen anfallen und den nationalen Haushalten stabile Einnahmen bringen.

Inländische Meldestelle für die ausländische Umsatzsteuerpflicht: MOSS oder kleine einzige Anlaufstelle (keA)

Tritt also ab Januar 2015 die Neuregelung in Kraft, müsste die anfallende Umsatzsteuer immer an das Finanzamt des EU-Staates gemeldet und gezahlt werden, an dem der Privatkunde seinen Wohnsitz hat. Wenn man bedenkt, dass dieser Schritt in der EU mit bis zu 28 verschiedenen Meldepflichten an den jeweiligen Finanzbehörden verbunden ist, wird einem schnell die Überforderung von kleinen Unternehmen oder Selbständigen klar.

Aus diesem Grund wird in jedem EU-Mitgliedsstaat eine zentrale Meldestelle eingerichtet, der sogenannte Mini-One-Stop-Shop (abgekürzt: MOSS), wo die Unternehmen des jeweiligen Landes in einer gesonderten Steueranmeldung ihre europaweiten digitalen Umsätze mit Privatkunden anmelden können. An die Stelle werden auch die Umsatzsteuern abgeführt. Wer an diesem Verfahren teilnimmt, braucht sich nicht in den Verbrauchsländern registrieren zu lassen.

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Die Meldestelle, die auch „kleine einzige Anlaufstelle“ (keA) genannt wird, leitet die Meldungen und Umsatzsteuerzahlungen an die Finanzbehörden der anderen EU-Staaten weiter. Der MOSS in Deutschland wird vom Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) betrieben.

Für deutsche Unternehmer gilt: Die gesonderte Steueranmeldung muss bis zum 20. Tag nach Quartalsende an das BZSt übermittelt werden, der erste MOSS-Meldetermin ist damit der 20. April 2015. Wer von dieser Neuregelung betroffen ist, kann sich seit Anfang Oktober 2014 beim BZSt in dessen Online-Portal (ElsterOnline-Portal) registrieren. Die Anmeldung beim Mini-One-Stop-Shop ist freiwillig.

Noch wichtig zu erwähnen: Im Gegensatz zu den Zusammenfassenden Meldungen (über grenzüberschreitende Dienstleistungen und Lieferungen an ausländische Unternehmen) muss man eine MOSS-Meldung auch dann einreichen, wenn man im vorangegangenen Quartal keine meldepflichtigen Umsätze erzielt hat („Nullmeldung“).

Daher empfiehlt es sich für all die Unternehmen und Selbständige, die noch keine digitalen Leistungen an Privatkunden im EU-Ausland erbracht haben, mit der Registrierung zu warten, bis solche Umsatzsteuerzahlungen wirklich anfallen. Dann kann man die Anmeldung immer noch nachholen.

Großer Aufwand für Online-Händler

Wer einen Online-Shop betreibt und auch digitale Waren direkt an Endkunden verkauft, steht großen Auswirkungen dieser Neuregelung gegenüber:

Neben der Anmeldung beim MOSS muss auch das Shopsystem dementsprechend angepasst werden, um die verschiedenen Steuersätze zu berechnen und korrekte Bruttopreise anzuzeigen. Da sind wieder mal die Hersteller der verschiedenen Shopsysteme gefragt, um entsprechende Anpassungen bzw. Updates ihren Kunden anzubieten.

Auch Rechnungen müssen bezüglich der unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze angepasst werden.

Fazit

Da kommt nach SEPA auf so manche Online-Händler und Selbständige mal wieder ein dicker Hammer zu. Bin mal gespannt, wie schnell die Umsetzung erfolgt, denn der 1. Januar 2015 ist nicht mehr weit.

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Auch wenn für Unternehmer im B2B-Bereich immer noch das sogenannte Reverse-Charge-Verfahren gilt: Es werden ja immer mehr digitale Produkte an private Endverbraucher verkauft und das über alle nationalen Grenzen hinweg, sodass von der Regelung sicherlich mehr Händler, Selbständige und Unternehmen betroffen sind, als man zunächst denkt.

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