Crowdinvesting für Freiberufler – Interview mit den Gründern von Quantity Investment

/Crowdinvesting für Freiberufler – Interview mit den Gründern von Quantity Investment

Crowdinvesting für Freiberufler – Interview mit den Gründern von Quantity Investment

Frankfurt am Main – ich bin heute zu Gast bei Soraya Braun und Lorenz Beimler. Sie sind die Gründer von Quantity Investment und werden erstmals in Deutschland eine Crowdinvesting-Plattform für Freiberufler anbieten.

Das Start-up befindet sich noch in einer frühen Phase und aktuell sammeln die beiden Gründer, ebenfalls über eine Art persönliches Crowdinvesting, Startkapital für die Umsetzung ihrer Idee.

Crowdfunding bzw. Crowdinvesting – was ist das eigentlich genau?

Soraya Braun: Das Thema hat schon einen besonderen Status in Deutschland. Viele haben irgendwie davon gehört und wenige wissen genau, was dahintersteckt.

Das liegt vordergründig an der Fülle an verschiedenen Definitionen und der sehr komplizierten rechtlichen Lage in Deutschland. Das Konzept ist aber gar nicht so kompliziert, wie es oft aussieht.

Beim Crowdfunding gibt es immer 3 Parteien. Geldnehmer, Geldgeber und ein Vermittler in Form einer Online-Plattform. Dabei bleibt eines immer gleich: Ein Geldnehmer (das kann eine Person oder auch ein Unternehmen sein) braucht Finanzmittel für ein Projekt jeglicher Art.

Dieses Projekt präsentiert er auf einer Crowdfunding-Plattform. So wird sein Projekt durch das Internet theoretisch für jeden sichtbar. Über die Plattform können ab diesem Zeitpunkt Geldgeber mit wenigen Klicks und üblichen Zahlungsmethoden (Kreditkarte, PayPal, etc.) das Projekt finanzieren.

Jetzt stellt sich eine wichtige Frage: Was bekommt der Geldgeber für seine Investition zurück? Und genau hier beginnt die Kategorisierung von Crowdfunding. Crowdfunding ist nur ein Überbegriff.

Lorenz Beimler: Crowdfunding teilt sich in 4 Kategorien ein: Crowddonating, Crowdsponsoring, Crowdlending und Crowdinvesting.

All diese Formen unterscheiden sich nur darin, „was“ für die Investition zurückfließt, also welche Belohnung der Investor erhält.

Beim Crowddonating fließt nichts zurück. Es handelt sich hierbei um ein Spendenmodell und dient primär sozialen Projekten. Beim Crowdsponsoring fließen materielle und immaterielle Güter zurück, jedoch keine Geldmittel.

Der Investor erhält z.B. ein T-Shirt oder eine namentliche Erwähnung in einem Buch (z.B. wenn ein Autor Gelder sammelt). Beim Crowdlending und Crowdinvesting fließen Gelder inklusive Zinsen zurück.

Der Unterschied zwischen Crowdlending und Crowdinvesting liegt darin, dass beim Crowdlending der Kredit von einer Bank vergeben wird und der Investor eine Forderung kauft. Beim Crowdinvesting wird ein direktes Nachrangdarlehen vergeben.

Leider kann man die Unterscheidung und Definition von Crowdlending und Crowdinvesting nicht in wenige Worte zusammenfassen. Hier muss auch immer die aktuelle rechtliche Lage beachtet werden. Wer daran Interesse hat, kann gerne einen Blick in unseren Blog werfen: http://www.quantity-investment.de/blog/

Lesen  September-Ausgabe von INTERNETHANDEL: Internethandel.de enthüllt das Zalando-Geheimnis

Was ist neu an Crowdinvesting für Freiberufler?

Soraya Braun: Freiberufler sind z.B. Ärzte, Juristen, Architekten, Ingenieure, Hebammen, Steuerberater und viele weitere, die ihren Beruf selbstständig ausüben. Die Definition „Freiberufler“ kommt aus dem Steuerrecht.

Freiberufler müssen keine Gewerbesteuer zahlen und dürfen ihren steuerlichen Gewinn über eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln. Dies ist wesentlich günstiger als eine doppelte Buchführung nach HGB-Vorschriften.

Der Staat möchte damit Menschen animieren, wissenschaftliche, künstlerische, unterrichtende oder erziehende Tätigkeiten selbstständig auszuüben, da diese einen gesellschaftlichen Mehrwert bringen.

Bei den Freiberuflern handelt es sich somit um hoch qualifizierte Menschen.

Lorenz Beimler: Aber auch hoch qualifizierte Menschen stehen meist vor der Hürde Finanzierung. Das Problem liegt in der immer strengeren Kreditvergabe von Banken. Freiberufler gründen kein Unternehmen, sondern agieren als Privatperson.

Möchte ein zukünftiger Freiberufler einen Kredit, so wird die Bank eine personenabhängige Bonitätsprüfung durchführen, d.h. es sind Sicherheiten, Eigenkapital usw. erforderlich.

Diese Bonität können viele z.B. nach einem langen und kostenintensiven Studium nicht erbringen. Die fachliche Qualifikation spielt bei einer standardisierten Bonitätsprüfung keine bzw. fast keine Rolle.

Wir haben evaluiert, dass jährlich ca. 20.000 Freiberufler Finanzierungsschwierigkeiten haben. Der durchschnittliche Kapitalbedarf besteht bei 35.000 €. Daraus resultiert ein Marktvolumen von 700 Millionen Euro (Quelle: KFW, IfM Bonn).

Soraya Braun: Mit einem Crowdinvesting für Freiberufler finden diese Berufsgruppen endlich eine alternative Finanzierungsform, da Crowdfunding bisher noch nicht speziell auf Freiberufler ausgerichtet ist.

Für die Investoren ergibt sich dadurch auch eine völlig neue Anlageform. Crowdfunding war bisher immer etwas verrückt. Entweder man setzte auf abgefahrene Produkte oder auf innovative Start-ups, in der Hoffnung, in das neue Facebook investiert zu haben. Die Ausfallquoten sind bisher relativ hoch.

Anders bei Freiberuflern: Hierbei handelt es sich um eine äußerst bodenständige Zielgruppe. Das belegen auch die Insolvenzquoten des statistischen Bundesamtes. Diese sind bei den Freiberuflern am niedrigsten.

Bei uns werden Investoren in funktionierende Geschäftskonzepte investieren, erhalten dafür eine überdurchschnittliche Verzinsung und fördern damit gesellschaftlich wertvolle Berufe.

Lorenz Beimler: Ein Crowdinvesting speziell für Freiberufler ist einzigartig in Deutschland und wir sind die ersten, die das anbieten werden.

Wie verdient man als Plattformbetreiber Geld?

Lorenz Beimler: Die Betreiber der Plattform erhalten eine Provision. Aber nur wenn das Projekt erfolgreich finanziert wurde. Finden sich zu wenige Investoren, so erhalten die bisherigen Investoren ihr Geld zu 100% zurück. Auch für den Freiberufler fallen bei nicht erfolgreicher Finanzierung keine Kosten an.

Lesen  November-Ausgabe von INTERNETHANDEL: Geklonte Geschäftsideen - Copycats: Gut kopiert ist halb gewonnen

Kann jeder eine Crowdfunding-Plattform betreiben?

Soraya Braun: Beim Crowddonating und Crowdsponsoring ja. Bei den Modellen wo Geld zurück fließt (Crowdinvesting und Crowdlending), handelt es sich um eine Vermittlung von Finanzinstrumenten. Hier beginnt ein äußerst sensibler und komplizierter Rechtsbereich.

In der Regel müssen Plattformbetreiber Lizenzen vorweisen, wie z.B. eine Erlaubnis nach §34f Nr. 3 GewO.

Keiner sollte daher, ohne umfassende Rechtsberatung eines Spezialisten für Kapitalmarktrecht, Crowdlending oder Crowdinvesting im eigenen Ermessen durchführen. Die Strafen, die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) verhängt werden können, sind sehr hoch.

Seit der Finanzkrise sind die Gesetze zur Erbringung von Finanzdienstleistungen extrem streng. Das ist auch gut so! Man ahnt nur nicht, wie schnell man eine Finanzdienstleistung erbringt.

Hat das Auswirkungen auf Partnerprogramme, z.B. Affiliate-Marketing?

Lorenz Beimler: Ja, unbedingt! Wenn auch hier wieder nur für die Fälle Crowdlending und Crowdinvesting. Man darf als normaler Webseitenbetreiber eine Crowdlending/investing-Plattform bewerben und verlinken.

Was nicht geht, ist das Bewerben eines konkreten Angebotes der Plattform, also z.B. eines der aktuell laufenden Projekte. Denn das wäre wieder eine Vermittlung, was wiederrum eine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung ist.

Wie beschreiben Sie Ihre Gründung?

Soraya Braun: Intensiv, sehr zeitaufwendig und voller Hürden. Es muss endlich eine Alternative für Freiberufler geben und damit verwirkliche ich mir eine Vision.

Lorenz Beimler: Wie eine Achterbahn: zeitlich schnell ablaufende Hoch und Tiefs – und trotzdem macht es unglaublich Spaß.

Sie suchen Investoren für die Umsetzung – also ein Crowdinvesting, um Crowdinvesting zu machen. Ist das so richtig?

Lorenz Beimler: Das klingt etwas konfus, ist aber korrekt. Unsere Idee ist aus dem Studium herausgewachsen. Hierdurch hatten wir von Anfang an Zugriff auf ein professionelles Netzwerk. Dennoch hat die Planung beinahe 8 Monate gedauert. Vor allem das rechtliche Konstrukt und die IT-Struktur war sehr planungsintensiv.

Heute stehen wir hier mit einem gründlich ausgearbeiteten Geschäftskonzept und brauchen 650.000€ Startkapital. Dieses wird hauptsächlich für Programmierung und Marketing verwendet.

Soraya Braun: Ganz richtig. Daher bieten wir, ganz im Sinne unseres Geschäftskonzeptes, Investoren eine Geldanlage in unsere GmbH an. Diese wird verzinst. Zusätzlich gibt es noch eine feste Gewinnbeteiligung am Jahresüberschuss der Quantity Investment GmbH.

Lorenz Beimler: Der Zinssatz den wir anbieten, richtet sich an den Gründerdarlehen der KFW. Dieser liegt z.B. in der Ratingklasse I bei ca. 7,5% p.a. Die zusätzliche Gewinnbeteiligung dient als Anreiz, diese Geldanlage zu tätigen.

Lesen  Kredite für Selbständige - Privatkredite von smava oder auxmoney

Unser Angebot richtet sich somit an den gängigen Marktkonditionen für Gründerdarlehen. Die Rückzahlungsmodalitäten wurden in unserer Gewinn-und-Verlustrechnung mit Unterstützung eines professionellen Unternehmensberaters kaufmännisch kalkuliert.

Zumal ist die Gewinnbeteiligung fix, d.h. mit einem sogenannten Verwässerungsschutz.

Weitere Information findet man unter www.quantity-investment.de.

Welche Risiken bestehen für die Anleger?

Soraya Braun: Da der Anleger direkt in ein junges Start-up investiert, kann das Risiko grundsätzlich im unternehmerischen Erfolg definiert werden. Das Investment wächst und fällt mit dem Erfolg der Quantity Investment GmbH.

Um das Risiko eines unternehmerischen Misserfolgs möglichst minimal zu halten, haben wir in Zusammenarbeit mit vielen professionellen Helfern (Frankfurt University of Applied Sciences, Unternehmensberater, Juristen, etc.) unser Konzept ca. 8 Monate in allen relevanten Aspekten (Zielgruppe, Marketing, Finanzen, etc.) gründlich geplant und evaluiert.

Somit besteht, neben dem Risiko, auch eine realistische Chance.

Weiterhin erhalten alle potenziellen Investoren das vollständige Vertragswerk samt Exposé (Zusammenfassung Geschäftskonzept, GuV + Liquiditätsplan etc.) vorab. So kann sich jeder ein umfassendes Bild machen und dann entscheiden, ob man sein Portfolio mit unserer Vermögensanlage weiter diversifizieren möchte.

Wofür werden die Gelder verwendet?

Lorenz Beimler: Ca. 40% für die Programmierung. Bei unserer Plattform handelt es sich nicht um eine statische Website, sondern um ein interaktives System mit Zahlungsverkehr und integrierten Rechtsprozessen. Das erfordert sehr viel Programmierleistung. Die restlichen 60% verteilen sich auf Personal, Betriebsmittel und Marketing. Wer nicht wirbt, stirbt!

Wo sehen Sie zukünftig die größten Herausforderungen für Quantity Investment?

Soraya Braun: Die größte Herausforderung besteht sicherlich in der technischen Umsetzung. Als Gründer bringt man viele Stärken, aber auch Schwächen in das Unternehmen ein. Hierdurch entsteht schon in der Gründungsphase eine Unternehmenskultur, nämlich diese, wie man mit den vorhandenen Stärken und Schwächen umgeht.

Wir haben uns vorgenommen, immer in den konstruktiven Dialog zu gehen und auch unsere Stärken zu überdenken. Eine Gründung als Einzelkämpfer (auch im Team) ist in unseren Augen suboptimal. Mit Offenheit und dem Übertragen von Verantwortungen auf das Team können wir auch die größte Herausforderung angehen

Lorenz Beimler: Und darauf freuen wir uns!

Herr Beimler, Frau Braun, ich danke Ihnen für dieses sehr informative Interview und wünsche Ihnen mit Ihrer Crowdinvesting-Plattform viel Erfolg!

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Twitter News