Private Altersvorsorge für selbständige Webworker – welche Möglichkeiten gibt es?

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Private Altersvorsorge für selbständige Webworker – welche Möglichkeiten gibt es?

Für die private Altersvorsorge aufzukommen, ist für jeden Selbständigen ein unattraktives und heikles Thema.


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Denn im Gegensatz zu Angestellten ist man als selbständig Tätiger nicht verpflichtet, eine private Rentenversicherung abzuschließen oder Mitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung zu sein.

Oft verdient man in den ersten Jahren seit seiner Existenzgründung nicht genug, um auch noch 300 bis 500 Euro monatlich für die private Altersvorsorge in eine Versicherung zahlen zu können. Doch diese „Freiheit“, sich für oder gegen eine Rentenversicherung entscheiden zu können, scheint bald der Vergangenheit anzugehören.

Schon 2012 erfuhr man, dass die Bundesregierung im Jahr 2013 eine verpflichtende Altersvorsorge für Selbständige einführen will. Doch dazu später mehr.

Zuvor stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten ein Selbständiger hat, um im Rentenalter über einen monatlichen Geldbetrag zur Bestreitung seines Lebensunterhalts zu verfügen.

Gesetzliche Rentenversicherung für Selbständige

Auch wenn man mit dem Eintritt in die Selbständigkeit nicht mehr verpflichtet ist, Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zu zahlen, so gibt es doch für Selbständige die Option, in die gesetzliche Rentenversicherung zurückzukehren.

Gerade für solche, die vor der Selbständigkeit einige Jahre als Angestellte/r regelmäßig Beiträge in diese Versicherung eingezahlt haben und die dadurch entstandenen Leistungsansprüche aufrecht erhalten wollen, ist es eine Überlegung wert.

Um freiwilliges Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung zu werden, müssen Selbständige innerhalb von fünf Jahren nach ihrer Existenzgründung ihre Versicherungspflicht mit einer Antragspflichtversicherung beantragen. Doch vor diesem Schritt sollte man genau überlegen, ob es erstrebenswert ist, in die GRV zurückzukehren. Denn ist man schließlich aufgenommen, kann man die gesetzliche Rentenversicherung nicht mehr verlassen. D. h. solange Sie selbständig sind, müssen Sie in der GRV bleiben.

Unflexible Monatsbeiträge für Selbständige in der GRV

Die Beitragsgestaltung sieht folgendermaßen aus: In den meisten Fällen müssen Sie einen festen monatlichen Betrag einzahlen, was mit Sicherheit ein Nachteil für Selbständige ist. 2012 lag der Regelbeitrag bei 514,50 Euro in den alten Bundesländern, bei 439,04 Euro in den neuen Bundesländern.

Sie können aber auch einen einkommensgerechten Beitrag zahlen (2012: 19,6 Prozent), falls Sie ein deutlich abweichendes Einkommen mit Ihrem letzten Einkommensteuerbescheid nachweisen können. Diese Beitragsoption, die sich nach Ihrem Einkommen richtet, müssen Sie also beantragen.

Wie man sieht, ist die Rückkehr in die GRV für Selbständige mit ein paar Fallstricken versehen. Daher sollte dieser Schritt gut durchdacht sein. Am besten informiert man sich in einem Beratungsgespräch über diese Möglichkeit, deren Vor- und Nachteile.

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Wichtige Beratungsadressen finden Sie auf der Website der deutschen Rentenversicherung.

Wer nicht wieder Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung werden will, für den gibt es andere Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge.

Private Rentenversicherung für Selbständige

Eine weitere Option ist der Abschluss einer privaten Rentenversicherung. Sie bietet vor allem flexible und individuelle Vertragsleistungen. So können Sie festlegen, ob Sie beim Renteneintritt eine monatliche Rente erhalten wollen, oder ob Sie lieber eine Einmalzahlung hätten.

Außerdem sind die Angaben zu den erwartenden finanziellen Leistungen im Ruhestand ziemlich genau. Sie wissen, was Sie an privater Rente erhalten und das, solange Sie leben.

Der garantierte Mindestzinssatz liegt momentan bei 2,5 Prozent. Da die meisten Versicherungsunternehmen während der Einzahlungsphase Überschüsse erzielen, können Sie auch mit einer Rendite von drei bis vier Prozent rechnen. Die private Rente wird in der Auszahlungsphase nur bis zu 18 Prozent versteuert, ganz gleich ob Sie noch nebenher was verdienen und wie hoch dieser Verdienst ausfällt.

Ein wichtiger Aspekt bei der PRV ist die Gestaltung des Versicherungsportfolios. Um eine möglichst hohe Rendite zu erreichen, sollte man gerade bei einem Versicherungsabschluss in jungen Jahren (unter 30) darauf achten, Aktien in das Portfolio aufzunehmen. Bei der Aktienquote empfiehlt es sich, nach dem Alter zu gehen. Je jünger man ist, desto höher kann der Anteil sein (Richtwert: 100 – Alter = empfehlenswerter Aktienanteil).

Ist man schon über 40 oder gar 50 Jahre alt, sollte man das Risiko herabsetzen, denn schließlich machen viele Aktien im Laufe der Jahre Tiefphasen durch, bevor sie wieder an Gewinn zulegen.

Für einen recht kurzen Anlagezeitraum von fünf bis acht Jahren lohnt es sich auch, Rohstoffe wie Gold und Silber zu seinen Anlagen hinzuzufügen.

Auch den Abschluss einer privaten Rentenversicherung gilt es genau zu überdenken, weil es gerade in dieser Versicherungssparte so viele unterschiedliche Produkte für die unterschiedlichsten Bedürfnisse gibt. Details sollte man mit einem unabhängigen Versicherungsexperten klären.

Weitere wissenswerte Begriffe zur PRV finden Sie hier.

Rürup-Rente für Selbständige

Die Rürup-Rente ist ebenfalls eine Altersvorsorge-Möglichkeit für selbständig Tätige. Dabei handelt es sich um eine kapitalgedeckte Alternative der privaten Rentenversicherung. Wer einen Rürup-Vertrag abschließt, kann sich ab dem 60. Lebensjahr monatlich einen Geldbetrag auszahlen lassen.

Im Gegensatz zur privaten Rentenversicherung gibt es hier nicht die Variante, statt der monatlichen Rente eine einmalige Auszahlung zu veranlassen (wegen der fehlenden Option des Kapitalwahlrechts).

Die eingezahlten Beiträge können Sie als Sonderausgaben steuerlich geltend machen (bis zu 20.000 Euro bei Alleinstehenden, bei Ehepaaren bis zu 40.000 Euro) – eine recht attraktive Regelung, denn dadurch verringert sich das zu versteuernde Einkommen und man zahlt weniger Steuern.

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Wer seine Selbständigkeit aufgibt (wegen Insolvenz oder anderer Gründe), verliert das angesparte Geld nicht, denn es ist vor Pfändungen geschützt. Auch in Zeiten der Arbeitslosigkeit oder gar Hartz IV ist man nicht dazu verpflichtet, das Kapital für seinen Lebensunterhalt einzusetzen.

Wer möchte, dass nach seinem Tod die Rürup-Rente auf die Familie übertragen wird, sollte in der Einzahlungsphase eine sogenannte Beitragsrückgewähr vereinbaren. Dadurch bekommt Ihre Familie eine Hinterbliebenenrente, falls Sie sterben.

Kommt die Rürup-Rente in die Auszahlungsphase, wird die Leistung bis zu 66 Prozent besteuert (ab 2013). Ab dem Jahr 2040 erfolgt schließlich die volle Besteuerung der Rürup-Rente.

Wer sich für den Abschluss einer Rürup-Rente interessiert, sollte sich im Vorfeld ausführlich informieren und umfassend beraten lassen. Denn wie bei der privaten Rentenversicherung gibt es diese Rentenform in so vielen Produktvarianten und Tarifmodellen, dass ein Laie mit Sicherheit nur über einen Bruchteil von dem nötigen Hintergrundwissen verfügt, was für ein volles Verständnis benötigt wird.

Kapitallebensversicherung für die finanzielle Absicherung im Rentenalter

Es muss nicht unbedingt eine private Rentenversicherung sein, mit der man sich als Selbständiger für seinen Lebensabend finanziell absichert. Auch eine Kapitallebensversicherung kann für diesen Zweck genutzt werden.

Eine Kapitallebensversicherung ist eine Kombination aus Risikoversicherung und Geldanlage mit Kapitalbildung, d. h. man sichert einmal seine Familie bzw. Angehörigen im Falle seines Todes finanziell ab und es wird zusätzlich Kapital aufgebaut, das einem zum Vertragsende ausgezahlt wird.

Wer in der Auszahlungsphase lieber einen monatlichen (Renten-)Betrag statt einer einmaligen Auszahlung möchte, kann diese Option bei seiner Versicherung beantragen.

Die Beitragshöhe für eine Kapitallebensversicherung ist altersabhängig. Je jünger man ist, desto weniger muss man einzahlen. Da nun im Dezember 2012 die vieldiskutierten Unisex-Tarife eingeführt wurden, sieht es so aus, dass bei neu abgeschlossenen Versicherungen die Beiträge für Frauen steigen und für Männer günstiger werden – im Vergleich zu den vergangenen Jahren.

Kapitallebensversicherungen, die seit dem 1. Januar 2005 abgeschlossen werden, unterliegen bei der Auszahlung der vollen Besteuerung. Dabei werden die über die Jahre eingezahlten Beiträge von der Auszahlungssumme abgezogen, sodass die Differenz der Einkommensteuer unterliegt.

Falls der Vertrag über mindestens 12 Jahre gelaufen und erst nach dem vollendeten 60. Geburtstag des Versicherungsnehmers ausgezahlt wird (für neue Verträge ab 2012 nach dem vollendeten 62. Lebensjahr), wird nur die Hälfte der Erträge besteuert.

Altersvorsorge-Pflichtversicherung für alle Selbständigen ab 2013?

Wie schon am Artikelanfang erwähnt, plant die Bundesregierung im Laufe des Jahres 2013 eine Altersvorsorge-Pflicht für Selbständige einzuführen. Wann genau dies sein wird, ist unklar, denn 2013 steht ja im September auch noch die Bundestagswahl an. Außerdem wolle das Bundesarbeitsministerium noch eine angeforderte Machbarkeitsstudie abwarten.

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Ursache dieser Gesetzesplanung sind wahrscheinlich alarmierende Zahlen, nach denen viele Selbständige nicht genügend verdienen, um davon leben zu können, geschweige denn für ihre Altersvorsorge finanziell aufzukommen. Einige davon (2011 waren es ca. 125.000 Personen) stocken ihre Einkünfte aus selbständiger Arbeit mit Hartz IV auf.

Um der damit sicheren Altersarmut von vielen Selbständigen entgegenzuwirken, soll nun 2013 (oder auch später?) eine Altersvorsorge-Pflicht eingeführt werden.

Alle Selbständigen unter 30 Jahren sollen nach einer Übergangsfrist von drei bis fünf Jahren ihre Rentenvorsorge selbst in die Hand nehmen. Nach der Übergangsfrist ist wohl ein einkommensunabhängiger Betrag von 250 bis 350 Euro monatlich für die Rentenversicherung plus 100 Euro für die Absicherung gegen Erwerbsminderung zu zahlen.

Welche Versicherungsart man auswählen wird – ob nun gesetzliche oder private Absicherung – ist jedem freigestellt.

Für Selbständige zwischen 30 und 50 Jahren gelten abgeschwächte Regelungen. Was in dieser Altersgruppe an monatlichen Pflichtzahlungen von oberer Stelle verlangt wird bzw. wie sich diese abgeschwächte Regelung genau gestaltet, dazu habe ich keine weiteren Informationen im Internet gefunden.

Von der Versicherungspflicht sollen Selbständige, die unter 400 Euro monatlich verdienen, ausgenommen werden.

Ebenfalls nicht betroffen von der geplanten Vorsorge-Regelung für Selbständige sind Ärzte, Rechtsanwälte oder Architekten, die über ihre berufsständischen Versorgungseinrichtungen versichert sind, sowie Mitglieder der Künstlersozialkasse.

Mit den Rentenbeiträgen erwerben Selbständige Ansprüche auf eine Rentenhöhe, die wohl oberhalb der Grundsicherung von 700 Euro liegt. Dafür muss man allerdings 45 Jahre in die Rentenversicherung einzahlen. Das heißt folglich auch, dass viele diese Versicherungszeit nicht schaffen und trotz der monatlichen Einzahlungen nur eine Rente unterhalb der Grundsicherung erhalten.

Fazit

Bin mal gespannt, wie es mit diesem Thema weitergeht. Im Netz wird darüber ausführlich diskutiert, Pro und Contra finden Sie beispielsweise in diesem Artikel. 80.000 Deutsche haben mittlerweile mit einer Online-Petition gegen den Rentenversicherungszwang für Selbständige gestimmt.

Eine finanzielle Absicherung für das Alter sollten auch Selbständige nicht aus den Augen verlieren, wenn sie im Ruhestand nicht von staatlichen Leistungen abhängig werden wollen. Dennoch ist es aus meiner Sicht der falsche Weg, alle Selbständigen zur Altersvorsorge zu verpflichten.

Hier könnte man Selbständige in anderen Bereichen eher finanziell entlasten (siehe u. a. Steuern und Krankenversicherung), um Ressourcen für die Absicherung im Alter frei zu machen.

(Bildquelle Artikelanfang: © detailblick #15588238/Fotolia.com)

 

4 Comments

  1. jan 2. Januar 2013 um 06:57 Uhr

    naja und wie soll das zb bei der geplanten Rentenversicherungspflicht ein selbstständiger bezahlen der jetzt eh schon zu wenig Geld einnimmt?
    dieser Plan ist genau so durchdacht wie viele anderen Dinge, nur mal die Rürupp Rente, das man hier die Einkünfte im Alter noch versteuern soll, eine Frechheit

  2. Micha 14. Januar 2013 um 18:52 Uhr

    Toller Beitrag. Ich finde die Optionen sehr ausführlich erläutert. Ich habe einen guten Überblick über das Thema bekommen. Danke dafür! Der Verpflichtung zur Altersvorsorge stehe ich auch kritisch gegenüber. Sicherlich ist es sinnvoll wenn alle in irgendeiner Form für das Alter vorsorgen. Immerhin entstehen dem Staat ja sonst ebenfalls enorme Kosten. Andererseits frage ich mich ob das Problem damit behoben wird. Wenn ich jetzt schon kaum über die Runden komme kann ich mir wohl kaum noch eine Altersvorsorge leisten. Die Kernfrage sollte dann sein ob der Weg in die Selbstständigkeit wirklich der richtige war!

  3. Karl 4. April 2013 um 13:06 Uhr

    Ich finde auch die Verpflichtung zur Altersvorsorge ist irgendwie ungerecht, troztdem müssen wir zahlen. Auf jeden Fall könnte das System besser funktionieren, aber eine Lösung des Problems kenne ich selber nicht. Dem Kommentar von Micha kann ich nur zustimmen!

  4. Maik 24. März 2017 um 10:54 Uhr

    Selbstständige sollten frühzeitig mit der Rentenplanung beginnen. Ich glaube wir sind uns einig, dass man an einer privaten zusätzlichen Rentenvorsorge nicht mehr vorbeikommt. Entscheidend ist nur, ob man Klein- oder Großverdiener ist und daher sollte man sich Zeit nehmen und die unterschiedlichen Möglichkeiten am besten mal mit einem Rechner durchspielen.

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