Welche Finanzierungsmöglichkeiten haben Selbstständige und Existenzgründer?

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Welche Finanzierungsmöglichkeiten haben Selbstständige und Existenzgründer?

Die wohl größte Hürde, die die meisten Selbstständigen und Freiberufler zu Beginn und insbesondere in der Gründungsphase überwinden müssen, ist die Beschaffung von Fremdkapital.

Denn die wenigsten, die eine tolle Geschäftsidee haben, Unternehmergeist besitzen und einen guten Businessplan in der Tasche haben, bringen genug Eigenkapital mit, um eine neue Firma zu gründen. Um sich den Traum von der Selbstständigkeit erfüllen zu können, müssen sich Selbstständige frühzeitig Gedanken machen, wie sie ihre Existenzgründung finanzieren möchten.

Kapitalbedarf berechnen

Im ersten Schritt sollte erst einmal der Kapitalbedarf genau ermittelt werden. Dabei  ist nicht nur an Büromiete, Betriebsmittel und Investitionen  zu denken, sondern auch an den eigenen Lebensunterhalt. Es kann durchaus einige Monate dauern, bis man den ersten Umsatz auf dem Konto hat. In dieser Zeit müssen aber neben den laufenden Betriebskosten auch die monatlichen Ausgaben für Lebensmittel, Wohnungsmiete, etc. gedeckt werden.

Eigenkapital nutzen

Im zweiten Schritt sollte man sich als Selbständiger Gedanken darüber machen, ob und in welcher Höhe verfügbares Eigenkapital vorhanden ist, welches genutzt werden kann. Eigenes Kapital ist bei der Existenzgründung sehr wichtig und sollte einen Anteil von mindestens 20% am gesamten Kapitalbedarf betragen.

Externe Kapitalgeber achten auf einen vernünftigen Eigenkapitalanteil, da dies ein Anzeichen dafür ist, dass du es als Existenzgründer ernst meinst und an deine Geschäftsidee glaubst. Wer kaum Eigenkapital mitbringt, kann sich gegebenenfalls Geld bei Familienmitgliedern oder Freunden leihen, oder sich einen Geschäftspartner dazu holen.

Kredit von der Hausbank

Im dritten Schritt sollte man sich überlegen, welche externen Quellen man nutzen möchte. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich Fremdkapital zu beschaffen.

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Angefangen mit dem Kredit für Selbstständige. Banken haben für die Zielgruppe der Selbstständigen und Freiberufler oft sehr strikte Vorgaben und sind mit der Kreditvergabe sehr zurückhaltend. Existenzgründer tun sich besonders schwer, da sich die Bank nicht anhand von betriebswirtschaftlichen Auswertungen, Kontoauszügen oder ähnlichem ein Bild von der Geschäftsentwicklung machen kann.

Viele Banken sind nicht bereit, ein so hohes Risiko einzugehen. Dennoch solltest du in einem frühen Stadium mit deiner Hausbank sprechen und diese mit einem guten Businessplan davon überzeugen, dass deine Geschäftsidee gut durchdacht und erfolgversprechend ist. Die Bank möchte einen Eindruck davon bekommen, ob du in der Lage bist, den Kredit samt Zinsen regelmäßig zurückzubezahlen.

Auf Basis eines fundierten Finanzplans solltest du realistisch darlegen, dass sich dein Vorhaben finanziell rechnen wird. Eine entscheidende Rolle bei der Kreditvergabe spielen Sicherheiten. Das kann beispielsweise eine Grundschuld oder Hypothek, eine Lebensversicherung oder Bürgschaft sein. Auch dingliche Sicherheiten wie Maschinen oder Fahrzeuge sind bei Bankkrediten üblich.

Förderprogramme von Bund, Ländern und der EU

Der Kredit von der Hausbank ist nicht die einzige Option für einen Selbstständigen oder Existenzgründer. So gibt es eine Vielzahl an Förderprogrammen, die von Bund, Ländern oder Kommunen angeboten werden, und Existenzgründern den Weg in die Selbstständigkeit ebnen können.

Vorteil dieser Förderkredite sind vor allem die günstigen Konditionen und langen Laufzeiten. Die Zinssätze lassen sich bis zu 20 Jahre festschreiben, so dass du als Selbstständiger eine gewisse Planungssicherheit hast. Zudem sind bei öffentlichen Fördermitteln oft tilgungsfreie Anlaufjahre möglich.

Beantragt werden können öffentliche Förderdarlehen bei der Hausbank oder Sparkasse. Diese leitet deinen Antrag dann weiter an die zuständige Förderbank, beispielsweise die KfW, die Kreditanstalt für Wiederaufbau. Sind keine oder nur unzureichend Sicherheiten vorhanden, gibt es sogar Förderkredite mit Haftungsfreistellung. Das bedeutet, dass sich Hausbank und Förderbank den Ausfallbetrag teilen, sofern ein Teilbetrag des offenen Kredites abzüglich der Sicherheiten nicht bezahlt werden kann.

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Beteiligungskapital

Eine weitere Möglichkeit, an Kapital zu kommen, ist es, Investoren für sich zu gewinnen. Das können private Geldgeber, Beteiligungsgesellschaften oder Gründerfonds sein. Sie erwerben Unternehmensanteile und sind damit auch am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt.

Man unterscheidet zwischen einer offenen und einer stillen Beteiligung. Von einer offenen Beteiligung spricht man, wenn die Geldgeber in den Kreis der Gesellschafter aufgenommen werden und dies nach außen auch erkennbar ist. Der neue Anteilseigner wird ins Handelsregister eingetragen. Bei der offenen Beteiligung erhält das Unternehmen damit Eigenkapital. Um eine stille Beteiligung handelt es sich dagegen, wenn der stille Gesellschafter zwar am Gewinn und ggf. auch am Verlust beteiligt wird, jedoch nicht am Vermögen. Er tritt nach außen hin nicht als Gesellschafter auf.

Die Finanzierung über Beteiligungskapital hat den Vorteil, dass keine Sicherheiten notwendig sind. Sind die Investoren überzeugt vom Erfolg deines Geschäftsmodells, stellen sie ihr Kapital für die Realisierung deiner  Geschäftsidee gegen entsprechende Unternehmensanteile zur Verfügung. Häufig übernehmen Investoren nicht nur die Funktion des Geldgebers, sondern stehen Existenzgründern auch beratend zur Verfügung.

Crowdfinanzierung

Eine neuere Form der Finanzierung für Selbstständige oder Existenzgründer ist das Crowdfunding bzw. Crowdlending. D.h. eine große Masse von privaten oder institutionellen Anlegern investieren in ein Projekt oder eine neue Geschäftsidee.

Auf einem Online-Marktplatz können Selbstständige oder Existenzgründer ihr Projekt vorstellen und Anleger davon überzeugen, dass es sinnvoll und erfolgversprechend ist. Je nach Art der Crowdfinanzierung erhalten die Investoren später entweder einen ideellen Gegenwert oder das erste Serienmodell (Crowdfunding i.e.S.), einen Anteil am Gewinn oder am Unternehmen (Crowdinvesting) oder das geliehene Geld (Crowdlending) wieder zurück.

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Der große Vorteil der Crowdfinanzierung ist die hohe Finanzierungsgeschwindigkeit. Während man bei der Hausbank oft monatelang verhandeln und auf seinen Kredit warten muss, haben Selbstständige, die ihr Projekt über die Crowd finanzieren lassen, das Geld oft schon innerhalb weniger Tage auf dem Konto.

Fazit

Auch wenn der Weg für einen Selbstständigen oder Existenzgründer zunächst steinig und schwer und die Finanzierungshürde manchmal unüberwindbar erscheint, so gibt es heute dennoch eine ganze Menge an Möglichkeiten und Chancen für Selbstständige, die richtige Finanzierung zu finden.

(Bildquelle Artikelanfang: © PinkBlue #44534851/Fotolia.com)

Über den Autor:

Auf meinem Geld-online-Blog schreibe ich über alle Themenbereiche, die die Selbständigkeit online sowie erfolgreiches Arbeiten und Geldverdienen im Internet betreffen.

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